1500 PS stark, gut 56 Tonnen schwer, 3,74 Meter breit und mit vorwärtsgerichteter Kanone fast 10 Meter lang. Der Panzer 87 Leopard WE ist ein Gigant. Doch wie reagiert das Monster auf ungeübte Dompteure? Gibt es sich handzahm oder zeigt es seine Krallen? Ein Selbstversuch.

© Jörg RothweilerMarkus Werren beobachtete im Kommandoraum des Fahraus­bildungs­simulators FASPA die «Entführung» des Panzers 87 Leopard WE – und hatte wohl reichlich Anlass zum Schmunzeln.Markus Werren beobachtete im Kommandoraum des Fahraus­bildungs­simulators FASPA die «Entführung» des Panzers 87 Leopard WE – und hatte wohl reichlich Anlass zum Schmunzeln.«Könnte ein Laie einen Panzer entführen?» Diese Frage stellte ich Stabsadjutant Markus Werren, Chef Fahrausbildung FASPA Leo & Spz 2000 beim Lehrverband Panzer und Artillerie des Kommandos Waffenplatz Thun. Seine Antwort: «Finden Sie es doch raus – im Simulator!»

Nun stehe ich vor dem Hightech-Gerät – und Markus Werren zeigt nur stumm auf dessen Zustieg. Ausprobieren ohne jede Anleitung ist angesagt. Doch ich bin zuversichtlich. Immerhin fand ich im Web einige Videos zum Thema und technisch unwissend bin ich auch nicht. Los geht's!

Aller Anfang ist schwer

«Autsch – verdammt!», fluche ich Sekunden später, als mein Kopf hart an Stahl stösst. Meine Versuche, den Fahrersitz zu entern, müssen auf Werren, der alles am Kommandopult mitansehen muss, beängstigend dilettantisch wirken. Auf die Idee, die Sitzlehne niederzuklappen und von hinten «reinzurutschen», komme ich nämlich nicht. Später meint Werren: «Ich musste wirklich schmunzeln. Eigentlich ist es nämlich ganz einfach. Aber eben nur, wenn man weiss, wie's geht.» Mangels dieses Wissens gelingt es mir, einmal im Sitz hockend, auch nicht, diesen einzustellen. In der Not hocke ich zuvorderst auf die Sitzkante. So erreiche ich nun knapp die Pedale und kann ebenso knapp über den Rand nach «draussen» blicken.

Zudem kommt mir jetzt die Youtube-Recherche zugute: Den Hauptschalter am linken Kontrollpanel auf Stufe 2 stellen, dann das 47,6-Liter-12-Zylinder-Triebwerk vorglühen, nach einigen Sekunden den Startknopf drücken und leicht Gas anlegen ... Wrooom! Donnernder Motorenlärm im Kopfhörer beweist: Das Monster ist erwacht. Rechts von mir befindet sich die Schaltung. Wie im Internet gezeigt drücke ich den Entriegelungsknopf, schiebe den Wahlhebel der Automatik ganz nach vorn, auf «A», drücke dann den Richtungswahlhebel nach oben, auf «Vorwärts». Jetzt noch die Fest­stellbremse (prominent angeschrieben) lösen und vorsichtig aufs Gas steigen. Yippie Ya Yeah! Das Monster setzt sich schaukelnd in Bewegung.

Der Leopard verlangt eine feine Hand

 

© Markus WerrenUnrühmliches Ende einer Panzerfahrt: Der Autor «versenkte» den Panzer in einem sumpfigen Tümpel.Unrühmliches Ende einer Panzerfahrt: Der Autor «versenkte» den Panzer in einem sumpfigen Tümpel.

Vorsichtig «rolle und ruckle» ich durch die virtuelle Kaserne. Erste zaghafte Impulse am erstaunlich kleinen Lenkrad quittiert der Panzer sofort mit wilden Zuckungen nach rechts und links. «Aha! Gefühl ist gefragt!» Das fordert meine ganze Konzentration. So entgeht mir, dass ich in eine Sackgasse steuere. So ein Mist! Rückwärtsgang rein, sanft aufs Gas – Überraschung! Der Panzer schwenkt nach rückwärts rechts, obwohl ich hart nach links lenke. Reflexartig zuckt der Gasfuss zurück – und plötzlich ist alles ganz ruhig. Na super. Abgewürgt. Der Klassiker.

