© https://commons.wikimedia.orgSeit 1970 sitzen Millionen Krimifans am Sonntagabend vor dem Fernseher und glotzen den «Tatort». Am 19. August 2019 flimmerte die 1’100. Folge über den Bild­schirm. Wir ermittelten einige erstaunliche Fakten.

Erfunden wurde der «Tatort» von Gunther Witte als ARD-Konkurrenzprodukt zum ZDF-Krimi «Der Kommissar». Die erste Folge vom 29. November 1970 hiess gleich wie die 1’000. «Taxi nach Leipzig». Sie hatte eine Einschaltquote von 61 Prozent und begann mit Günter Lamprechts Worten: «Herr Landsberger? Motor abstellen!»

© NDRHauptkommissar Trimmel (Walter Richter, links) und sein Mitarbeiter Höffgen (Edgar Hoppe) waren 1970 die ersten Ermittler der heutigen Kultserie «Tatort».Hauptkommissar Trimmel (Walter Richter, links) und sein Mitarbeiter Höffgen (Edgar Hoppe) waren 1970 die ersten Ermittler der heutigen Kultserie «Tatort».Eklat gleich nach der ersten Folge

Erster «Tatort»-Kommissar war Walter Richter. Dessen Verkörperung von Ermittler Paul Trimmel sorgte für einen Eklat: Die Hamburger Polizei, deren Streifenwagen beim Dreh genutzt wurden, fürchteten aufgrund Trimmels Flüche­n und Trinkgelagen einen Imageverlust. Der aber blieb aus und Trimmel zwölf Jahre im Dienst. Skurril: Der 1969 ausgestrahlte Krimi «Exklusiv», in dem Trimmel erstmals auftrat, wurde 1971 als 9. «Tatort»-Folge nochmals gesendet.

Legendär und enorm preiswert: der Vorspann

Für den ikonischen «Tatort»-Vorspann gab Horst Letten­meyer­ Augen und Beine her – für 400 D-Mark Gage. Spätere Versuche, auf dem Rechtsweg ein Wiederholungs­honorar durchzusetzen, scheiterten. Klar besser weg kam Filmkomponist und Jazzmusiker Klaus Doldinger, der für die «Tatort»-Melodie 7’500 ­D-Mark kassierte. Die Musik wurde 1978 und 2004 modifiziert, wobei unter anderem das Schlagzeugspiel von Udo Lindenberg geändert wurde.

Kritische Politiker und skandalöse Nackt­szene

© NDREine Szene, in der Nastassja Kinski im «Tatort: Reifezeugnis» für einige Sekunden ihre Brüste entblösst, sorgte anno 1977 für einen veritablen Shitstorm.Eine Szene, in der Nastassja Kinski im «Tatort: Reifezeugnis» für einige Sekunden ihre Brüste entblösst, sorgte anno 1977 für einen veritablen Shitstorm.1975 opponierte die bayerische Politik-Grösse Franz Josef Strauß gegen den «Tatort». Er bezeichnete die Folge «Tod im U-Bahnschacht» als «Banditenfilm aus Montevideo mit Bordell­einlage» und forderte den SFB-Intendanten auf, «diesen Unfug einzustellen». Doch der «Tatort» blieb – und sorgte weiter für Skandale und glänzende Karrieren. Bestes Beispiel: Die Folge «Reifezeugnis» (1977), in der Regisseur Wolfgang Petersen («Troja») ein amouröses Schüler-Lehrer-Verhältnis skizziert und die damals 15-jährige Nastassja Kinski die Brüste entblösste. Ein Skandal fürs Fernsehen – und für Kinski und Petersen das Ticket nach Holly­wood.

