In der Regel setzen Polizeikorps bei ihren Fahrzeugen auf handfeste Solidität. Manchmal aber reibt sich der Betrachter verwundert die Augen, wenn er ein Einsatzfahrzeug erblickt. Eine Sammlung skurriler Polizeiautos.

© Berliner PolizeiDie Berliner Polizei fährt im Toyota Mirai mit Brennstoff­­­­­­­zellen­technik ganz entspannt – denn in Berlin gibt es nicht weniger als fünf Wasserstofftankstellen.Die Berliner Polizei fährt im Toyota Mirai mit Brennstoff­­­­­­­zellen­technik ganz entspannt – denn in Berlin gibt es nicht weniger als fünf Wasserstofftankstellen.Die Polizei fährt in der Regel das, was auch Familienväter und emotionslose Praktiker begeistert: Kombis, Minivans, SUVs oder Busse, ordentlich motorisiert, gern mit Allrad und mit viel Platz für die Ausrüstung. Doch weil die Marketingstrategen der Automobilhersteller um die Werbewirksamkeit von Streifenwagen wissen, stellen sie den Korps gerne auch Spezielleres zur Verfügung.

Brennstoffzellenfahrzeuge

Die Berliner Polizei besitzt seit Frühjahr 2020 zwei Toyota Mirai mit Brennstoffzellenantrieb. Diese sind mit Foliendesign, Blaulicht, Martinshorn und Polizeifunk ausgerüstet und werden für Kontrollfahrten und Personentransporte eingesetzt. Pro Tankfüllung sollen die 154 PS starken Fahrzeuge bis zu 500 Kilometer weit stromern – genug, um eine der fünf Wasserstofftankstellen im Berliner Stadtgebiet ansteuern zu können.

In Hamburg ist seit rund zehn Monaten der weltweit erste Mercedes GLC F-Cell unterwegs – im Polizei-Ornat samt Polizeifunk, Tonfolgeverstärker, Blaulicht-Dachbalkensystem und zwei Druckkammerlautsprechern. Der Plug-in-Hybrid kombiniert Brennstoffzellen- und Batterietechnik, «tankt» also sowohl Strom als auch Wasserstoff. Die Reichweite des 218 PS starken SUV soll mehr als 400 Kilometer betragen.

Supersportwagen

© Abu Dhabi PoliceDer Lykan HyperSport der Polizei von Abu Dhabi verfügt über einen von Ruf getunten Porsche-Boxermotor.Der Lykan HyperSport der Polizei von Abu Dhabi verfügt über einen von Ruf getunten Porsche-Boxermotor.In Dubai pilotieren Polizisten alles, was exotisch, rar, teuer und sauschnell ist. In Abu Dhabi halten die Kollegen dagegen – mit dem in nur sieben Exemplaren gebauten Lykan Hype Sport von W Motors aus «Fast and Furious 7». Die 780 PS des 3,7-Liter-Sechszylinder-Biturbo-Heck-Mittelmotors katapultieren die 1‘400 kg leichte Flunder in 9,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 200 km/h und ermöglichen fast 400 km/h Topspeed. Auch der Preis ist fantastisch: Der Lykan kostet knapp drei Millionen Franken – juwelenbesetzter Schlüssel, diamantverzierte Scheinwerfer und holografisches Display in der Mittelkonsole inklusive.

Dagegen ist der Lamborghini Huracán, den Lambo-CEO Stefano Domenicali anno 2017 an Italiens Innenminister Marco Minniti übergab, ein Schnäppchen. Der Supersportler wird seither als Erste-Hilfe-Fahrzeug sowie für Organtransporte genutzt – dank Kühlbox unter der Fronthaube.

Offroader

Die Offiziere der Polizei von South Wales in England sind viel langsamer unterwegs – können aber überall fahren. Ihr vom Fords Special Vehicle Preparation Team im britischen Essex aufgemotzter Ford Ranger Raptor ist mit seinem 213-PS-Diesel nämlich keine Rakete, sieht aber martialisch aus und ist dank Fox-Racing-Fahrwerk und fetten All-Terrain-Reifen selbst querfeldein nicht zu bremsen.

© JeepFast wie bei Baywatch: An den Stränden rund um Rimini fahren die Carabinieri im gepimpten Jeep vor.Fast wie bei Baywatch: An den Stränden rund um Rimini fahren die Carabinieri im gepimpten Jeep vor.In Italien, an der Küste zwischen Cattolica und Bellaria, rund um Rimini und Riccione, ist die militärisch organisierte Polizeitruppe der Carabinieri in einem Jeep Wrangler unterwegs. Der 200 PS starke US-Kult-Offroader wurde für den Einsatz am Strand mit 50 mm höherem Fox-Performance-Fahrwerk, Lenkstabilisator und Spezialreifen bestückt. Dazu gibt‘s Blaulicht, blaue LED-Blitzer, LED-Zusatzscheinwerfer, Funkgerät und MP-Halterungen im Innenraum.

