© Screenshot youtube / shutterstock.comAls ein Monteur in einem solchen Bankomaten der Bank of America eingeschlossen war, flehte er mithilfe handgeschriebener Zettelchen um Hilfe. Mit Erfolg!Als ein Monteur in einem solchen Bankomaten der Bank of America eingeschlossen war, flehte er mithilfe handgeschriebener Zettelchen um Hilfe. Mit Erfolg!Am kreativsten ist der Mensch in der Krise. Die wichtigsten Erfindungen entstehen meist in Krisenzeiten – und Menschen in Not entwickeln verblüffenden Ideenreichtum, um Retter auf sich aufmerksam zu machen.

«Ich würde laut um Hilfe schreien», antworten die meisten auf die Frage, wie sie in einer Notlage Rettung alarmieren würden. Doch was, wenn niemand die Schreie hören kann? Was, wenn man nicht schreien kann – oder will, weil nicht nur potenzielle Retter aufmerksam würden, sondern auch der Bösewicht, der einen bedroht? Sieben Tatsachen­berichte zeigen, welche kuriosen Kommunikationsmethoden Menschen in Not seit 2015 schon erfolgreich angewandt haben.

Schreiben statt schreien

Im Juli 2017 schloss sich in Corpus Christi, Texas, ein ­Mechaniker selbst im winzigen Raum hinter einem Bankomaten der Bank of America ein – als er das Schloss der Tür wechselte. Das Problem: Er arbeitete an einem Mittwoch – und damit ausserhalb der Öffnungszeiten –, es gab keinen Notrufschalter und sein Handy lag im Auto. Zwar hörte er, wie Menschen Geld abhoben. Doch die hörten seine Hilferufe und Klopfzeichen nicht. In seiner Not steckte der Mann kleine Zettel mit der Nachricht «Helft mir! Ich stecke fest und habe mein Telefon nicht dabei. Bitte ruft meinen Boss an. Tel. …» durch den Schlitz des Quittungsdruckers. Gottlob hatte er genug Papier, denn viele Menschen vermuteten einen Streich. Erst nach Stunden nahm jemand den Hilferuf
ernst – und rief die Polizei herbei, die den Mechaniker ­unverletzt befreite.

Ebenfalls auf Zettelchen vertraute Anfang Februar 2021 eine Frau aus Wörgl im Bezirk Kufstein. Als ihr stark alkoholisierter Partner (29) sie mit einer CO2-Pistole bedrohte, flüchtete sie ins Bad und warf Papierzettel mit einem Hilferuf aus dem Fenster. Eine Bewohnerin des Mehrparteienhauses fand die Botschaft, schlug Alarm – und wenig später überwältigten Angehörige des Polizei-Sonderkommandos Cobr­a den in der Wohnung verschanzten Täter.

© BMI ÖsterreichAls eine von ihrem Partner bedrohte Frau im österreichischen Wörgl Zettelchen mit einem Hilferuf aus dem Fenster warf, rückte innert Kürze die Spezialeinheit Cobra (hier bei einer Übung) an – und befreite sie.Als eine von ihrem Partner bedrohte Frau im österreichischen Wörgl Zettelchen mit einem Hilferuf aus dem Fenster warf, rückte innert Kürze die Spezialeinheit Cobra (hier bei einer Übung) an – und befreite sie.Grössere «Umwege» in Kauf nehmen

Im Juli 2018 gerieten ein Bergführer und seine Begleitung am Cima del Lago in den Dolomiten in Not. Als sie keine Verbindung zur Bergrettung aufbauen konnten, schickten sie eine WhatsApp-Nachricht an einen Bekannten in Dortmund. Der alarmierte über den Notruf 112 die Dortmunder Feuerwehr, welche die ungefähre Position der Bergsteiger via eine italienische Leitstelle an die Bergrettung im süd­tirolischen Wolkenstein weiterreichte. Kurz danach waren die Männer in Sicherheit.

Ob das Paar, das im Juni 2020 im slowenischen Triglav-Nationalpark Hilfe benötigte, diese Geschichte kannte, ist unbekannt. Sicher ist: Als die Frau beim Aufstieg auf den Berg Jalovec auf einem Schneefeld abrutschte und in ein Geröllfeld stürzte, rief ihr Partner den in München wohnhaften Bruder der Frau an. Dieser informierte die integrierte Leitstelle in München, welche die Touristeninfo des ­Triglav-Nationalparks kontaktierte, die wiederum die Polizei alarmierte, welche letztlich die Bergwacht in Marsch setzte – zu Fuss, da schlechtes Wetter einen Helikoptereinsatz vereitelte. Nach einer Nacht im provisorischen Biwak trugen die Bergretter die Frau ins Tal, wo sie der Helikopter aufnahm und ins Spital flog.

Klopfzeichen geben

Im April 2020 fuhr ein Mann aus Würzburg nach Rostock. In Erfurt wollte er übernachten, fand aber – die Corona-Massnahmen grüssen – spät in der Nacht keine Unterkunft. Kurzerhand legte er sich für ein Nickerchen in den Kofferraum seines zweisitzigen Mercedes SLK. Als der Kofferraum­deckel zuschlug, war er gefangen. Erst nach vier Stunden hörte eine Passantin sein Klopfen und Schreien. Die eilig herbeigerufene Polizei öffnete den Kofferraum – erhielt aber keine Antwort auf die Frage, weshalb sich der Mann nicht einfach auf den Beifahrersitz gelegt hatte.

