Mit DaziT führt die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) das grösste Transformationsprogramm in der Bundesverwaltung. Technisch geht es rasant vorwärts. Was bedeutet dies für die Organisation und für die Mitarbeitenden?

© EZVDie Mitarbeitenden der EZV, aber auch die Bevölkerung müssen sich daran gewöhnen, dass die Digitalisierung auch an der Landesgrenze angekommen ist.Die Mitarbeitenden der EZV, aber auch die Bevölkerung müssen sich daran gewöhnen, dass die Digitalisierung auch an der Landesgrenze angekommen ist.Die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV), die mit rund 4’700 Mitarbeitenden etwa ein Drittel aller Bundeseinnahmen generiert (2018 knapp 23 Milliarden Franken), steht angesichts zunehmender Digitalisierung, immer mehr Personen- und Fahrzeugverkehrs an der Landesgrenze sowie eines immer schneller werdenden internationalen Handels vor grossen Herausforderungen. Die Wirtschaft 4.0 fordert flexible, digitale, einfache und unbürokratische Prozesse beim Grenzübertritt. Die Politik drängt auf den Abbau von Regulierungskosten und mehr Effizienz bei der Einnahmenerhebung. Zudem soll die Sicherheit an der Grenze angesichts höchst volatiler globaler Migrationsströme sowie immer dreister und vernetzter agierender Schmug­gler, Schlepper, Terroristen, Betrüger und Wirtschaftskrimineller gesteigert werden.

DaziT: ein Mammut-Programm

Um allen Herausforderungen gerecht zu werden, wurde am 1. Januar 2018 das Programm DaziT (rätoromanisch «Dazi» für Zoll, «T» für Transformation; siehe www.dazit.admin.ch) gestartet. Für dieses versprachen die Eidgenössischen Räte einen Verpflichtungskredit von fast 400 Millionen Franken. EZV-Direktor Christan Bock hat DaziT zur Chefsache erklärt. Er persönlich führt das Programm als Auftraggeber, EZV-Vizedirektorin Isabelle Emmen­egger hat die Programmleitung in Händen.

Die Ziele von DaziT lauten: Vereinfachung, Harmonisierung und durchgehende Digitalisierung aller Zoll- und Abgabenerhebung sowie der Grenzprozesse, Minimierung der Regulierungskosten, Steigerung der (Grenz-)/Sicherheit mittels wirksamerer Kontrollen. All dies erfordert ein gesamtheitliches und weitreichendes Transformationsprogramm, das von der Organisationsstruktur und -kultur über Abläufe, Arbeitsmittel, Infrastruktur und Rechtsgrundlagen bis Aus- und Weiterbildung alles miteinbezieht.

Was schon existiert

© EZVVon den Mitarbeitenden der EZV werden künftig deutlich höhere digitale Skills verlangt als bisher. Von den Mitarbeitenden der EZV werden künftig deutlich höhere digitale Skills verlangt als bisher. Es hat sich bereits einiges getan. Die App «QuickZoll» ermöglicht digitale Verzollungen im privaten Reiseverkehr und die App «Via» die Online-Abwicklung der pauschalen Schwerverkehrsabgabe (PSVA) für ausländische Fahrzeuge. Auf der Autobahn-Zollstelle Basel/Weil am Rhein testet die EZV seit Mai 2019 mit Firmen die App «Activ» zur automatischen Erkennung von Warentransporten an der Grenze. Intern können die Kräfte des Grenzwachtkorps (GWK) mit der App «eneXsMobile» Pässe und IDs zeit- und ortsunabhängig via Smartphone überprüfen und mobile Einsatzkräfte haben via Smartphone Zugriff auf die Bilder der Kameraüberwachung des grenzüberschreitenden Verkehrs.


Was aktuell in Arbeit ist

Neun Projekte, darunter «EES/ETIAS» (Entry Exit System/European Travel Information and Authorisation System) als Kernstück des Projektes «EU Smart Borders» für wirksamere Kontrollen an den Schengen-Aussengrenzen, «Stammdaten» zur Zentralisierung der bisher heterogenen Datenbanken der EZV, das Kundenportal «E-Portal» und «Redesign Fracht/Abgaben» zur Digitalisierung der Prozesse für die Ein-, Aus- und Durchfuhr von Waren sowie die Inlandbesteuerung, sind aktuell in der Umsetzung. Zusätzliche Projekte werden laufend initialisiert.

Parallel animiert die EZV die Kunden durch Marketingmassnahmen zur Nutzung der digitalen Angebote und klärt das eigene Personal über die Notwendigkeit der Veränderungen auf, mit dem Ziel, dass dieses den Wandel aktiv mitträgt. Beides ist für den Erfolg eminent. Denn das Potenzial jeder digitalen Lösung beginnt dort, wo die Menschen deren konkreten Nutzen erkennen und befähigt werden, die Lösung anzuwenden.

Die EZV weiss dies – und setzt dazu stark auf User-Centered-Design-Methoden (UCD). Entsprechende Massnahmen beinhalten Nutzerforschung, Anforderungserhebungen, Tests und Pilotprojekte – sowohl mit Kunden als auch mit internen Nutzern. Zudem legt die EZV hohen Wert darauf, dass die neuen Anwendungen einfach, benutzerfreundlich und weitgehend selbsterklärend sind.

Die EZV wird zum BAZG

© EZVNeue digitale Lösungen erlauben es, Waren im Privatverkehr online zu verzollen oder die PSVA via Smartphone zu bezahlen.Neue digitale Lösungen erlauben es, Waren im Privatverkehr online zu verzollen oder die PSVA via Smartphone zu bezahlen.Im Gleichschritt mit der Transformation der Prozesse entwickelt sich die EZV organisatorisch weiter. Die «personelle und organisatorische Trennung» der EZV-Mitarbeitenden in Zollfachkräfte und Grenzwächter wird aufgehoben. Im künftigen Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) als Nachfolger der EZV sollen alsbald einheitlich ausgebildete, uniformierte und (aufgabenbezogen) bewaffnete Kräfte agieren, die auf einen der drei Bereiche Waren-, Personen- oder Transportmittel-Kontrolle spezialisiert sind. Neu eintretendes Personal wird von Beginn an hinsichtlich der neuen Arbeitsweisen und Technologien geschult, die bestehenden Mitarbeitenden mit gezielten Weiterbildungen fit für die digitale Welt gemacht.

Langfristig sollen die Einsatzkräfte eine operative Einheit bilden, die statt in den bisherigen Grenzwachtregionen und Zollkreisen in neuen, regionalen und lokalen Strukturen (welche noch definiert werden) agieren wird. So sollen die Einsatzkräfte flexibler und schneller auf Lageveränderungen (z. B. Migrationsdruck) reagieren und verstärkt «an der Grenze» sowie mobil im Landesinneren agieren können. Dazu ist freilich Digitalisierung nötig: Repetitive adminis­tra­tive Aufgaben werden automatisiert, damit sich die Kräfte auf ihren Kernauftrag – umfassende Sicherheit an der Grenze zugunsten von Bevölkerung, Wirtschaft und Staat – fokus­sieren können.

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