Filme im «Giftschrank» und Aleviten auf der Strasse

«Der gelbe Unterrock» (1980) lagerte wegen perverser Gewalt- und Sex-Fantasien eines psychisch gestörten Klei­derfetischisten 35 Jahre im «Giftschrank». Heute gilt er als «Zeitdokument», während «Krokodilwächter» (1996) noch immer gesperrt ist, nachdem Hans-Otto Wilhelm, damals Medienbeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die Folge als «brutal, sexistisch und menschenverachtend» verurteilt hatte. Noch mehr Ärger gab es 2007, als nach Ausstrahlung der Folge «Wem Ehre gebührt», in der eine junge Alevitin von ihrem Vater geschwängert wird, in Köln rund 20’000 Menschen demonstrierten und der Dachverband der Aleviten in Deutschland gegen Drehbuchautorin Angelina Maccarone Strafanzeige wegen Volksverhetzung einreichte.

Unvergessen: Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski

© ORF, Uwe StratmannGötz George alias Kriminal­haupt­kommissar Horst Schimanski hatte mehrere Markenzeichen: einen alten Citroën als Dienstwagen, eine M65-Feldjacke der US-Armee, ein grosses Herz, viel Fluchen, Schnauben und Prusten und etwas «unkonventionelle» Methoden im Umgang mit Verdächtigen.Götz George alias Kriminal­haupt­kommissar Horst Schimanski hatte mehrere Markenzeichen: einen alten Citroën als Dienstwagen, eine M65-Feldjacke der US-Armee, ein grosses Herz, viel Fluchen, Schnauben und Prusten und etwas «unkonventionelle» Methoden im Umgang mit Verdächtigen.1981 begann die Ära von Götz George (✝ 2016) als Duisburger Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski. Dessen erster Satz lautete «Hotte, du Idiot, hör auf mit der Scheisse!» und sein letztes Wort beim Abschied 1991 lautete ebenfalls «Scheisse». Dennoch: Der Mann mit der Ruhrpott-Schnauze, der immer schnaubte und prustete, ein grosses Herz hatte und eine M65-Feldjacke (1965 bei der US-Army eingeführt) trug, sorgte in 27 Folgen und zwei Kinofilmen für Rekorde: «Unter Brüdern» wurde Dutzende Male wiederholt, «Der Fall Schimanski» ist mit rund 16,7 Millionen Zuschauern eine der erfolgreichsten Folgen aller Zeiten. Von 1997 bis 2013 trat Götz George in der Serie «Schimanski» auf – und in Duisburg gibt es seit 2014 die «Horst-Schimanski-Gasse».

Prominente und skurrile Mordmethoden

Viele Prominente wie Roger Moore, Helene Fischer, Dieter Bohlen und Ex-BILD-Chefredaktor Kai Diekmann hatten Gastauftritte im «Tatort». Die waren teils so skurril wie die Morde, bei denen die Opfer nicht nur erschossen oder erschlagen wurden, sondern bisweilen durch einen mit Zyankali getränkten Tampon oder einen Kuss (Opfer hatte Nussallergie) getötet, zu Schnaps gebrannt, aufgespiesst, gehäckselt oder gefriergetrocknet wurden. Dabei stieg die Zahl der Opfer stetig. 2016 gab es mit 162 Leichen nur drei weniger als in allen 107 Folgen von 1970 bis 1979 zusammen und der Wiesbaden-«Tatort» «Im Schmerz geboren» zählte rekordverdächtige 51 Tote.

Die erste «Tatort»-Frau

© SWRUlrike Folkert alias Lena Odenthal spielt seit 1989 im «Tatort» mit. Einst blutjunge Ermittlerin, ist sie in den letzten 30 Jahren zur erfahrenen Kommissarin gereift.Ulrike Folkert alias Lena Odenthal spielt seit 1989 im «Tatort» mit. Einst blutjunge Ermittlerin, ist sie in den letzten 30 Jahren zur erfahrenen Kommissarin gereift.Der «Tatort» war bis 1987 Männersache – dann trat Nicole Heesters als erste Kommissarin auf. 1989 stiess Ulrike Folkerts, damals 28 Jahre jung, als Lena Odenthal hinzu, die heute «dienstälteste» «Tatort»-Kommissarin ist. Der erste Schweizer «Tatort», in dem Matthias ­Gnädiger alias Wachtmeister Walter Howald aus Bern Ermittler und zugleich Täter war, wurde 1990 ausgestrahlt. Im Nachgang klagten viele Norddeutsche, Untertitel wären schön gewesen. Die aber gab es einzig 1982, als ein «Tatort» komplett in Plattdeutsch gedreht wurde.