Online eine Pizza bestellen

Im Mai 2015 wurde eine Frau aus Avon Park, Florida, Opfer einer häuslichen Geiselnahme. Ihr Lebensgefährte entwendete ihr im Streit das Handy und bedrohte sie mit einem langen Messer, sogar, als die Frau die Kinder aus der ­Schule abholte. Letztlich konnte die Frau dem Täter die Erlaubnis abringen, eine Pizza für die Kinder bestellen zu dürfen – online. Dabei schrieb die Frau «911 hostage help!» (911 Geisel Hilfe!) ins Kommentarfeld. Die Köchin der nahe gelegenen Pizza-Hut-Filiale, bei der die Frau Stammkundin war, reagierte goldrichtig – und informierte die Polizei. Diese konnte den 26-jährigen Täter zum Aufgeben bewegen und festnehmen.

© Deutsche BahnIm behindertengerechten WC des ICE 4 der Deutschen Bahn gibt es eine Notruftaste. Fährt man in einem nicht so modernen Zug, kann ein WC-Besuch in einen Notruf münden, wie Grünen-Politiker Matthias Oomen leidvoll erleben musste.Im behindertengerechten WC des ICE 4 der Deutschen Bahn gibt es eine Notruftaste. Fährt man in einem nicht so modernen Zug, kann ein WC-Besuch in einen Notruf münden, wie Grünen-Politiker Matthias Oomen leidvoll erleben musste.Twittern – auch wenn’s peinlich ist

Am 22. April 2018 plagte den deutschen Grünen-Politiker Matthias Oomen im Zug ein dringendes Drängen – und er begab sich aufs Zug-WC. Nach Verrichtung seiner Notdurft sah er sich zum Notruf gezwungen: Die Tür der Zug-Toilette war verklemmt, Oomen sass fest. Kurzerhand twitterte er an die Deutsche Bahn: «Ich bin im EC Berlin–Dresden und aus irgendeinem Grund blockiert die Tür der Toilette. Notrufsprechstelle gibt es nicht. Ich würde gerne in Neustadt raus. Könnt ihr mir helfen?»

Die Deutsche Bahn reagierte umgehend – und fragte: «Also sind Sie in der Toilette eingesperrt?» Oomen, der bereits erfolglos versucht hatte, die Tür einzutreten, bestätigte – und wurde am Bahnhof in Dresden-Neustadt befreit. Die Zug­toilette sei nun «ein Fall für das Ausbesserungswerk», twitterte Oomen später. «Na besser, als bis Budapest mitfahren zu müssen», erwiderte die Deutsche Bahn. Die ungarische Hauptstadt war nämlich das Endziel des Zugs.

Die Aufmerksamkeit, die er durch Berichte über das Missgeschick bekam, nutzte Oomen für einen Spendenaufruf: «Wenn du darüber gelacht hast, dass ich auf der Toilette eingesperrt war, spende doch ein wenig an die @Bahnhofsmission!», twitterte er. Die helfe nämlich auch, «wenn alles nur zum Heulen ist».

Seit der islamistische Terrorismus in Europa grassiert, verstärken viele Staaten die Aktivitäten zur Überwachung der Bevölkerung. Das geht zulasten von Bürgerrechten und Freiheit. Auch die Schweiz will das Nachrichtendienstgesetz (NDG) revidieren.

Manchen können die Befugnisse des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) sowie der Polizei nicht umfangreich genug sein, andere sehen bereits mit dem seit 1. September 2017 geltenden Nachrichtendienstgesetz (NDG) die Bürgerrechte ausgehebelt und die Freiheit der Bevölkerung beschnitten. Entsprechend erhofft die eine Seite von der aktuell laufenden Revision des NDG verschärfende Nachbesserungen vom Bundesrat, während die andere Sorgenfalten auf der Stirn hat. Die Wahrheit liegt, wie so oft, zwischen den Extremen.
Allem vorausgeschickt werden muss, dass die anstehende Revision des NDG schon lange geplant wurde. Konkret hatte der Bundesrat bereits im September 2016, als die Schweizer Stimmberechtigten über das NDG entschieden und es mit 65,5 Prozent Ja-Stimmen annahmen, eine zeitnahe Revision des neuen Gesetzes in Aussicht gestellt. Dies, um noch offene, rechtlich umstrittene Punkte zu klären. Die dafür nötigen Analysen, Prüfungen und Rechtsgutachten freilich benötigten Zeit, weshalb der Bundesrat beschloss, ein nicht perfektes NDG sei besser als gar keines – und es trotz Klärungsbedarf zur Abstimmung brachte.

Die NDG-Revision im Überblick

Anfang 2019 dann erteilte der Bundesrat dem VBS den Auftrag, bis Sommer 2020 einen Vernehmlassungsentwurf für die Revision des NDG zu erarbeiten. Zwei Punkte waren dabei von Anfang an unbestritten. Erstens sollen die Auf­gaben der «unabhängigen Kontrollinstanz für die Funk- und Kabelaufklärung (UKI)» an die ebenfalls unabhängige «Aufsichtsbehörde über die nachrichtendienstlichen Tätigkeiten (AB-ND)» übertragen werden. Zweitens wird diskutiert und geprüft, ob und unter welchen konkreten Voraussetzungen genehmigungspflichtige Massnahmen – beispielsweise die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs oder das Eindringen in Computersysteme und Computernetz­werke – künftig auch für die Aufklärung von Gewaltextremismus zugelassen werden sollen. Bisher sind solche Massnahmen in diesem Kontext untersagt – wegen Unverhältnismässigkeit – und nur bei Vorliegen potenziell besonders grosser Bedrohungen in den Bereichen Terrorismus, verbotener Nachrichtendienst (Spionage), Proliferation, Angriffe auf kritische Infrastrukturen oder zur Wahrung weiterer wichtiger Landesinteressen zulässig.

