Die Kantonspolizei St.Gallen vertraut seit Mai 2019 bei Patrouillenfahrzeugen von sieben Polizeistationen sowie bei Fahrzeugen für interne Dienste auf vollelektrische Hyundai Kona electric. Die Anwender sind zufrieden – und einer «kleinen» Herausforderung begeg­net die Kapo SG mit Flexibilität.

© Jörg RothweilerSeit Mai 2019 sind die Polizisten J. R. und D. R. von der Polizeistation Wil SG auch mit einem Hyundai Kona electric unterwegs.Seit Mai 2019 sind die Polizisten J. R. und D. R. von der Polizeistation Wil SG auch mit einem Hyundai Kona electric unterwegs.Jakob Schläpfer, Leiter Polizeigarage der Kantonspolizei St.Gallen, sieht sich (wie seine Kollegen anderer Korps) zum Spagat gezwungen: Einerseits soll er den Polizistinnen und Polizisten optimal für den Dienstalltag geeignete Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Andererseits muss er verbindliche Vorgaben der Politik hinsichtlich Umweltfreundlichkeit und Kosten erfüllen. «Aktuell betreibt bei der Kapo SG gut 300 Fahrzeuge – und die Modellvielfalt wächst», erklärt er – und zeigt auf die Fahrzeuge der Polizeistation Wil SG. Unter diesen finden sich unter anderem ein VW Transporter, ein BMW 2er Gran Tourer, ein Škoda Octavia – und der vollelektrische Hyundai Kona electric.

Seit 2019 im Hyundai Kona electric mobil

Gesamthaft stehen 20 Exemplare des rein elektrisch betriebenen Kompakt-SUV bei der Kapo St.Gallen im Dienst, sieben davon als Patrouillenfahrzeuge in Wil, Gossau, Rorschach, Widnau, Buchs, Bad Ragaz und Rapperswil. Diese tragen die typische weiss-orange Streifenwagen-Optik inklusive Blaulicht auf dem Dach und verfügen über Polycom-Anbindung, Datenaufzeichnung, WLAN-Router, Lautsprecher und vollumfängliche Anbindung an die Dispo der Einsatzzentrale. Auf die Nutzung des bordeigenen Google-­Maps-Navigationssystems indes verzichtet die Kapo SG. «Wir bringen unsere eigene GPS-Anwendung übers Smartphone ins Fahrzeug und achten auch sonst strikt auf saubere Trennung zwischen den fahrzeugeigenen und unseren polizeispezifischen Diensten», erklärt Schläpfer. Überdies musste sich Hyundai Schweiz vertraglich zu voller Haftung hinsichtlich Datenschutz verpflichten. Die Kantonspolizei St.Gallen zog damit ihre Lehren aus den Herausforderungen der Basler Polizei mit Fahrzeugen von Tesla.

Fahrzeuge des US-Herstellers schieden für Schläpfer bei der Evaluation übrigens ebenso aus wie der Audi e-tron 55 Quattro: «Das gibt unser Kostenrahmen nicht her. Zudem passen solche Autos nicht zu unserem Image. Die 150 kW des Hyundai Kona electric sind mehr als genug.» Für ihn wäre weniger Leistung kein Problem, Allradantrieb aber willkommen. «Doch der Hyundai Kona electric wird nur mit Frontantrieb und 204-PS-Motor angeboten – und war das einzige verfügbare Angebot, das die Grundvorgaben ‹mindestens 400 km Reichweite, maximal 50‘000 Franken› erfüllte. Das gab den Ausschlag für seine Beschaffung.

Überzeugende Leistung, gutes Fahrverhalten

© Jörg RothweilerDer Kofferraum des Kona ist eher knapp bemessen. Daher wird jeweils nur das mitgeführt, was im jeweiligen Einsatzraum effektiv benötigt wird.Der Kofferraum des Kona ist eher knapp bemessen. Daher wird jeweils nur das mitgeführt, was im jeweiligen Einsatzraum effektiv benötigt wird.Wir wollten nun wissen, wie zufrieden die Anwenderinnen und Anwender nach gut einem Jahr praktischem Einsatz mit dem Kona electric sind – und fragten stellvertretend die in Wil SG aktiven Polizisten J. R. und D. R., der eine erfahrener Polizist, der andere recht frisch von der Polizeischule.

Beide sind sich einig: Der Kona electric macht seine Sache bestens. «Die Ruhe im E-Auto ist toll, die Beschleunigung fulminant und eine Akkuladung reicht immer locker für eine komplette Schicht, sodass wir nie nachladen müssen», erklärt J. R. Auch gebe der Kona electric bei der Bedienung keine Rätsel auf. «Ausser dass Tipptasten den Automatikhebel ersetzen, ist alles wie im konventionellen Auto», sagt D. R. – und J. R. findet, dass auch wenn die Serienreifen wegen des hohen Drehmoments von 395 Nm schon mal kurz quietschend durchrutschen, der Kona electric viel harmonischer zu fahren sei als die Erdgas-Touran, welche die Kapo SG ab 2012 hatte und bei denen sowohl die Abstimmung des Benzin-/Erdgasantriebs als auch die Automatik «einfach nicht gepasst» hätten.