Die Serie als Vorbild für Straftäter

Ebenso einmalig blieb, dass der «Tatort» Kriminelle inspirierte: Zwei Wochen nachdem Manfred Krug 1984 in «Haie vor Helgoland» im ersten Einsatz als Paul Stoever einen Raubüberfall auf eine zwischen Helgoland und Cuxhaven verkehrende Fähre aufklärte, überfielen echte Räuber in Bremerhaven das Seebäderschiff Roland von Bremen. Sie erbeuteten 60’000 D-Mark, entkamen unerkannt – und im Gegen­satz zum Film wurde niemand
getötet.

Seit 1970 sitzen Millionen Krimifans am Sonntagabend vor dem Fernseher und glotzen den «Tatort». Am 19. August 2019 flimmerte die 1’100. Folge über den Bild­schirm. Wir ermittelten einige erstaunliche Fakten. Erfunden wurde der «Tatort» von Gunther Witte als ARD-Konkurrenzprodukt zum ZDF-Krimi «Der Kommissar». Die erste Folge vom 29. November 1970 hiess gleich wie die 1’000. «Taxi nach Leipzig»....
Folgende Geschehnisse, bei denen Schweizer Care Teams zum Einsatz kamen, erlangten national wie international grosse Aufmerksamkeit: 2. September 1998 Absturz einer Maschine der Swissair vor Halifax (229 Tote) 11. Januar 1999 Ein Vater erschiesst in St. Gallen den Lehrer seiner Tochter 27. Juli 1999 Canyoning-Unglück im Saxetbach (21 Tote) 10. Januar 2000 Absturz einer Saab 340 der Crossair nahe...
Seit zehn Jahren baut Crosscall in Aix-en-Provence «ruggedized» Handys und Smartphones. Wir haben das für Einsatzkräfte interessante Topmodell Trekker-X4 mit Dash- und Bodycam-Funktionalität ausprobiert. Das nach Mil-Std 810 G und IP68 zertifizierte Crosscall Trekker-X4 hält was aus: Wir schleiften sein Display am Zürichseeufer über den Sand, setzten das Gerät in knietiefem Wasser der Dünung...
Vom 7. bis 11. Oktober 2019 fanden in Frauenfeld die von der Feuer­­wehr Koordination Schweiz (FKS) organisierten Kurse «Führung Grossereignis» und «Ausbildungskurs für Übungsleiter Gross­- ­­­er­eignis» statt. 115 Angehörige verschiedener Behörden und Organi­sa­tionen für Rettung und Sicherheit (BORS) nahmen daran teil. Kommt es zu einem Grossereignis, müssen Feuerwehr­leute, Polizisten,...
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IT-Forensiker fahnden nach digitalen Spuren auf IT-Geräten, in der Cloud und im Inter- sowie im Darknet. Mit digitalen Beweisen überführen sie Täter, die in der virtuellen oder realen Welt Straftaten begangen haben. Bei der Luzerner Polizei bilden sie ein sechsköpfiges Team. Dieses gewährte uns exklusive Einblicke. Mehr als 56΄000 Bilder lagern auf dem Smartphone, das ein Mitarbeiter des Teams...
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Die eigenen Grenzen ausgelotet – und viele andere Grenzen überwunden Seit 2003 kommen beim jährlichen «Kristallschiessen» fast 120 Angehörige von Polizeien, Grenzwachtkorps, privaten Sicherheitsdiensten und dem Militär aus vier Nationen zusammen. Sie loten die Grenzen der persönlichen Schiessfertigkeit aus – und pflegen den Austausch und die Kameradschaft über Korps-, Institutions-, Kantons- und...
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