Drei weitere Punkte betreffen eher formelle Korrekturen, von denen manche nicht unerheblich sind. So formulierte die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) in ihrem Tätigkeitsbericht 2019 klare Forderungen in Bezug auf den ­«Umgang mit Daten». Unter anderem soll die Systemlandschaft vereinfacht werden – wofür das Kapitel «Datenbe­arbeitung und Archivierung» des NDG überarbeitet werden muss. Weitere Anpassungen an den Gesetzestexten werden aufgrund eines Rechtsgutachtens des Bundesamts für ­Justiz (BJ) nötig, welches für Klarheit hinsichtlich der zuvor teils unterschiedlichen Rechtsauffassung der GPDel und des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) sorgte. Und zu guter Letzt müssen zwischenzeitlich durchgeführte Prüfungen und Erkenntnisse der AB-ND ebenfalls in die Revision einfliessen.

Vor diesem Hintergrund – und wohl auch angesichts der Corona-Pandemie, die Kräfte bindet und Prozesse verlangsamt respektive erschwert – gewährte der Bundesrat dem VBS unlängst mehr Zeit für die Erstellung des Vernehmlassungsentwurfs. Konkret bis Ende 2021.

Schnüffelstaat Schweiz?

Vor Ende dieses Jahres wird sich am NDG also noch nichts ändern und erst dann wird publiziert, ob die genehmigungspflichtigen Datenbeschaffungsmassnahmen auf den Bereich Gewaltextremismus ausgeweitet werden sollen – und unter welchen Bedingungen sie ergriffen werden dürfen. Die Hürden werden hoch sein. Bereits heute werden genehmigungspflichtige Beschaffungsmassnahmen zurückhaltend eingesetzt. Laut dem jährlich publizierten Lagebericht des NDB gab es 2019 lediglich 47 Massnahmen (5 Operationen), von denen 10 Personen betroffen waren. Rund die Hälfte der Massnahmen (24) und Operationen (3) betrafen terroristische Bedrohungen, 15 bezogen sich auf Spionage (verbotener Nachrichtendienst). 2018 wurden deutlich mehr, nämlich 193 Massnahmen (8 Operationen) bewilligt. Allerdings bezogen sich 170 davon auf die Aufklärung von Spionagetätigkeiten, insbesondere russischer Nachrichtendienste. Diese sind in der Schweiz traditionell sehr aktiv und wurden 2018 von gleich zwei Begebenheiten aufgescheucht: erstens von den Untersuchungen der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu Chemiewaffeneinsätzen in ­Syrien und zweitens vom Mordversuch am russischen Ex-Nachrichtendienstangehörigen Sergei Skripal in Salisbury (Gross­britannien). Im Zusammenhang mit terroristischen Bedrohungen wurden 2018 landesweit 23 Massnahmen genehmigt – nahezu gleich viele wie 2019.

Fazit

Bis dato präsentieren sich die Bürgerrechte in unserem Land grösstenteils intakt und gut geschützt. Auch wurden seit Inkrafttreten des NDG keine Fälle publik, in denen der NDB die ihm bereits heute zugestandenen, teils sehr umfangreichen Befugnisse und Möglichkeiten missbraucht hat. Die Kontrollinstrumente scheinen zu greifen und die Bürger­innen und Bürger können, gestützt auf Art 63 NDG und Art 8 Datenschutzgesetz, überdies jederzeit Auskunft darüber verlangen, ob und, falls ja, welche Daten der NDB über sie bearbeitet hat. 2018 wurden 73 solche Anträge gestellt, 2019 waren es annähernd 850. Dieser markante Anstieg der Auskunftsgesuche zeigt: Die Menschen, vor allem jene, ­denen der Begriff «Fichenaffäre» noch etwas sagt, kennen ihre Rechte, nehmen diese wahr und sind dem NDB gegenüber kritisch bis sehr misstrauisch eingestellt. Der Bundesrat und der NDB sollten entsprechend alles dafür tun, dass die Schweiz mit der Revision des NDG nicht tatsächlich zum Schnüffelstaat mutiert. Dies umso mehr, als das Vertrauen der Bürger in die Fähigkeiten und Kompetenzen der (politischen) Führung in Zeiten von Corona schon schwer genug gelitten hat.

© Jörg RothweilerDer Volvo V60 bietet, was Geschäftsreisende und Familien wollen: viel Platz, Komfort, Sicher­heit und Variabilität. Als Plug-in-Hybrid soll er etwa 50 Kilometer rein elektrisch fahren, dank 340 PS Systemleistung schneller sein, als die Polizei erlaubt, und nach WLTP nur 1,7 bis 2,0 l/100 km verbrauchen. Kann das sein? Wir haben es ausprobiert.

Wer Volvo lebt Understatement – auch im Volvo V60. Besonders elegant wirkt dieser im weissen Blechkleid, das 1,85 m breit ist, sich auf 1,43 m duckt und über stattliche 4,76 m streckt. «Wer braucht da noch den nur 18 cm längeren, optisch weniger sportlichen V90?», fragt man sich. Zumal der Kofferraum des Volvo V60 ordentliche 529 bis 1’441 Liter Stauraum bietet und die Beinfreiheit in der zweiten Reihe grosszügig ist. Die Antwort: lange Menschen – wegen des flachen, nach hinten abfallenden Dachs. Erwachsene bis 1,85 m Körpergrösse sitzen auch im V60 bequem – und Kinder sicher, dank Isofix-Aufnahmen. Die Musik freilich spielt in der ersten Reihe am schönsten. Dort ist man auf tadellos konturierten, vielfach und über einen weiten Bereich verstellbaren Sitzen gebettet wie in Abrahams Schoss – wenngleich ein bisschen nah am Asphalt.

