© AP/WikimediaEin Kumpel steigt 1963 in Lengede aus der «Dahlbuschbombe», mit der die Verschütteten durch eine Rettungsbohrung ans Tageslicht geholt wurden.Ein Kumpel steigt 1963 in Lengede aus der «Dahlbuschbombe», mit der die Verschütteten durch eine Rettungsbohrung ans Tageslicht geholt wurden.In der Schweiz gibt es weder Bergwerke noch eine Meeresküste – aber immerhin die schönsten Berge. In allen drei Gefilden können Menschen in Not geraten. Findige Tüftler entwickelten entsprechende Rettungsgeräte.

© AP/WikimediaBeim Grubenunglück in Chile 2010 wurde die mit seitlichen Rollen verbesserte Kapsel «Fenix 2» eingesetzt.Beim Grubenunglück in Chile 2010 wurde die mit seitlichen Rollen verbesserte Kapsel «Fenix 2» eingesetzt.Die Dahlbuschbombe

Als Anfang März 2021 der 97-jährige Ingenieur Wilhelm Tax aus Gelsenkirchen-Rottenhausen starb, wurden Erinnerungen an zwei dramatische Unglücke wach: das «Wunder von Lengede» und das «Drama von San José». Bei Ersterem fluteten im November 1963 rund fünf Milliarden Liter Schlammwasser aus einem geborstenen Klärteich die Stollen der Grube Mathilde bei Gelsenkirchen. Von den 129 Männern im Bergwerk konnten 79 fliehen, 19 ertranken und 50 weitere wurden eingeschlossen – während 336 Stunden. Immerhin 21 konnten lebend gerettet werden. Beim «Drama von San José» im August 2010 in Chile wurden 33 Kumpel bei einem Felssturz verschüttet. Erst nach 69 Tagen konnten sie alle gerettet werden – aus rund 700 Metern unter Tage.

Möglich wurden die Rettungen bei beiden Unglücken dank des hellen Kopfes und des Tüftlergeistes von Wilhelm Tax. Der ersann bereits 1955, als drei Kumpel nach einem Blindschachteinsturz in der 1852 gegründeten Gelsenkirchener Zeche «Dahlbusch» verschüttet worden waren, mit Kollegen die «Dahlbuschbombe», eine zigarren­förmige Kapsel mit lediglich 38 Zentimeter Durchmesser. Diese wurde, aufgehängt an einem Stahlseil, durch Rettungsbohrungen in die Tiefe abgesenkt und wieder ans Tageslicht befördert – mit jeweils einem Mann an Bord.

Klebeband und eine Socke im All

Ebenso weltweite Anteilnahme wie die geschilderten Bergwerksunglücke erntete am 13. April 1970 die Explosion eines Sauerstofftanks an Bord von Apollo 13. Diese war seit 55 Stunden unterwegs zur dritten Mondlandemission, als die Astronauten Jim Lovell, Jack Swigert und Fred Haise meldeten: «Houston, we’ve had a problem!» In der Flugleitzentrale wird entschieden: Die Männer müssen die Mondfähre als Überlebensmodul nutzen. Doch dabei drohte die Gefahr, dass die Astronauten ersticken, denn die runden Kohlendioxidfilter der Fähre waren nicht kompatibel mit den eckigen Filtern in der Kapsel. In Windeseile ersannen Techniker der NASA einen Adapter, konstruiert aus diversen in der Kapsel befindlichen Dingen – darunter eine Socke und Klebeband. Die Astronauten bauten den Adapter nach Anleitung nach und landeten am 17. April 1970 sicher im Pazifik.

© history.nasa.govDer mithilfe einer Socke, Klebeband und anderer Bordutensilien zusammengeschusterte Luftfilter an Bord von Apollo 13.Der mithilfe einer Socke, Klebeband und anderer Bordutensilien zusammengeschusterte Luftfilter an Bord von Apollo 13.Hosenboje und Raketenapparat

Bereits im 19. Jahrhundert dienten die Weltmeere als globale Transportwege und entsprechend gerieten immer wieder Schiffe in Not. Geschah dies in Küstennähe, wurde es für die Retter ebenso lebensgefährlich wie für die Schiff­brüchigen. Manch einer der wagemutigen Retter bezahlte den Versuch, über Riffe, Felsen und Untiefen hinweg und durch Strömungen und starke Brandung hindurch zu den Schiffbrüchigen zu gelangen, mit dem eigenen Leben.

