© The UK & Ireland DatabaseColin Pitchfork – hier zum Zeitpunkt seiner Verhaftung anno 1987 – war der erste Mörder, der aufgrund eines genetischen Fingerabdrucks überführt und verurteilt wurde.Colin Pitchfork – hier zum Zeitpunkt seiner Verhaftung anno 1987 – war der erste Mörder, der aufgrund eines genetischen Fingerabdrucks überführt und verurteilt wurde.Colin Pitchfork war der erste mittels DNA-Profiling überführte Mörder. Zum Verhängnis wurde ihm aber nicht nur die von Sir Alec Jeffreys an der University of Leicester entwickelte DNA-Analyse-Methode, sondern vor allem die Geschwätzigkeit eines Arbeitskollegen.

Der Mensch hat zwei individuelle Fingerabdrücke: den klassischen, den er mit den Kuppen seiner zehn Finger hinterlässt, und einen im Erbgut seiner Zellkerne hinterlegten genetischen Fingerabdruck, den er via Hautschuppen, Schweiss, Blut oder Körperflüssigkeiten am Tatort verteilt. Die Nutzung des genetischen Fingerabdrucks für kriminalistische Zwecke gehört heute zum Standardrepertoire der Forensik – und wurde 1984 vom Engländer Sir Alec Jeffreys erstmals beschrieben.

Zwei Morde – kein Täter

Etwa zur selben Zeit, am 21. November 1983, wurde in ­Narborough, Leicestershire, die 15-jährige Lynda Mann auf dem einsamen Fussweg überfallen, vergewaltigt und erdrosselt. Die Polizei konnte bei der Autopsie der Leiche Spermaspuren sicherstellen. Deren forensische Untersuchung ergab: Der Täter hat Blutgruppe A und ein eher seltenes Enzymprofil, das nur rund zehn Prozent aller Männer aufweisen. Mehr herauszufinden, war damals noch nicht möglich – und die Suche nach dem Täter blieb erfolglos.

Drei Jahre später, am 31. Juli 1986, wurde Dawn Ashworth getötet – und die Tat zeigte erschreckende Parallelen zum Mord an Lynda Mann. Wieder handelte es sich um ein 15-jähriges Mädchen, wieder lag der Tatort in Leicestershire, wieder schlug, vergewaltigte und erdrosselte der Täter sein Opfer – und wieder konnten Spermaproben sichergestellt werden. Sie zeigten dieselbe Blutgruppe und dasselbe Enzymprofil.

© University of LeicesterSir Alec Jeffreys von der University of Leicester entwickelte die Methode des genetischen Fingerabdrucks anno 1984. Angewandt wurde sie vom britischen Forensic Science Service.Sir Alec Jeffreys von der University of Leicester entwickelte die Methode des genetischen Fingerabdrucks anno 1984. Angewandt wurde sie vom britischen Forensic Science Service.Die revolutionäre DNA-Analyse

Die Ermittler um Detective David Baker wandten sich hilfesuchend an Alec Jeffreys. Dieser hatte, zusammen mit Peter Gill und Dave Werret vom nahe­gelegenen Forensic Science Service (FSS), nur ein Jahr zuvor die Technik zur Analyse des genetischen Fingerabdrucks eines Menschen beschrieben. Mithilfe des Abgleichs des DNA-Profils der an den beiden Opfern sichergestellten Spermaproben und des DNA-Profils des 17-jährigen Hauptverdächtigen Richard Buckland fanden die Forensikspezialisten Erstaunliches heraus: Beide Mädchen wurden von ein und demselben Mann getötet – aber nicht von Richard Buckland, der zumindest die zweite Tat doch bereits gestanden hatte!

So verhinderte die DNA-Analyse zum ersten Mal in der Kriminalgeschichte eine mehr als wahrscheinliche Fehl­verurteilung. ­Richard Buckland wurde freigelassen – und die Ermittler standen wieder ganz am Anfang.

Englands erstes DNA-Massenscreening

Im Bestreben, den Mörder doch noch aufzuspüren, lancierte die Polizei von Leicestershire in enger Kooperation mit dem FSS die erste Massen-DNA-Untersuchung der Kriminal­geschichte. Während sechs Monaten wurden die freiwillig abgegebenen Sperma- und Speichelproben von rund 5.000 Männern aus der Region der Tatorte gesammelt und untersucht – erfolglos.