Bequem, schick – und etwas kompliziert

Wohlig aufgehoben fühlt man sich trotzdem. Die Türen schliessen mit sattem «Plopp», nichts klappert, zittert oder knarzt. Das adrette Interieur ist gut verarbeitet, Augen und Hände schweifen über Leder, Holz, Aluminium und Plexiglas im typisch skandinavischen Stil. Diese Eigenständigkeit ­gefällt – oder nicht. Diskussionen über Geschmack sind sinnfrei.

© Jörg RothweilerDie Bedienung ist mühsam und lenkt zu sehr ab. Nahezu alle Einstellungen müssen über das Touch-Display vorgenommen werden. Leider ist die Menüführung zu wenig intuitiv und die Bedienkacheln sind zu klein.Die Bedienung ist mühsam und lenkt zu sehr ab. Nahezu alle Einstellungen müssen über das Touch-Display vorgenommen werden. Leider ist die Menüführung zu wenig intuitiv und die Bedienkacheln sind zu klein.Keine Frage des persönlichen Stils ist das Urteil zum Infotainment-System: Funktionsumfang sehr gut, Bedienbarkeit mangelhaft. Da realisieren die Schweden so pfiffige Dinge wie per Knopfdruck elektrisch vom Kofferraum aus umlegbare Fondlehnen, den serienmässigen WLAN-Hotspot und einen Haken zum Offenhalten des Kofferraumbodens – und dann verbauen sie ein Bediensystem mit Touch-Display, auf dem man wie beim Smartphone nach oben, unten, links und rechts wischen muss, um sich durch unzählige Menüebenen zu arbeiten. Das ist wenig intuitiv und mühsam, die Bedienkacheln sind zu klein und die Anzeige ist je nach Lichteinfall nur schwer erkennbar. Dabei muss selbst für grundlegende Aktionen, etwa die Klimatisierungseinstellung, das Touch-Display bedient werden, wobei oft mehrere Bedienschritte nötig sind. Allein zum Ausschalten von Lenkrad- und Sitzheizung muss man acht «Treffer» landen. «Way too much», liebe Ingenieure. Dieses System provoziert regelmässigen Blindflug – und widerspricht damit dem Sicherheitsanspruch von Volvo diametral.

«By the way»: Warum ist der Screen eigentlich hoch- statt querformatig eingebaut? Die Lüftungsdüsen würden auch in S statt XXL den Zweck erfüllen. So aber füllt der «Himmel» im 3D-Modus der Navigationsanzeige fast die Hälfte des Displays und die – eigentlich wichtige – Karte bleibt klein.

Intelligent, schnell und sparsam

Das ist umso bedauerlicher, als das Navigationssystem gerade bei der Plug-in-Hybrid-Version eine zentrale Rolle spielt: Es steuert, wie die im 11,6-kW-Akku gebunkerte elektrische Energie bestmöglich über die Gesamtstrecke verteilt genutzt wird. Das heisst: Nur wer das Routenziel im Navi eingibt, profitiert von optimaler Reichweite. Sonst kann es passieren, dass der Volvo V60 T6 eAWD Recharge an Steigungen unnötig Strom «verheizt», anstatt Berge effizienter mit Benzinpower zu erklimmen.

So oder so funktioniert das Zusammenspiel zwischen dem von einem unter dem Mitteltunnel platzierten Lithium-Ionen-Akku gefütterten 65-kW-Elektromotor an der Hinterachse und dem via 8-Stufen-Automat an die Vorderachse gekoppelten 2-Liter-Vierzylindermotor mit Kompressor- und Turbo­aufladung (253 PS) jederzeit exzellent. Zackig geht es voran, Gangwechsel erfolgen schnell und geschmeidig – und den Benzinmotor spürt und hört man kaum. Rundlauf und Geräuschdämmung sind tadellos, der Volvo V60 ist leiser als eine Katze auf der Jagd.

© Jörg RothweilerDer 11,6-kW-Akku wird via Typ2-Stecker geladen, je nach An­schluss­­leistung in 3 bis 8 Stunden. Mit der gebunkerten Energie fährt der V60 rein elektrisch rund 50 Kilometer weit.Der 11,6-kW-Akku wird via Typ2-Stecker geladen, je nach An­schluss­­leistung in 3 bis 8 Stunden. Mit der gebunkerten Energie fährt der V60 rein elektrisch rund 50 Kilometer weit.Dafür ist eine Katze wendiger. Rund zwei Tonnen Leergewicht und 2,87 m Radstand provozieren eine gewisse Trägheit, die kein Fahrwerksingenieur wegzaubern kann. Das straff aber nicht zu hart abgestimmte Fahrwerk und die präzise, wenngleich in der Rückmeldung etwas indifferente Lenkung jedenfalls würden weitaus mehr Sportlichkeit zulassen. Zumal der Schwedenhybrid bei Bedarf kraftvoll voranstürmt. In weniger als sechs Sekunden sprintet er auf 100 km/h und Zwischenspurts sind dank 590 Nm Drehmoment eine Freude. Schluss mit Vortrieb ist, typisch Volvo, trotz 340 PS schon bei 180 km/h. Ob so viel selbst auferlegte Beschneidung sein muss, mögen Deutsche diskutieren. Hierzulande ist es irrelevant. Zumal jene, die den V60 als Plug-in-Hybrid wählen, nicht rasen, sondern sparen wollen. Und dabei hilft die komplexe Hybridtechnik durchaus.

