© WikimediaDer deutsche Aerosollöscher «Hurricane» blieb ein teures Experi­ment – und steht heute im Feuerwehrmuseum Fulda.Der deutsche Aerosollöscher «Hurricane» blieb ein teures Experi­ment – und steht heute im Feuerwehrmuseum Fulda.Russen mögen es gross und auffällig. Im Stras­sen­­verkehr wie im Einsatz. Darum erfanden sie den Turbolöscher, eine Symbiose aus Panzer und Jet-Triebwerk. Heute stehen Lkw-basierte Aerosollöschfahrzeuge (ALF) im Dienst vieler Werkfeuerwehren.

Wenn etwas so richtig deftig schiefgeht, darf man nicht zimperlich sein. Etwa, wenn ein Grossbrand tobt, der mit konventionellen Mitteln nicht zu löschen ist. Genau das geschah einst im Ural – und die Russen hatten eine zündende Idee: Sie schraubten das Strahltriebwerk eines Kampfjets auf das Fahrgestell eines Panzers – und bliesen das Feuer mit enorm viel Wasser und noch mehr Winddruck einfach aus. Der «Turbolöscher» war erfunden!

Der Turbolöscher der «Schwarzen Pumpe»

Einer der ersten Turbolöscher ausserhalb Russlands entstand 1980 am Institut der Feuerwehr in Heyrothsberge – auf Basis eines ADK-70-Allrad-Lkw mit sowjetischem Klimow-WK-1-Turbojet-Triebwerk. Zwei dieser Löschfahrzeuge wurden 1982 durch die Abteilung Betriebsbauten des Gaskombinats «Schwarze Pumpe» in Betrieb gestellt. Eines davon, mittlerweile auf ein MAN-LKW-Fahrgestell mit geschlossener Kabine umgepflanzt, steht bis heute bei der Werk­feuerwehr des Braunkohle-Kraftwerks «Schwarze Pumpe»
im Einsatz – und leistet auch bei Waldbränden wertvolle Dienste.

Big Wind, Star des Irakkriegs

Zehn Jahre nach den DDR-Ingenieuren, 1990, stellten ungarische Entwickler das Aerosollöschfahrzeug (ALF) «Big Wind» auf die Räder – sorry – Ketten: ein ferngesteuertes Monster auf Basis eines T-34-Panzers, garniert mit gleich zwei MIG-21-Triebwerken und sechs Wasserdüsen, die bis zu 830 Liter Wasser pro Sekunde speien können. Genug Lösch-Power, um zahlreiche der knapp 1’000 während des Irakkriegs (1990 und 1991) in Kuwait mutwillig entzündeten Ölquellen zu löschen! Mit diesem Erfolg läutete «Big Wind» den weltweiten Siegeszug der Turbolöscher ein.

© HerstellerDer ungarische Abgaslöscher «Big Wind» mit zwei MIG-21-Triebwerken läutete den Siegeszug der Aersosollöscher ein.Der ungarische Abgaslöscher «Big Wind» mit zwei MIG-21-Triebwerken läutete den Siegeszug der Aersosollöscher ein.

Ein teures Experiment

Ein Erfolg, der die Russen ärgerte – und die Deutschen. Letztere liessen nämlich von Mai 1991 bis Juli 1993 durch die Erdöl-Erdgas Gommern in Neubrandenburg das Abgaslöschfahrzeug «Hurricane» mit MIG-21MF-Triebwerk und T-55A-Panzerfahrgestell aufbauen. Dessen Entwicklung, in die das Bundesministerium für Bildung und Forschung 750’000 Euro Fördergelder pumpte, dauerte aber viel zu lange – und so blieb das heute im Deutschen Feuerwehrmuseum Fulda ausgestellte ALF ein sündteures Experiment.

Grösser, schwerer, russisch

Die Russen indes entwickelten ihre Turbolöscher kontinuierlich weiter. Der Hersteller Pozhtechnika stellte auf der Interschutz 2010 das MRU GVT-150 auf Kettenbagger-Basis mit Mono-Strahltriebwerk vor. Dieses kann aus der Fahrerkabine heraus oder via Fernsteuerung gesteuert werden. Nochmals deutlich grösser ist der von Omsktransmash entwickelte T-80-Feuerwehr-Panzer. Dieser wiegt 60 Tonnen, verfügt über einen 25’000-Liter-Löschwassertank und Hochleistungsdüsen mit bis zu 100 Meter Reichweite und steht seit 2016 in kleiner Stückzahl im Dienst der russischen Armee – überall dort, wo mit erhöhter Explosionsgefahr zu rechnen ist. Laut Hersteller kann den drei Besatzungs­mitgliedern des vermutlich sichersten Feuerwehrfahrzeugs der Welt selbst ein in nur fünf Meter Entfernung detonierender 152-mm-Sprengkopf nichts anhaben.

© EvonikDieser von Zikun gebaute Turbolöscher wird von der Werkfeuerwehr von Evonik in Rheinfelden genutzt.Dieser von Zikun gebaute Turbolöscher wird von der Werkfeuerwehr von Evonik in Rheinfelden genutzt.