Ein geschwätziger Mitwisser

Doch dann, fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Mord an Dawn Ashworth, am 1. August 1987, beging Ian Kelly, der gemeinsam mit Colin Pitchfork in einer Bäckerei arbeitete, den entscheidenden Fehler! Er plauderte im Pub aus, sein Arbeitskollege habe ihm 200 Pfund dafür bezahlt, eine Probe von sich unter Pitchforks Namen für das DNA-Screening abzugeben. Dieser habe nämlich Angst vor der Polizei, weil er vorbestraft sei. Eine Frau, die das Gespräch zufällig mit­anhörte, vertraute ihr Wissen der Polizei an – und am 19. September 1987 wurde Colin Pitchfork verhaftet. Eine von ihm entnommene Speichel­probe entlarvte ihn als den gesuchten Mörder.

© AmazonDer Fall von Colin Pichwork wurde 2015 fürs britische Fernsehen verfilmt. Das Drama «Code of a Killer» ist als Streaming-Video und auch auf DVD erhältlich.Der Fall von Colin Pichwork wurde 2015 fürs britische Fernsehen verfilmt. Das Drama «Code of a Killer» ist als Streaming-Video und auch auf DVD erhältlich.Der geständige Mörder

In den nachfolgenden Verhören und im Gerichtsprozess kristallisierte sich heraus: Colin Pitchfork entwickelte schon während seiner Jugendzeit exhibitionistische Neigungen, entblösste sich in mehr als 1.000 Fällen vor Frauen. Dafür wurde er, noch vor seiner Heirat im Jahr 1981, sogar einmal verurteilt und zu einer Therapie ins Carlton Hayes Hospital in Narborough eingewiesen. Erfolglos, wie Pitchfork zugab: Als ihm Akte der sexuellen Nötigung nicht mehr zur Triebbefriedigung genügten, wurde der Bäcker und Konditor, der selbst zwei Kinder hat, zum Vergewaltiger und Mörder.

Am 22. Januar 1988 – ja, damals arbeiteten Gerichte noch deutlich zügiger als heute – wurde Colin Pitchfork zu lebenslanger Haft respektive mindestens 30 Jahren Gefängnis verurteilt. In einem Berufungsprozess anno 2009 wurde die Mindeststrafe auf 28 Jahre reduziert – und 2016, nach Ablauf dieser Frist, stellte der Doppelmörder einen Antrag auf Haftentlassung. Doch der damals zuständige Lord Chief Justice of England namens Igro Judge lehnte das Ersuchen ab. Seine Begründung: Die Sicherheit der Öffentlichkeit können nicht als garantiert betrachtet werden. Da half es auch nicht, dass Pitchfork zwischenzeitlich einen Hochschulabschluss erlangt und sich zum Experten in der Abschrift von gedruckter Musik in Brailleschrift (Blindenschrift) entwickelt hatte, «mit dem Ziel, eines Tages blinden Menschen helfen zu können», wie seine Verteidiger dem Richter versicherten.

Kommt der Mörder bald frei?

2018 wurde Colin Pitchforks zweiter Antrag auf Haftentlassung erneut abgelehnt. Immerhin aber erhielt der zweifache Mörder Hafterleichterung, durfte das Gefängnis einige Male für einige Stunden verlassen. Im Dezember 2020 nun stellte Pitchfork sein drittes Haftentlassungsgesuch. Wie die britischen Richter dieses Mal urteilten, stand zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest.

Wer in die Welt der Forensik in den 1980er-Jahren eintauchen und «erleben» will, wie Detective Chief Superintendent David ­Baker mit der Hilfe von DNA-Analytiker Alec Jeffreys den zweifachen Mörder Colin Pitchfork mittels DNA-Profiling überführen konnte, sollte die dreiteilige britische Polizeidrama-Fernsehserie «Code of a Killer» anschauen – wahlweise als Stream oder auf DVD, aber in beiden Fällen nur in englischer Sprache.

Colin Pitchfork war der erste mittels DNA-Profiling überführte Mörder. Zum Verhängnis wurde ihm aber nicht nur die von Sir Alec Jeffreys an der University of Leicester entwickelte DNA-Analyse-Methode, sondern vor allem die Geschwätzigkeit eines Arbeitskollegen. Der Mensch hat zwei individuelle Fingerabdrücke: den klassischen, den er mit den Kuppen seiner zehn Finger hinterlässt, und einen im...
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