Auf Kurzstrecken kamen wir mit minimal 1,2 l/100 km und maximal 2,1 l/100 km aus. Auf einer zweimal mit am Start komplett geladenem Akku absolvierten Testrunde in der Ostschweiz lag der Verbrauch mit Navigationsunterstützung bei 4,7 l/100 km und ohne bei 5,5 l/100 km. Volvo verspricht also bezüglich intelligenter Akkunutzung nicht zu viel. Mit leerem Akku am Startpunkt kletterte der Verbrauch auf knapp 10 l/100 km, im Durchschnitt über alle Testtage verbrannte der Volvo 5,4 l/100 km. Die rein elektrische Reichweite betrug – trotz frostiger Temperaturen – 40 bis 47 km. Das ist weiter, als man denkt – und im Alltag für sehr viele Pendler und Familienmütter respektive -väter ausreichend.

Sicher, Anhänger-tauglich und pflegeleicht

Der V60 verfügt – typisch Volvo – ab Werk über alle relevanten­ Assistenz- und Sicherheitssysteme. Unser Testwagen hatt­e (unter anderem) auch Head-up-Display, Rückfahrkamera mit Einparkhilfe vorn und hinten sowie Rundumsicht-Funktion, LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht und dynamischem Fernlichtassistenten sowie den Pilot Assist II an Bord. Letzterer ermöglicht (Hände am Lenkrad!) teilautonomes Fahren bis Tempo 130 km/h. Das funktioniert auf unseren tempolimitierten Autobahnen top, auf höherrangigen Landstrassen gut und auf Nebenstrassen zumindest vernünftig.

© Jörg RothweilerIm Volvo V60 reist man bequem und ruhig. Die Sitze sind erst­klassig konturiert und über einen weiten Bereich verstellbar.Im Volvo V60 reist man bequem und ruhig. Die Sitze sind erst­klassig konturiert und über einen weiten Bereich verstellbar.Das ist so erfreulich wie die Erkenntnis, dass der V60 als Hybrid bis zu zwei Tonnen ziehen kann – und ungeachtet seiner Noblesse pflegeleicht ist. Nach Durchfahren der Waschstrasse muss kaum nachgeputzt werden, die Fussmatten sind robust und dank Veloursauskleidung ist auch der Kofferraum leicht zu reinigen.

Fazit

Nordisch nobel, vollgepackt mit Technik, geräumig, flott, leise und angesichts seiner Grösse und des gebotenen Komforts ein echtes Sparwunder, macht der Volvo V60 eAWD Recharge sehr vieles sehr gut. Etwas handlicher dürfte er aber sein und die Bedienung des Infotainmentsystems sollte Volvo überdenken. In Summe aber ist der Volvo V60 als Plug-in-Hybrid ein feines, sicheres Auto, das auch zum zügigen Reisen taugt. All das hat seinen Preis: Der V60 T6 eAWD Recharge kostet ab 68’600 Franken, 10 Jahre/150’000 km Gratisservice und 5 Jahre/150’000 km Garantie inklusive.

© Jörg RothweilerAuch die Heckpartie wirkt sportlich-elegant.Auch die Heckpartie wirkt sportlich-elegant.

© Panasonic TOUGHBOOKDank mobiler Endgeräte und entsprechender Software-Lösungen können Rettungskräfte bereits heute die komplette Rettungskette digital abbilden.Dank mobiler Endgeräte und entsprechender Software-Lösungen können Rettungskräfte bereits heute die komplette Rettungskette digital abbilden.Rettungskräfte müssen Entscheidungen schnell und sicher treffen – auch unterwegs und unter schwierigen Rahmenbedingungen. Digitalisierung kann dabei helfen – nicht zuletzt in Verbindung mit dem elektronischen Patienten­dossier (EPD), das ab diesem Jahr schrittweise eingeführt werden soll.

Allen Unkenrufen zum Trotz: Digitale Prozesse und leistungs­starke, vernetzte sowie robuste IT-Geräte gestalten komplexe Abläufe effizienter – auch bei den Rettungsdiensten. Zudem erleichtern elektronische Helfer und Datenbanken die Dokumentation, steigern die Transparenz und können helfen, die medizinische Versorgung Betroffener zu optimieren. Nicht zuletzt hilft Digitalisierung dabei, kritische Informationen hochverfügbar zu halten – dank entsprechender Einsatz-Software und mobilen Endgeräten überall, im ­Spital ebenso wie im Rettungswagen, im Helikopter und direkt am Einsatzort. Essenziell dafür sind eine durchgängige, verlässliche Konnektivität und eine hohe Qualität (Korrektheit und Vollständigkeit) der auf den Systemen hinterlegten ­Daten.

Cloud und Tablet sind Standard

Viele Rettungsdienste und andere Institutionen aus dem BORS-Sektor können seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, die gesamte Prozesskette des Rettungseinsatzes mobil abdecken. Dank entsprechender Endgeräte und passender Software-Lösungen gelingt es, alle Schritte abzubilden. Von der Alarmierung über die Einsatz- und Patientendaten, die Erfassung der logistischen Fahrzeug- und Abrechnungs­daten, die ergriffenen Behandlungsschritte (inklusive Entscheidungshilfen und Plausibilitätskontrollen) bis zur transparenten, vollumfänglichen Dokumentation aller ergriffenen Massnahmen.

Dank dedizierten, sicheren Cloud-Plattformen wird die Rettungskette zu 100 Prozent digitalisiert abgebildet und abgearbeitet. Schnell, effizient und sicher. Längst schon werden Details zum Einsatzort und dem dort vorliegenden Szenario nicht mehr telefonisch durchgegeben und hektisch auf ­Papier notiert. Stattdessen erfassen moderne Rettungszentralen die Daten der Person, die den Einsatz anfordert, sowie alle Details zur Situation vor Ort. Diese werden parallel im System erfasst und an die Einsatzkräfte übermittelt. Letztere sind auch während des Einsatzes online und können mancherorts sogar schon Daten der medizinischen Über­wachungsgeräte, etwa für EKG, Blutdruck und Sauerstoffwerte, drahtlos erfassen und ans Spitalteam übermitteln.

