Früher war man im Krisenfall auf sich allein gestellt. Heute gibt es Hilfe – zivil, im Beruf, im Militär sowie im Dienst der Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (BORS). Wie wichtig dies ist, zeigte sich bei der 5. Internationalen Fachtagung Psychosoziale Notfallversorgung in Sursee. Im Mittelpunkt: Der Vierfachmord von Rupperswil.

© Markus Hauser/PSNVDiskutierten, was Gewaltverbrechen bei Opfern auslösen und welche Hilfe möglich ist: Dr. Gernot Brauchle, Susanne Nielen Gangwisch und Georg Metger (v. links).Diskutierten, was Gewaltverbrechen bei Opfern auslösen und welche Hilfe möglich ist: Dr. Gernot Brauchle, Susanne Nielen Gangwisch und Georg Metger (v. links).Georg Metger verlor am 21. Dezember 2015 seine Lebenspartnerin, deren beide Söhne und die Freundin eines Sohnes. In seinem Buch «für immer» hat er den Vierfachmord von Rupperswil aufgearbeitet. Er schreibt darin: «Der letzte Gedanke am Abend, der erste Gedanke am Morgen gehören noch immer Carla, Dion, Davin und Simona. Gleichzeitig finde ich länger werdende Momente der Ruhe. Auch weil ich fast alles weiss, kann ich die bleibenden Lücken akzeptieren und die tiefe Trauer ist der berechtigten Hoffnung gewichen, dass ich eines Tages abschliessen kann. Den Verlust sehe ich heute nicht mehr nur als Bedrohung, sondern als Bestandteil meiner Existenz. Er gehört zu mir, so wie Carla und die Kinder zu mir gehören. Für immer.»

Das Schreiben war für Georg Metger eine Therapie. Es war sein Weg, das Geschehene zu verarbeiten, nicht daran kaputtzugehen. Er weiss: Opferangehörige brauchen Halt und Orientierung. Sein 206-seitiges Buch soll ihnen als Leuchtturm dienen.

Am 25. Mai 2019 sprach Metger an der 5. Internationalen Fachtagung Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) auf dem Campus Sursee bei Luzern über das Erlebte. 250 Fachleute aus der Care-Team-Branche drängten sich im Saal, in dem aus Rücksicht auf die Angehörigen während der Talkrunden ein generelles Verbot von Bild- und Tonaufnahmen galt. Auch für ein Einzelgespräch mit dem Autor stand Georg Metger nicht zur Verfügung. Dennoch war sein Auftritt bewegend.

Schon am Tatort verdächtigt

In eindrücklichen Worten erzählte Metger, wie er am Montagmorgen, unmittelbar vor der Tat, seiner Lebenspartnerin Carla wie gewohnt den Kaffee ans Bett brachte – und dann das Haus verliess. Wie ihn um 11.40 Uhr sein Schwiegervater in spe anrief und drängte, er solle sofort nach Hause kommen. Das Haus brenne und die Ambulanz sei vor Ort. Wie er am Tatort erahnte, dass die Polizei ihn verdächtigte. Und wie er auf das angebotene Gespräch mit der Fachperson vom Care-Team verzichtete – da ihm schien, diese sei mit der Situation vergleichbar überfordert wie er selbst.
Auf dem Polizeiposten erhielt Metger einen Trainingsanzug. Seine Hände und Fingernägel wurden auf Russspuren untersucht – und fortan wurde er heimlich überwacht. «Ich war fassungslos, kam mir vor wie in einem Krimi», sagt der Niederlassungsleiter der Aargauischen Kantonalbank in Lenzburg. Was er nicht wusste: Er war nicht nur Auskunftsperson, sondern auch Tatverdächtiger. Im Hintergrund wurde gegen ihn eine Strafuntersuchung lanciert – von der Metger erst erfuhr, als der wahre Täter gefasst worden war.

Freude zeigen

Dann kam Metger auf das «Heute» zu sprechen. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Es gebe gute und schlechte Tage. Manchmal plage ihn das schlechte Gewissen, wenn er sich über etwas freue. Er frage sich dann stets: «Darf ich überhaupt Freude zeigen und etwa mit dem Motorrad einen Ausflug machen?» Die Antwort gibt er sich gleich selbst: «Ja, das darf ich!» Seine zwei eigenen Söhne seien ihm dabei eine grosse Stütze, fügt er an.

Der österreichische Universitätsdozent Dr. Gernot Brauchle, der den Talk mit Metger moderierte, zielte danach auf die Nachsorge: «Wie gut war die Betreuung?», fragte er. Metger ortet Optimierungspotenzial: «Ich wünschte mir eine besser funktionierende Zusammenarbeit mit dem Care-Team. Betroffene sollten sich ihre Vertrauensperson aussuchen können. Zudem wünschte ich mir ein professionelleres Coaching, wie man mit den Medien umgehen soll. Angehörige einer Tragödie sind darauf unzulänglich vorbereitet. In meinem Fall agierten die Medien wenig zimperlich und überschritten mehrfach Grenzen.»

Ermutigendes Zeichen für die Care-Team-Branche

Im anschliessenden Referat «Schnittstellen und Zusammenarbeit Care-Team – Opferhilfe» sprach Susanne Nielen Gangwisch. Die diplomierte Sozialarbeiterin und Stellenleiterin der Beratungsstelle Opferhilfe Aargau und Solothurn hatte Georg Metger während der Gerichtsverhandlung begleitet – und zeigte auf, wann die Opferhilfe für die Beratung und Begleitung der Betroffenen zuständig ist, wie ein möglicher Übergang vom Care-Team-Einsatz zur Opferhilfe aussehen kann und welche Leistungen die Opferhilfe erbringt. Zum Fall Rupperswil erklärte sie: «Es hat mich sehr beeindruckt, wie Herr Metger das Geschehene in einem Buch verarbeitet hat. Für ihn war dies der richtige Weg. Wobei es auch viele andere Wege gibt, eine solch schreckliche Tat zu verarbeiten. Manche Betroffene benötigen eine Therapie, andere nicht. Georg Metger zeigte sich verletzlich, verlor aber nie den Lebenswillen. Das ist sehr ermutigend für alle Mitarbeitenden der Care-Team-Branche.»

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