Paul Tedde, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung, betreibt mit den drei Geschwistern Guggenbichler in Pratteln die CSC Desinfektion und Tatortreinigung GmbH. Wir haben ihn gefragt, was einen guten Tatortreiniger auszeichnet, wo die Risiken und Herausforderungen liegen und wie sich Blaulichtkräfte an Tatorten vor unsichtbaren Gefahren schützen können.

© zVgPaul TeddePaul Tedde

Herr Tedde, was zeichnet einen guten Tatortreiniger aus?

Zuallererst eine fundierte Ausbildung, vorzugsweise als staatlich geprüfter und zertifizierter Desinfektor, wie alle Mitglieder unseres Kernteams. Zudem braucht es psychische Stabilität, eine hohe Ekelgrenze, physische Belastbarkeit und Einfühlungsvermögen. Ein Tatortreiniger muss ein dickes Fell haben, aber auch die nötige Empathie für einen einfühlsamen, respektvollen und korrekten Umgang mit den Angehörigen mitbringen. Überdies müssen Tatortreiniger gewissenhaft und exakt arbeiten. Sie tragen eine hohe Verantwortung. Ehrlichkeit, Genauigkeit und Flexibilität bezüglich der Einsatz- und Arbeitszeiten runden das Profil ab. Der Tod kennt keine Bürozeiten.

Wo können sich Interessierte die nötigen Fähigkeiten aneignen?

Leider gibt es in der Schweiz bisher keine Institution, die Tatortreiniger ausbildet. Adrian, André und ich haben uns nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) ausbilden lassen. In der EU ist Tatortreiniger ein anerkannter Beruf, für den es zertifizierte Ausbildungen und auch eindeutige Berufsregeln gibt. In der Schweiz ist bisher nicht einmal der Berufsname geschützt. Wir haben daher selbst unlängst den Berufsfachverband «HygiA» ins Leben gerufen und wollen künftig auch zertifizierte Ausbildungen anbieten.

Das heisst, heute kann jedermann eine Tatortreinigungs­firma betreiben? Ohne nachgewiesene Fachkenntnisse?

Theoretisch ja. Was ein Skandal ist angesichts der Gefahren, die entstehen, wenn die Arbeit nicht fachgerecht, also nach den Regeln des Infektionsschutzgesetzes und unter Ein­haltung anerkannter internationaler Richtlinien wie jenen des RKI ausgeführt wird. Wer falsch arbeitet, etwa mit unge­eigneten Produkten, provoziert unberechenbare Risiken. Wir selbst verwenden daher ausschliesslich gelistete Produkte des RKI und der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) – gezielt fallbezogen und strikt nach Vorschrift.

Wo lauern die grössten Gefahren?

Das Sichtbare ist eklig, das Unsichtbare oft lebensgefährlich. Tatortreiniger arbeiten an brandgefährlichen Orten. Da, wo HIV-Infizierte oder Menschen mit anderen hochansteckenden Krankheiten Blut und Körperflüssigkeiten, Gewebe-, Organ- oder Knochenteile hinter­lassen haben. In Wohnungen, in denen Mes­sies oder Mietnomaden hausten oder Tiere gehortet wurden. An Fundorten längerer Zeit liegender Leichen. An all diesen Tatorten lauern potenziell lebensbedrohliche Pilzsporen, Keime, Bakterien oder Viren – und manchmal echt böse Überraschungen. Einmal fanden wir gar eine Handgranate mit entferntem Sicherungsstift!

Insbesondere Keime und Pilzsporen sind ja aber für alle, die an Tatorten arbeiten, gefährlich. Wissen all diese Menschen um die Risiken?

Leider nein! Angehörige von Polizei, Feuerwehr, Rettungs- oder Sicherheitsdiensten, aber auch Bestatter oder Forensiker agieren bisweilen erschreckend blauäugig und sorglos. Dabei sollten sie nur ihrer Nase vertrauen! Unser Geruchssinn ist ein über Jahrmillionen optimiertes Warninstrument. Detektiert er üble, eklige, Brechreiz auslösende Gerüche, herrscht Alarmstufe Rot. Doch viele ignorieren die Warnzeichen, begehen Tatorte, Messiewohnungen und Leichenfundorte ohne Mindestschutz. Sie betreten mit ihren Schuhen verseuchte Böden und verschleppen Keime und Sporen ins Auto, die Dienststelle und ihr Zuhause, wo die Kinder spielen. Sie fassen kontaminierte Oberflächen mit blossen Händen an, greifen danach unbewusst ins Gesicht, an Mund, Nase, Ohren oder Augen. Zudem atmen sie möglicherweise unbemerkt Pilzsporen oder Keime ein, die dann in der feuchtwarmen Lunge «zum Leben erwachen» und ihr zerstörerisches Werk beginnen, dessen Folgen oft erst nach Jahren zutage treten.

Was raten Sie also jenen, die an solche Orte zum Einsatz müssen?

Sie müssen sich der Gefahren bewusst sein – und sich ­zwingend und immer schützen. Schuhüberzieher, Einweghandschuhe, eine Atemschutzmaske und ein gegen Bakterien und Viren wirksames Desinfektionsmittel gehören in jede Uniformtasche. Und das Wissen, wie man diese Ausrüstung korrekt an- und auch wieder auszieht und Desinfektionsmittel richtig anwendet, gehört in jeden Kopf.

Wie gehen Sie mit den Bildern, die Sie täglich sehen, um?

Wie gesagt: Es braucht ein dickes Fell. Man darf das Kopfkino nicht laufen lassen, was natürlich oft schwierig ist. Vor allem, wenn die Spuren, die wir beseitigen, ein Bild von dem zeichnen, was geschah. Einmal sahen wir blutige Handabdrücke, weil das Opfer versuchte, auf den Balkon zu flüchten, aber auch eine Schleifspur, die zurück in die Wohnung führte. Solche Bilder kriegt man nur schwer wieder los. Ebenfalls besonders schlimm sind Tatorte, an denen Kinder betroffen waren oder Reinigungen von Suiziden, bei denen man feststellt, dass man das Opfer persönlich kannte.

Und was fasziniert Sie dennoch so sehr, dass Sie diesen Beruf mit Motivation und der nötigen Begeisterung ausüben?

Einerseits sehen wir jeden Tag, was wir leisten. Wir haben am Abend ein detailliertes Bild von dem, was erledigt wurde. Andererseits ist es ein Glücksgefühl, wenn betroffene Angehörige eine Wohnung oder einen anderen Tatort wieder ohne Furcht vor Gesundheitsgefahren, üblen Gerüchen oder optischen Spuren betreten können, eine Messiewohnung guten Gewissens neu vermietet werden kann und die Mitbewohner im wahrsten Sinn des Wortes aufatmen können. Hinzu kommt, dass unsere Arbeit zwar viele abschreckt, wir selbst aber Wertschätzung, Dankbarkeit und Respekt ernten. Letztlich wissen alle: Irgendjemand muss diesen Job ja machen – und wir tun es jeden Tag.

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