© Panasonic TOUGHBOOKKünftig soll die Einbindung der elektronischen Patientenakte dabei helfen, Rettungseinsätze noch schneller und sicherer zu machen.Künftig soll die Einbindung der elektronischen Patientenakte dabei helfen, Rettungseinsätze noch schneller und sicherer zu machen.Zukunftsmusik «E-Health-Akte»

Genau an diesem Punkt soll künftig das elektronische Patientendossier (EPD), also die digitale Gesundheitsakte, für noch mehr Sicherheit und Tempo in der Rettungsprozess­kette sorgen. Dies vor allem dadurch, dass die von den Rettungskräften erfassten Vitalitäts- und Gesundheitsdaten einer Person im mobil verfügbaren System direkt und in Echtzeit mit den in der Akte der Person abgespeicherten Daten verknüpft, abgeglichen und abgespeichert werden.

Befürworter des EPD, das in der Schweiz 2021 schritt­weise eingeführt wird und in Deutschland seit Anfang 2021 bereits gesetzlich verpflichtend ist, erhoffen sich von dieser Verbindung markante Vorteile für das Rettungswesen. Insbesondere trügen die erweiterten Daten dazu bei, dass Rettungs­teams, unterstützt von elektronischen Entscheidungshilfen, dank Verfügbarkeit der aktuellen Gesundheitsdaten sowie der Patientengeschichte schneller und effizienter agieren können – sowohl am Einsatzort als auch bei der Überführung von Personen ins Spital.

Dabei soll die digitale Gesundheitsakte die Erstversorgung nicht nur schneller, sondern vor allem auch sicherer machen – und zwar sowohl für die betroffene Person als auch für die Rettungskräfte. Patientenseitig sinkt das Risiko einer falschen Diagnose respektive Behandlung, weil die Rettungskräfte über Vorerkrankungen sowie zentrale Faktoren wie Medikamentenunverträglichkeiten oder Allergien informiert sind. Aufseiten der Rettungskräfte steigt die ­Sicherheit, weil in der Gesundheitsakte – zumindest in Deutschland – auch Informationen zu vorherigem riskantem oder gar gewalttätigem Verhalten einer Person gelistet werden können. So sind Rettungskräfte vorgewarnt und können entsprechende präventive Massnahmen ergreifen.

Das alles gilt natürlich nur, wenn die elektronischen Dossiers sauber geführt und jederzeit aktuell sind – und für den Zugriff seitens der Rettungskräfte freigegeben wurden. Diesbezüglich orten Datenschützer zahlreiche noch nicht gelöste Probleme und Herausforderungen – in Ländern wie Deutschland, wo die E-Health-Akte bereits gesetzlich vorgeschrieben ist, und erst recht hierzulande, wo das Rollout des EPD gerade erst so langsam Fahrt aufnimmt.

Ins Spital, zum Hausarzt oder nach Hause?

Dennoch dürften die Möglichkeiten der Nutzung von Gesund­heitsdaten künftig europaweit deutlich erweitert werden. Beispielsweise dahin gehend, dass im Bereich der häuslichen Pflege mobile Anwendungen ein engmaschiges Monitoring der Vitalwerte älterer Patienten ermöglichen, wobei automatisch entsprechende Notfall-Benachrichtigungen an Dritte gesendet werden, sobald vordefinierte Alarmwerte erreicht oder gar überschritten werden. Abhängig von der Art des Alarms würden direkt die Rettungskräfte alarmiert oder der behandelnde Arzt oder andere medizinische Fachpersonen würden mit der betroffenen Person via Videocall verbunden. All dies könnte helfen, die Reaktionszeiten zu senken, die Qualität der fachlichen Beratung und Betreuung zu steigern und zugleich die Kosten zu senken.

In England verfrachten die Rettungsdienste bereits heute zunehmend weniger verunfallte Personen «standardmässig» ins Spital. Sie können über eine mobil verfügbare, einfach zu nutzende 2-Wege-Kommunikation direkt mit Spezialisten des Spitals diskutieren und dann entscheiden, ob eine Spitaleinweisung zwingend nötig ist oder ob es ausreicht, die betroffene Person zum Hausarzt oder nach ­Hause zu transportieren, wo dann die ambulante Behandlung fortgeführt wird.

Ob und wann vergleichbare Methoden hierzulande zum Einsatz kommen könnten, steht in den Sternen. Vieles wird davon abhängen, wie gut sich das EPD bewähren wird und wie hoch die Akzeptanz in der Bevölkerung klettern wird. Man darf gespannt sein – nicht nur aufseite der Rettungsdienste.

© VBS, Clemens LaubBlaulichtkräfte wie die Polizei, aber auch Betreiber kritischer Infrastrukturen und das Militär sind auf eine sichere mobile Kommunikation und Datenübertragung angewiesen. Der Bund treibt drei entsprechende Projekte voran.Blaulichtkräfte wie die Polizei, aber auch Betreiber kritischer Infrastrukturen und das Militär sind auf eine sichere mobile Kommunikation und Datenübertragung angewiesen. Der Bund treibt drei entsprechende Projekte voran.Mobile Kommunikation ist für Einsatzkräfte essenziell – auch in Krisenlagen oder wenn das bestehende Mobilfunknetz überlastet ist. Der Bund treibt aktuell drei Projekte voran. Dabei läuft nicht alles wie geplant.