ALF bei Werkfeuerwehren

Auch die Deutschen gaben nicht klein bei – und bauen heute die besten Lkw-gestützten ALF. Diese leisten gute ­Dienste bei der Brandbekämpfung in der chemischen Industrie, bei der Kühlung und Abriegelung von Produktionsanlagen, beim Niederschlagen von Gasen und im Fall grösserer Vege­tationsbrände – und stehen daher vor allem bei Werk­feuer­wehren (WF) hoch im Kurs. So nutzt die WF von BASF in Ludwigshafen gleich zwei mit Alphajet-Triebwerken arbeitende Turbolöscher – einen mit und einen ohne 180-Grad-Drehkranz. Konstruiert wurden die Fahrzeuge, deren Wasserdüsen bis zu 6’000 respektive 8’000 Liter pro Minute speien, von der Firma Zikun, die ähnliche ALF auch für die WF von Bayer, BASF Antwerpen und Wacker Chemie (Burghausen, Nünchritz und Charlestone/Tennessee USA) ­lieferte.

Etwas anders konstruiert ist das ALF der WF des Chemieunternehmens Evonik am Standort Worms. Dieses arbeitet mit der «Turbo Hydro Jet»-Box von Dicosy, die auf der Interschutz 2015 erstmals gezeigt wurde. Am Standort Rheinfelden unweit von Basel setzt Evonik indes wie andere Werkfeuerwehren auch auf einen Turbolöscher von Zikun.

Aerosollöschroboter

© PozhtechnikaDie russische Firma Pozhtechnika stellte auf der Interschutz 2010 den MRU GTV-150 auf Basis eines Raupen­baggers vor.Die russische Firma Pozhtechnika stellte auf der Interschutz 2010 den MRU GTV-150 auf Basis eines Raupen­baggers vor.

Ähnlich wie die grossen Panzerlöscher funktionieren fernsteuerbare ALF-Roboter wie das Löschunterstützungsfahrzeug (LUF) 60 des österreichischen Herstellers Rechner. Dieses fährt auf Raupen, zerstäubt pro Minute maximal 3’000 Liter Wasser oder Schaum und wirft das Gemisch bis zu 90 respektive 35 bis 70 Meter weit (je nach Schaumart). Genutzt wird das Kompakt-ALF von Werkfeuerwehren ebenso wie von öffentlichen Feuerwehren wie etwa der Stützpunkt­feuerwehr Küssnacht SZ.

Kompakt-, Waldbrand- und Micro-ALF

Das deutsche Pendant zum LUF 60 ist der AirCore, den Herstellerin Magirus als «Mehrzweckwaffe für Feuerwehren» anpreist und in Kooperation mit der auf Schneekanonen spezialisierten TechnoAlpin-Gruppe entwickelt hat. Das auf einer 360 Grad dreh- und von –20 bis +50 Grad schwen­kbaren Hochleistungsturbine basierende Löschgerät ist in diversen Varianten erhältlich: Als Modell mit Lieferwagen-Fahrgestell (z. B. Iveco Daily), als Modell «AirCore TAF35» mit Raupenfahrwerk und Räumschild und – für Bahn-Feuerwehren – mit Schienenfahreinrichtung.

Speziell für die Bekämpfung von Vegetationsbränden entwickelt wurde der im September 2020 präsentierte Magirus FireBull. Er basiert auf dem PowerBully-Fahrgestell der Kässbohrer Geländefahrzeug AG, ist 310 PS stark, bietet 1,40 Meter Wattiefe, 60 Prozent Steig- und 40 Grad Neigefähigkeit, einen 10’000-Liter-Wassertank sowie eine Löschturbine. Besonders faszinierend an diesem ALF ist die Tatsache, dass es trotz 30 Tonnen maximalem Gesamtgewicht nur 300 g/cm2 Bodendruck erzeugt – und so selbst in Mooren nicht absackt.

© MagirusDer Magirus FireBull basiert auf einem Pisten-Bully und ist mit einer schwenkbaren Löschkanone bestückt.Der Magirus FireBull basiert auf einem Pisten-Bully und ist mit einer schwenkbaren Löschkanone bestückt.

Im Vergleich zum FireBull winzig sind Kleinst-ALF wie der LUF Micro. Dieser ist nur 1,25 Meter lang, 550 Kilogramm leicht, rollt auf Rädern und findet in einem grösseren TLF locker einen Stellplatz. Dennoch kann er 2’000 Liter/Minute mit 16 bar Druck vernebeln und seine Düsen schaffen immerhin 20 Liter/Minute. Etwa dieselben Leistungsdaten hat die Löschkanone des von Alpha Robotics Germany entwickelten «Alpha Wolf R1». Dieser verfügt über einen umweltfreundlichen Elektroantrieb, ist mit bis zu 15 km/h vergleichs­weise pfeilschnell und so etwas wie das Schweizer Sackmesser unter den Micro-LUF. Denn neben der Löschkanone kann das 1,67 Meter lange, 1,23 Meter breite, 850 Kilogramm schwere und mit sieben Kameras (4 davon IR-fähig) sowie zwölf Hochleistungs-LED-Scheinwerfern bestückte Vehikel auch mit Seilwinde, Krallenstützen, Raman-Spektrometer und Roboterarm bestückt werden.

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