© EZVEZV-Direktor Christian Bock zeigt sein Smartphone mit der installierten App «QuickZoll».EZV-Direktor Christian Bock zeigt sein Smartphone mit der installierten App «QuickZoll».Christian Bock steht als EZV-Direktor an der Spitze des Programms DaziT. Wir sprachen mit ihm über Gelungenes, Herausforderndes und Kommendes.

Herr Bock, DaziT läuft, erste Lösungen sind fertig. Wie liegen Sie im Zeitplan und wie gut im Budgetrahmen?

Das Programm DaziT ist auf Kurs. Portfolio und Roadmap entwickeln sich dynamisch, neue Erkenntnisse, etwa bei Weiterentwicklungen im Bereich Schengen/Dublin, fliessen agil ein. Wir wollen dank Synergien den Zeitplan sogar noch beschleunigen. Aufgrund einer vorsichtigen Ausgabenpolitik sowie diverser Umplanungen liegen wir bisher unter dem Budget.

Für DaziT benötigen Sie Personal mit Management-, Projekt- und IT-Know-how sowie interne Fachspezialisten. Sind Personallücken «an der Front» entstanden?

Ja und nein. Ja, weil wir für die Projekte hochqualifizierte, erfahrene Mitarbeitende von der Front benötigen, die nicht von heute auf morgen ersetzt werden können. Die Mitarbeitenden schätzen übrigens diese zusätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten sehr! Wir wollen die Zukunft mit eigenen Mitarbeitenden gestalten, die wissen, wie das Geschäft «draussen» funktioniert, und Ideen zur Vereinfachung einbringen. Nein, weil diese Mitarbeitenden aus verschiedenen Regionen und Einheiten stammen. Das ist jeweils eine Chance, die bisherige Organisation zu überdenken und – wo nötig – die Effizienz zu steigern.

Zu Beginn von DaziT kam aus Reihen der Mitarbeitenden teils harsche Kritik, auch gezielt «auf den Mann». Wie steht die Basis heute zu DaziT?

Wir befinden uns in einer tief greifenden Transformation: Ängste, Bedenken und Fragen sind absolut normal. Wir nehmen diese ernst und pflegen einen aktiven Dialog mit der Belegschaft. Im Februar 2019 habe ich die Mitarbeitenden im Rahmen einer «Tour de Suisse» bei knapp 60 Anlässen an 13 Standorten und in drei Sprachen persönlich informiert. Eine darauffolgende Umfrage zeigte: Mehr als 90 Prozent der Mitarbeitenden sehen die Weiterentwicklung der EZV als Chance.

Hat sich die Fluktuation verändert? Spüren Sie andererseits wachsendes Interesse nachrückender Talente?

Die Fluktuation hat in den letzten fünf Jahren etwas zugenommen, liegt aber nach wie vor unter dem Durchschnitt der gesamten Bundesverwaltung. Und ja, wir spüren tatsächlich grosses Interesse. Wir haben das Privileg, das grösste Transformationsvorhaben der Bundesverwaltung zu führen. Zudem gehen wir bei der Umsetzung neue Wege. Das weckt Neugierde. Viele Mitarbeitende wollen Teil davon sein. Aber auch extern ist das Interesse sehr gross. Spontanbewerbungen nehmen zu.

Anfang August 2019 schrieb das BIT auf simap.ch drei Lose über insgesamt 28 Millionen Franken aus: «Gesamt­konzeption Transformation», «Umsetzung kulturelle Transformation» und «Begleitung in agilen Arbeitsweisen und Methoden». Sie suchen externe Unterstützung?

Die Transformation ist eine umfassende Herausforderung. Das stand schon in der Botschaft von 2017. Diese Ausschreibung sichert uns den erforderlichen beschaffungsrechtlichen Rahmen bis 2028 und ermöglicht es uns, gezielt externe Unterstützung zur Ergänzung und Entlastung unserer eigenen Führungs- und Fachkräfte beizuziehen. Allein, was punkto Aus- und Weiterbildung in den kommenden Jahren parallel zum Betrieb zu stemmen sein wird, kann nicht ausschliesslich mit bestehenden Ressourcen bewältigt werden.

Die Berufsbilder Zollfachmann/frau und Grenzwäch­­­­­ter/in werden fusioniert – und nicht nur hinsichtlich digitaler Kenntnisse anspruchsvoller. Worauf kommt es künftig an? Welche Talente sind gefordert?

Wie überall in der heutigen Arbeitswelt erwarten wir hohe Flexibilität und die Bereitschaft, sich ständig neuen Anforderungen und Herausforderungen zu stellen. Wir brauchen engagierte Mitarbeitende, die konstruktiv mitdenken und Verantwortung übernehmen. Das neue Berufsbild wird anspruchsvoll sein. Es bietet gleichzeitig abwechslungsreiche, spannende Tätigkeiten und beste Perspektiven.