Blaulichtorganisationen wie Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz und Rettungsdienste, aber auch Betreiber/-innen kritischer Infrastrukturen (BKI) und das Militär müssen jederzeit ­kommunizieren und grössere Datenmengen austauschen können – mobil und sicher. Normalerweise funktioniert das gut – auf Basis der bestehenden Netze. Sind diese aber überlastet oder fallen teilweise respektive gänzlich aus, etwa im Katastrophen- oder Krisenfall, ist die sichere mobile Breitbandkommunikation nicht mehr unter allen Umständen gewährleistet. Genau das aber, konkret die «Verfügbarkeit der Sicherheitskommunikation in allen Lagen», ist seit 2019 im Fernmeldegesetz (FMG) festgeschrieben.

Daher arbeitet der Bund, basierend auf dem im Dezember 2019 totalrevidierten Bundesgesetz über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz (BZG), an drei Projekten:

1. Werterhalt Polycom 2030 (WEP 2030)
2. Nationales sicheres Datenverbundsystem (SDVS)
3. Mobile breitbandige Sicherheitskommunikation (MSK)

Alle drei Projekte sind eng miteinander verknüpft, technisch anspruchsvoll – und teuer. Im Februar 2021 zeigte sich: Nicht alles läuft wie erhofft – und Michaela Schärer, seit 4. Januar 2021 Direktorin des BABS, ist entsprechend stark gefordert.

WEP 2030

Das ab 2001 errichtete mobile Sicherheitsfunksystem ­Polycom wird von rund 55’000 Personen genutzt und gilt als sicher und zuverlässig. Allerdings kann es nur begrenzte Datenmengen übertragen und kostet aufgrund proprietärer Komponenten Unsummen. Bis 2015 investierten Bund und Kantone rund 750 Millionen Franken – ohne Berücksichtigung der Betriebs- und Personalkosten. Das 2016 lancierte Projekt «Werterhalt Polycom 2030» kostet weitere 500 Millionen Franken – mindestens. 325 Millionen entfallen auf die Modernisierung der gut 170 Haupt- und Nebenvermittler sowie 750 Basisstationen, die von der TDM-Technologie (Time Division Multiplex, eine Übertragungstechnologie aus den 1990er-Jahren) auf IP-Standards (Internet Protocol) migriert werden. Da dies bis 2025 dauern soll, musste die mit der Aufgabe betreute Atos Schweiz AG einen systemtechnischen Übergang (TDM/IP-Gateway) entwickeln und integrieren. Nur so können beide Übertragungstechnolo­­gien parallel genutzt und eine vollständige Funktion auf tak­tischer Einsatzebene sichergestellt werden.

Kürzlich zeigte sich: Das Projekt harzt. Zwar ist das TDM/IP-Gateway fertig und hat sich im Testbetrieb bewährt. Doch es gibt Probleme bei der Einbettung der neuen Funksystemkomponenten in die kantonalen Datennetzumgebungen. Laut Mitteilungen des BABS bekundet die Atos Schweiz AG Mühe in den Bereichen Qualität, Fachwissen, Sicherheit und ­Dokumentation der zentralen Infrastrukturkomponenten.

Laut BABS besteht daher ein «erhebliches Risiko eines über 2025 hinausgehenden Parallelbetriebs der beiden Technologien» und von Mehrkosten von «mehr als 10 Millionen Franken» – pro Jahr.

Weitere Kosten wird der Ersatz der Polycom-Endgeräte verursachen. Die ältesten Endgeräte des Typs P2G werden vom Hersteller nicht mehr repariert, für das TPH700 endet 2025 der Produktsupport und das TPH900 leidet unter Hardwarefehlern, allen voran Spontanabschaltungen. Zwar veranlasste das BABS 2019 den Tausch der Original-Akkus gegen Energiespeicher von Akkupoint (siehe Blaulicht 04/2019) und die aktualisierte Gerätesoftware schaltet betroffene Geräte umgehend wieder ein. Dennoch treten noch immer Spontanabschaltungen auf und die Ursachen sind unklar – trotz Untersuchungen seitens der EMPA und einem engen Austausch des BABS mit der französischen Gendarmerie, die das TPH 900 ebenfalls nutzt und die Probleme kennt. Immerhin konnte das BABS bei Herstellerin Airbus eine Erstreckung der Garantieleistungen bis Ende 2027 für bereits eingeführte Geräte erwirken.

© VBS, Sina GunternLaut Fernmeldegesetz (FMG) ist die Verfügbarkeit der Sicherheitskommunikation in allen Lagen verpflichtend – auch im Krisenfall oder wenn die bestehenden Mobilfunknetze überlastet oder ausgefallen sind.Laut Fernmeldegesetz (FMG) ist die Verfügbarkeit der Sicherheitskommunikation in allen Lagen verpflichtend – auch im Krisenfall oder wenn die bestehenden Mobilfunknetze überlastet oder ausgefallen sind.SDVS

2019 begannen die Arbeiten am «Sicheren Datenverbundsystem (SDVS)», welches ab 2027 die 120 zentralen Führungsstandorte von Bund (40 Standorte), Kantonen (36) und den BKI (44) via hochverfügbares geschütztes Netzwerk miteinander verbinden soll. Laut Plan sollte die Konzeptphase des 150-Millionen-Projektes Ende 2021 bewältigt sein und 2022 die Realisierung starten. Doch zwischenzeitlich provozierte die «technische Komplexität» laut BABS eine «neue Gesamtbeurteilung».