Ganz neu für 2020 ist der «Police Interceptor» auf Basis des Ford Explorer. Der Allradler soll als Hybrid mit 3,3-Liter-V6 bis zu 41 Prozent weniger Sprit verbrauchen als das bisherige 3,7-Liter-Modell. Dies vor allem, weil Funk, Lichtanlage und Computer jetzt vom Akku mit Strom versorgt werden. Bisher mussten die Cops dazu den Motor immer laufen lassen – auch beim Parken.

Völlig durchgeknallt

«Die spinnen, die Briten!», pflegte Obelix zu sagen – und hatte recht. In der englischen Grafschaft Somerset setzte die Polizei 2015 einen Ariel Atom 3.5R ein, um Motorradfahrer für die Gefahren des Strassenverkehrs zu sensibilisieren. Dabei ist der Atom schneller, als die Polizei erlaubt! Dank 355-PS-Turbomotor und nur 500 kg Gewicht flitzt der Atom in 2,6 Sekunden auf 100 km/h – schneller als ein Ferrari Enzo.

© Polizei ChemnitzIn Sachsen patrouillieren Motorradpolizisten entlang der Grenze zu Tschechien mit diesen weiss-blau-gelben Wuchtbrummen von Victory.In Sachsen patrouillieren Motorradpolizisten entlang der Grenze zu Tschechien mit diesen weiss-blau-gelben Wuchtbrummen von Victory.Sachsens Polizei indes setzt auf Schwermetall. 2017 erwarb die Polizeidirektion Chemnitz vier Motorräder des Typs «Victory Cross Country Tour» mit 1700-ccm-V2-Motor. Bestückt mit Signallichtanlage, Funk, integriertem Laptop zur Fahndungsabfrage, Radarpistole, Drogenscreener sowie Gerätschaften zum Messen von Fahrzeugabgasen und Lautstärke stemmen die «Streifenwagen auf zwei Rädern», wie Sachsens Innenminister Markus Ulbig die Wuchtbrummen nennt, mehr als 400 kg auf die Waage. Ebenso schwer wogen zwei Details: Erstens die Kosten von 196‘000 Euro, von denen 85 Prozent aus EU-Fördermitteln finanziert wurden, weil die Krafträder zur Überwachung des sächsisch-tschechischen Grenzgebiets dienen. Zweitens die Tatsache, dass die Marke Victory im Januar 2017 die Produktion für immer schloss – vier Monate bevor die Polizeimotorräder ausgeliefert wurden.

Zum Verlieben

Das wohl «herzigste» Polizeiauto der Welt kommt aus Japan. Der Subaru 360, ein 453 kg leichter Winzling mit treuherzigem Hundeblick, wurde von 1958 bis 1971 gebaut, hatte ein damals wegweisendes Fiberglas-Monocoque und wurde von einem 25 PS starken Zweizylinder-Viertakter im Heck angetrieben. Lustigerweise fand das Wägelchen auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unzählige Fans. In den Polizeidienst indes wurde der Subaru 360 in Neuseeland befördert – mit Sonderlackierung, Leuchtbalken, Sirene und zwei Bobby-Helmen für die Hutablage. Falls nun der «Will haben»-Reflex hochkocht: Das Einzelstück von 1970 wird bei der Versteigerung «The Elkhart Collection» bei RM Sotheby‘s (23./24. 10. 2020) für 20‘000 bis 25‘000 Dollar (ohne Reserve) angeboten.

© RM Sotheby'sEin echter Sympathieträger für Neuseelands Polizei war dieser Subaru 360 mit 25-PS-Motor und Fiberglas-Monocoque.Ein echter Sympathieträger für Neuseelands Polizei war dieser Subaru 360 mit 25-PS-Motor und Fiberglas-Monocoque.

In der Regel setzen Polizeikorps bei ihren Fahrzeugen auf handfeste Solidität. Manchmal aber reibt sich der Betrachter verwundert die Augen, wenn er ein Einsatzfahrzeug erblickt. Eine Sammlung skurriler Polizeiautos. Die Polizei fährt in der Regel das, was auch Familienväter und emotionslose Praktiker begeistert: Kombis, Minivans, SUVs oder Busse, ordentlich motorisiert, gern mit Allrad und mit...
Was passiert, wenn ein Elektroauto im Tunnel oder der Tiefgarage Feuer fängt? Empa-Forscher machten im Dezember 2019 im Versuchsstollen Hagerbach die Nagelprobe – und setzten Batteriezellen von Elektroautos in Brand. Nun liegt die Auswertung vor. Ende 2019 ging es im Versuchsstollen Hagerbach in der Ostschweiz besonders heiss her: Die Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt...
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