Wie werden Aus- und Weiterbildung erfolgen? Gibt es schon Schulungskonzepte? Ist die Fortbildung überhaupt möglich, ohne dass mehr Kräfte rekrutiert werden müssen?

Aus- und Weiterbildung sind ein zentraler Faktor für den Erfolg unserer Transformation. Aktuell werden Schulungskonzepte erarbeitet. Diese werden gestaffelt umgesetzt, im Wesentlichen durch unsere bewährten Fachkräfte. Wir haben mit dem Campus in Liestal ein eigenes, gut ausgestattetes Ausbildungszentrum. Phasenweise wird zusätzliche, auch externe Verstärkung eingesetzt.

Wie werden die Lohnstrukturen harmonisiert? Droht Ihnen hier eventuell Ärger seitens der Basis?

Die Herausforderung ist bekannt, die Lösung wird aber einige Jahre in Anspruch nehmen – das habe ich den Mitarbeitenden klar kommuniziert. Erst müssen wir die neuen Berufsbilder und Funktionen ausarbeiten und bewerten. Erst dann kann ein neues Entlohnungs­system für die gesamte EZV geschaffen werden. Dabei müssen die personalrechtlichen Rahmenbedingungen der Bundesverwaltung und die Finanzierungsmöglichkeiten eingehalten werden. Dazu reden wir mit den Mitarbeitenden und Sozialpartnern.

Kommen wir zum wirtschaftlichen Aspekt von DaziT: Welche Unternehmen/Anbieter sind bei DaziT mit an Bord?

Wir arbeiten eng mit der Wirtschaft zusammen, laden interessierte Verbände und Unternehmen zu regelmässigen Informationssitzungen ein. In Arbeitsgruppen können Firmen ihr Praxiswissen einfliessen lassen. Anforderungen werden besprochen, die Benutzerfreundlichkeit neuer Anwendungen optimiert und Piloteinsätze durchgeführt. Aktuell sind rund 25 Unternehmen aktiv eingebunden, Tendenz steigend.

Sind auch ausländische Anbieter an Bord? Wie wird bei diesen die Compliance gewährleistet?

Die Bundesverwaltung untersteht dem öffentlichen Beschaffungsrecht. Auch ausländische Lieferanten können anbieten.
Zur Sicherstellung der Compliance müssen alle potenziellen Lieferanten projektspezifische Eignungskriterien nachweisen, die von unseren Beschaffungsspezialisten geprüft werden. Die Zuschlagsempfänger von Ausschreibungen durchlaufen jeweils ein Assessment, wobei sensitive Systeme oder Geschäftsfälle entsprechend gehandhabt werden.

Wie wird die Datensicherheit der digitalen Lösungen gewährleistet? Wo stehen die Server? Wer ist der Netz­werkbetreiber? Erfolgt die Datenhaltung in der Cloud oder On Premise?

Datensicherheit hat höchste Priorität. Die Server stehen in den Rechenzentren der Bundesverwaltung und werden durch die Leistungserbringer der Bundesverwaltung verwaltet. Netzbetreiber für die gesamte zivile Bundesverwaltung ist das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT). Die Datenhaltung erfolgt, je nach Anforderungen, in einer Private Cloud oder auf dedizierten Systemen, beides On Premise. Der Einsatz von Public Clouds wird momentan bundesverwaltungsintern geprüft. Der Schutz entspricht den geltenden Standards – detaillierte Aussagen sind aber aus naheliegenden Gründen nicht möglich.

Noch eine Frage zur «Kundenseite»: Wie kommen Lösungen wie «QuickZoll» oder «Via» bei den Kunden an?

Beide sind aus unserer Sicht erfolgreich gestartet. Die Download- und Nutzungszahlen steigen – und die Einnahmen von Via übersteigen inzwischen 300’000 Franken. Zur weiteren Optimierung betreiben wir Informations- und Marketingmassnahmen und sprechen Kunden gezielt dort an, wo sie «klassische» Dienstleistungen nutzen. Die Apps sind zusätzliche Möglichkeiten, ergänzen die bisherigen Kanäle. Mit den Apps sprechen wir eine neue, digital affine Kundschaft an – und generieren damit zum Teil auch zusätzliche Einnahmen für den Bund.

Zur Person

Dr. iur. Christian Bock promovierte an der Universität Basel in Rechtswissenschaften, ist Anwalt, Fürsprecher sowie Notar und verfügt über Abschlüsse in europäischem und internationalem Wirtschaftsrecht und Betriebswirtschaft. Er arbeitet seit 1994 bei der Bundesverwaltung, war stellvertretender Direktor des Eidg. Instituts für Geistiges Eigentum (IGE) und von 2008 bis 2016 Direktor des Eidg. Instituts für Metrologie (METAS). Er ist seit 2016 Direktor der EZV.
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