So wurde das Projekt in ein Programm umgewandelt und in drei Teilprojekte gesplittet: erstens das Sichere Datenverbundnetz (SDVN). Dieses schafft die Basis für alle künftigen Sicherheitskommunikationssysteme im Bevölkerungsschutz und im nationalen Krisenmanagement – inklusive MSK und Polycom-System – und soll einen bis zu 14 Tage andauernden Blackout aushalten. Zweitens das Datenzugangssystem (DZS) für alle in sich geschlossenen Anwendungen mit Authentifizierungsdiensten (Polycom, Polyalert und Polyinform). Drittens die Lageverbundservices (LVS; vorher Lageverbundsystem) für den Datenaustausch ­zwischen den Systemen zugunsten einer möglichst exakten Darstellung der Gesamtlage. Innerhalb dieses dritten Teilprojektes wird auch geklärt, wie das veraltete Alarmierungs- und Meldungsvermittlungssystem VULPUS funktionell abgelöst werden kann.

Mit der neuen Organisation von SDVS als Programm sollen «die zahlreichen und unterschiedlichen Abhängigkeiten mit anderen Geschäftsfeldern und Projekten des BABS besser berücksichtigt werden». Klar ist aber: Es dauert länger und es braucht mehr Personal, welches derzeit rekrutiert wird. Auch wenn das BABS betont, «die Erschliessung der kantonalen SDVS-Standorte bis Ende 2023 geniesst weiterhin hohe Priorität», spricht niemand mehr von einem pünkt­lichen Rollout.

MSK

2018 startete das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) im Auftrag des Bundes mit der Evaluation eines mobilen sicheren Kommunikationssystems (MSK). 2019 wurden unter Führung der Eidgenössischen Kommission für Telematik im Bereich Rettung und Sicherheit (Kom Tm BORS) umfangreiche Konsultationen mit involvierten Organisationen getätigt und der «Ergebnisbericht Synergien MSK» erstellt. Am 29. Januar 2020 beauftragte der Bundesrat das VBS mit der Durchführung eines Pilotprojekts. Dieses wird vom BABS koordiniert, soll bis 2023 dauern und in einen Antrag zu Händen des Bundesrats münden. Bis Mitte 2022 soll zudem eine Detailstudie verfasst werden, welche die Bedürfnisse der Nutzerorganisationen und Antworten der Mobilfunkbetreiber auf zentrale Fragen aufzeigt.

Involviert in das Pilotprojekt MSK sind zahlreiche Bundes- und Kantonsstellen: das Bundesamt für Polizei (fedpol), der Nachrichtendienst des Bundes (NDB), die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV), die Führungsunterstützungsbasis und das Kommando Operationen der Armee, interessierte BKI, die öffentlichen Mobilfunkbetreiber sowie die Bundesämter für Strassen (ASTRA), Energie (BFE) und Kommunikation (BAKOM). Letzteres vergibt seit 1. Januar 2021 kostenlos Funkversuchskonzessionen (PPDR-Frequenzen) an BORS, welche diese für ihre Tests nutzen können.

Zur Beschleunigung des Projekts wurde unlängst die Projektorganisation angepasst und ein interkantonales Projekt unter Führung von Matthias Stähli, Delegierter Vertreter KKPKS im Projekt MSK, lanciert. In diesem sollen kantonal lancierte Aktivitäten wie Proof of Concepts koordiniert und konsolidiert werden.

© VBS, Raphael FalchiIm Katastrophenfall oder anderen aussergewöhnlichen Lagen sind die Krisenstäbe nicht nur auf mobile Kommunikation, sondern auch auf ein exaktes Lagebild angewiesen. Das Projekt SDVS soll dafür die Grundlagen schaffen.Im Katastrophenfall oder anderen aussergewöhnlichen Lagen sind die Krisenstäbe nicht nur auf mobile Kommunikation, sondern auch auf ein exaktes Lagebild angewiesen. Das Projekt SDVS soll dafür die Grundlagen schaffen.Proof of Concept «2-Geräte-Strategie»

Einen solchen Proof of Concept steuert die Kapo St.Gallen bei: die 2-Geräte-Strategie (2GS). Dabei handelt es sich um eine von der Atos Schweiz AG entwickelte App, mit der einzelne Funktionen des Polycom-Funksystems auf dem Smartphone nutzbar werden: Nach Starten der App können die Polycom-Funkgruppen angezeigt und ausgewählt werden. Via Push-to-talk-Funktion kann dann über Smart­phone mit den Teilnehmern der gewählten Funkgruppe kommuniziert werden.

Der Prototyp der App stiess am Schweizer Polizei-IT-Kongress SPIK 2019 auf viel Beachtung. 2020 hätte die fertige Version präsentiert werden sollen – doch der SPIK 2020 fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Nichtsdestotrotz wurden die Entwicklungen an der 2GS-App im Grundsatz abgeschlossen – und Ende 2020 übergab die Kapo SG die Koordination des Projekts ans BABS, das nun die Weiterentwicklung vorantreibt, mit dem Ziel, die App landesweit nutzbar zu machen. Peter Wüthrich, Chef Geschäftsbereich Telematik des BABS, kündigte in diesem Zusammenhang an, dass «das BABS die Koordination der weiteren Entwicklungsschritte übernimmt, mit dem Ziel einer Lösung, die schweizweit von allen Nutzergruppen des Polycom-Systems angewendet werden kann». Dabei sind auch Feldtests vorgesehen. Die dort gesammelten Erfahrungen sollen dann im Pilotprojekt MSK genutzt werden.

Mehr Informationen zur 2-Geräte-Strategie liefert eine Videobotschaft auf der Website des SPIK 2021 (www.spik.ch), der am Dienstag, 11. Mai 2021, stattfinden wird – erstmals in seiner Geschichte virtuell. Zudem wird Blaulicht in einer der kommenden Ausgaben berichten, wie die Feldtests mit der 2GS-App verliefen – und wie es mit den Projekten WEP 2030, MSK und SDVS weitergehen wird.

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