Für J. R. war die Rekuperation, also das Abbremsen des Fahrzeugs, sobald «Gas» weggenommen wird, wobei Strom erzeugt und in die Akkus zurückgepumpt wird, anfangs ungewohnt und zu stark. «Ich wähle nun die niedrigste der drei Rekuperationsstufen und ziehe bei Bedarf am linken Lenkradpaddel, um bedarfsgerecht die volle Rekuperationskraft abzurufen. Nach einer kurzen Eingewöhnung klappt das mittlerweile fast schon reflexartig.»

Martin Gächter, Leiter Technik & Logistik der Kantonspolizei St.Gallen, wundert sich nicht über das Lob. «Ich erhalte viele positive Feedbacks von Polizisten, die regelmässig mit dem Kona electric fahren. Viele nehmen fast durchwegs immer zuerst den Kona aus der Garage – obschon ihnen verschiedene Einsatzfahrzeuge zur Wahl stehen.»

Knappes Platzangebot bedingt Flexibilität

© Jörg RothweilerDie Bedienung der komplett ausgerüsteten Patrouillenfahrzeuge ist quasi selbsterklärend. Die Praxisreichweite beträgt rund 400 Kilometer.Die Bedienung der komplett ausgerüsteten Patrouillenfahrzeuge ist quasi selbsterklärend. Die Praxisreichweite beträgt rund 400 Kilometer.Für Diskussionen sorgte, vor allem anfänglich und längst nicht bei allen, das beschränkte Platzangebot im nur 4,20 Meter langen Kona electric. J. R. kritisiert «die eher magere Kniefreiheit für Erwachsene in der zweiten Reihe» und
D. R. würde sich vor allem vorne breitere Sitze wünschen. «Mit umgeschnalltem Einsatzgurt stosse ich an der Mittelkonsole und an der Verkleidung der B-Säule an», sagt er – und zeigt auf die sichtbaren Kratzspuren in den Plastik­oberflächen. «Zudem», sagt er, «wären längere Gurtpeitschen eine Erleichterung und auch der Kofferraum dürfte ruhig grösser sein.»

In diesem steckt, unter einem doppelten Boden, alles, was nicht immer sofort zugänglich sein muss – sowie eine Zusatzbatterie. Die braucht es, weil die Polizeielektronik die Fahrzeugbatterie im Motorraum stark fordert – und überfordern kann. «Einmal vergass ein Kollege, das Funkgerät, dessen Funktions-LED bei hellem Licht kaum erkennbar ist, abzuschalten», erklärt J. R. Dieses leerte die Fahrzeugbatterie – und der Kona fuhr trotz vollem Akku nicht mehr. Dank der Zusatzbatterie ist dieses Problem aber gelöst.

Über dem doppelten Boden ist eine vom «Haus-und-Hof»-Schreiner der Kapo SG massgeschneiderte Box mit Ausziehschubladen installiert. Darin befindet sich die Einsatzausrüstung – von Triopanen über Lampen bis zum Feuerlöscher. «Der Platz im Kona electric ist begrenzt, mit etwas Flexibilität aber ausreichend», erklärt Schläpfer. «Die Pa­trouillen führen im Kona electric nicht – wie bisher üblich –
‹einfach alles› mit, sondern genau das, was in ihrem spezifischen Einsatzraum effektiv benötigt wird. So konnten wir die Herausforderung zufriedenstellend lösen», erläutert Martin Gächter.

Fazit: Neue Wege zu gehen, lohnt sich

© Jörg RothweilerAnwender und Beschaffer sind zufrieden: Polizist J. R. und Jakob Schläpfer, Leiter Polizeigarage der Kantonspolizei St.Gallen, vor dem Hyundai Kona electric.Anwender und Beschaffer sind zufrieden: Polizist J. R. und Jakob Schläpfer, Leiter Polizeigarage der Kantonspolizei St.Gallen, vor dem Hyundai Kona electric.Das Beispiel der Kantonspolizei St. Gallen zeigt: Mit gutem Willen und der Motivation, neue Wege mit Offenheit zu beschreiten, ist vieles möglich. Martin Gächter bringt es folgendermassen auf den Punkt: «Wir sind überzeugt, dass der Kona electric zu 100 Prozent einsatztauglich für Pa­trouillen einer Polizeistation ist. Natürlich braucht es etwas Verständnis und den Willen, umzudenken. Für mich sind das aber keine Kompromisse, sondern effektive Lösungsansätze für begründbare Veränderung.»

J. R. meint, für ihn persönlich wäre das perfekte Einsatzfahrzeug «ein VW Touran oder ein Škoda Octavia mit dem Antrieb des Hyundai Kona electric». Und sein jüngerer Kollege wünscht sich «den schicken BMW 2er Gran Tourer mit Allrad und E-Motor».

Jakob Schläpfer schmunzelt und sagt dann: «Schauen wir mal, ob und, falls ja, wann die Hersteller eure Wünsche erhören und geräumige Elektrofahrzeuge mit normaler Leistung und Allrad zu erschwinglichen Preisen auf den Markt bringen werden.» Das interessiert uns auch – und daher werden wir das Thema E-Mobilität bei Blaulichtkräften weiter verfolgen.

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