Mir wird immer wärmer. Nervös stelle ich Automatik- und Fahrtrichtungshebel auf «Neutral», drücke den Startknopf – nichts! Zündung aus, Zündung ein, Startknopf – nichts! Handbremse rein, Handbremse raus, starten – nichts! Nach reichlich «Trial and Error» und bangen Minuten greift Markus Werren ein. «Lenkung geradestellen!», befiehlt er. «Aha!» Ich drehe das Lenkrad zur Mitte, drücke «Start» – Wrooom! Das Megakätzchen schnurrt wieder. Später erklärt mir Werren: «Der Leopard 2 braucht bei vollem Lenkeinschlag 860 seiner 1500 PS nur zum Steuern! Daher kann er bei gedrehtem Lenkrad nicht starten. Also immer dran denken: Lenken braucht Kraft, also Gas!»

Ich versuche nun, den Panzer «auf der Stelle» zu wenden. Dazu muss ich gemäss Youtube-Video nur den Richtungswahlhebel nach links stellen. Dann rotiert der Leopard um seine eigene Achse. Das klappt auch, doch wieder gebe ich zu zaghaft Gas – und würge den Motor ab. Erst im dritten Anlauf gelingt der U-Turn – wenig perfekt, so bei 165 von 180 Grad. Danach aber komme ich peu à peu immer besser «in Fahrt».

Ich verlasse die Kaserne. Auf der breiten «Landstrasse» wächst die Zuversicht – und Leichtsinn keimt auf. Mit 55 km/h (maximal liegen gut und gerne 70 km/h drin) steuere ich auf eine eher enge Kurve zu. Instinktiv und wie vom Auto gewohnt «lupfe» ich den Gasfuss, lenke ein – und werde plötzlich im Sitz hin und her, auf und ab geschleudert. Kardinalfehler! «Lenken braucht Kraft», hatte Werren doch gesagt. «Ohne Motorkraft kann der Leopard nur unzureichend steuern.» Hinzu kommt: Der Lenkradius ist abhängig vom eingelegten Gang! Je höher die Fahrstufe, desto weiter der Radius. Ich fuhr im vierten Gang, die Kurve hätte aber den zweiten erfordert. Resultat: von der Strasse abgekommen, einige kleine Bäume und Büsche abgemäht, ein Schotterfeld durchpflügt. Der Leopard steckt nun mit ziemlicher Schräglage im superweichen Sumpf eines Weihers.

Wenn es «Hecke» statt «Ecke» heisst

Von allein komme ich da kaum mehr raus. «Könnte ich loslaufen und einen Bergepanzer Büffel zu Hilfe holen?» Werren lacht sich schlapp: «Theoretisch schon. Doch ohne Anleitung würden Sie kaum herausfinden, wie der <Dozer>, das schaufelartige Schild an der Front, das beim Abstellen stets abgesenkt wird, wieder angehoben wird. Sie könnten den Büffel keinen Meter bewegen.»

So endet die «Entführung» des Panzers 87 Leopard WE also im Sumpf – und ich habe gelernt: Panzerfahren ist prinzipiell keine Hexerei, aber bei Weitem auch kein Kinderspiel. Allein aufgrund der technisch bedingten Besonderheiten punkto Lenkung und Rückwärtsfahren, aber auch angesichts der schieren Grösse des Panzers ist eine gute Ausbildung zwingend. Beim Schweizer Militär wird diese im Simulator und auf der Strasse sowie im Feld durchgeführt, während rund 18 Wochen. Wer Grundausbildung, Geschicklichkeitsparcours und Prüfungsfahrt sowie die Verlegung auf Schiessplatz und Gefechtsübungsplatz erfolgreich absolviert hat, weiss dann genau: Es ist eine Herausforderung, aber auch ein grossartiges Erlebnis und ein Privileg, den stählernen Leoparden zu zähmen.

 

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