1807 kam der englische Admiral George William Manby auf die Idee, die Fluten nicht zu durchqueren, sondern über diese hinwegzuschweben. Dazu konstruierte er den «Raketenapparat» und die «Hosenboje». Der Raketenapparat, eine riesige Pfeilschleuder, wurde mit Pferden an die Küste gezogen. Möglichst nah am Wrack wurde dann mit seiner Hilfe eine Leine über das Schiff geschossen – und ein Flaschenzugsystem aufgebaut. An diesem konnten sodann die Schiffbrüchigen, einer nach dem andern, in der Hosenboje, einer Kombination aus kurzer Hose, Rettungsring und Aufhängung, an Land gezogen werden.

© Hermann Huber/Martin Weixler1957 auf dem Gipfel der Eiger-Nordwand: Der Bergretter Lionel Terray trägt Claudio Corti im Gramminger-Sitz die letzten Meter zum Eiger-Gipfel, während Ludwig Grammingers Freund Hermann Huber beide zu sichern versucht. 1957 auf dem Gipfel der Eiger-Nordwand: Der Bergretter Lionel Terray trägt Claudio Corti im Gramminger-Sitz die letzten Meter zum Eiger-Gipfel, während Ludwig Grammingers Freund Hermann Huber beide zu sichern versucht. Ackja, Rettungswinde und Gramminger-Sitz

Einer der grössten Erfinder von Bergrettungsgeräten, von denen viele bis heute im Einsatz sind, war Ludwig «Wiggerl» Gramminger (11.05.1906 bis 28.08.1997). Dieser war ein legendärer Gipfelstürmer, trat 1925 in die Bergwacht ein, wurde 1931 hauptberuflich Bergretter und war massgeblich in den Aufbau sowohl der bayerischen als auch der deutschen Bergwacht involviert. Gramminger, Träger des Grünen Kreuzes (Ehrenzeichen für Rettung aus Bergnot) und Ehrenmitglied der Internationalen Kommission für Alpines Rettungswesen (IKAR), war ein Praktiker mit Improvisationstalent – und entwickelte so wichtige Rettungsgeräte wie den Rettungsschlitten, die Seilwinde mit kuppelbarem Seil, die Streckschiene, den Bremskarabiner, den Skistock mit Lawinenschnur und den «Gramminger-Sitz», mit dessen Hilfe ein Verunglückter auf dem Rücken des Retters gesichert und geborgen werden kann.

Gramminger sammelte gesamthaft 42 Patente – und gab diese alle zum Nachbau frei. Ebenso grosszügig liess er Mitglieder von Bergwacht, Alpenvereinen, Grenzschutz, Armee und Polizei sowie Ärzte, Lehrer und Jugendliche in Kursen an seinem Wissen teilhaben. Und natürlich retteten Gramminger und seine Kollegen viele Leben. Laut Aufzeichnungen der Bergwacht waren es mehr als 1’000 Verletzte und rund 200 geborgene Tote.

1957 erlangten Gramminger und seine Kollegen auch hierzulande Ruhm – als sie mit einem internationalen Rettungsteam eine Gruppe Bergsteiger um den Italiener ­Claudio Corti inmitten eines Schneesturms aus dem oberen Teil der Eiger-Nordwand bargen. Die Aktion, bei der Corti über mehr als 300 Meter an einem Stahlseil aus der Wand gezogen und dann im Gramminger-Sitz zum Gipfel getragen wurde, ging als erste Lebendrettung aus der Eiger-Nordwand in die Annalen ein.

Hermann Huber, ein Weggefährte Grammingers und 1957 persönlich beim Einsatz an der Eiger-Nordwand mit von der Partie, stellte uns die hier gezeigten Originalfotos zur Verfügung (MERCI vielmol, lieber Hermann!). Er empfiehlt allen, die sich für Bergrettung und Geschichte interessieren, Grammingers autobiografisches Werk «Das gerettete Leben». Eigentlich ist das im Bergverlag Rother erschienene Buch zwar vergriffen. Wer aber eines ergattern kann, sollte sofort zugreifen. Das Buch ist authentisch, beeindruckend – und zeigt zahlreiche Originalfotos aus dem Leben und Wirken von Ludwig Gramminger.

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