© Schweizer Luftwaffe, 2012Die Luftaufnahme zeigt schön das von der umgeleiteten Kander im Thunersee aufgeschwemmte Delta.Die Luftaufnahme zeigt schön das von der umgeleiteten Kander im Thunersee aufgeschwemmte Delta.Der Kanderdurchstich von 1713 war eigentlich ein Desaster. Dennoch hat er dazu geführt, dass die Aare in Thun zwei Arme bildet, dass das Bälliz eine Insel ist und dass auf den einst sumpfigen Kander-­Allmenden der Waffenplatz Thun ent­stehen konnte.

Der vor 306 Jahren vollzogene Kanderdurchstich war die erste Gewässerkorrektur grösseren Umfangs – und ver­änderte Land und Leben der Region nachhaltig. Vor allem gäbe es ohne ihn nicht den Waffenplatz Thun. Dessen Geschichte beginnt also eigentlich schon 1713.

Bis damals floss die Kander mitten durch die heutige Thuner Allmend und mündete gegenüber der Zulg-Mündung zwischen Thun und Uttigen in die Aare. Führten Kander und Zulg viel Wasser, begann die Aare, nahezu stillzustehen. Ihr Pegel stieg, es entstand ein flacher See, weite Teile der flachen Landschaft um Thun, Strättligen, Thierachern und Uetendorf wurden überschwemmt. Das Ackerland versumpfte, die Malaria wurde zur Plage.

Samuel Bodmer, Mühlenbesitzer, Artillerieleutnant, Feldmesser und Schlossherr von Amsoldingen, schlug 1710 vor, die Kander durch einen Graben im Strättlighügel in den Thuner­see umzuleiten. Am 1. April 1711 begann der Tagbau, doch Anfang 1712 zwang der Zweite Villmergerkrieg zur Aufgabe der Arbeiten. 1713 wurde nach Plänen von Samuel Jenner, Werkmeister am Berner Münster und Altspital­meister, der Bau eines Stollens durch den Strättlighügel begonnen. Am 12. Dezember 1713 wurde erstmals Kanderwasser direkt in den Thunersee eingeleitet. Doch die Kander spülte die Stollenfundamente fort – und im Sommer 1714 stürzte der Stollen ein. Die Kander frass sich daraufhin tief und tiefer ins lose Gestein. 1716 lag sie bereits 27 Meter unter der einstigen Stollensohle, heute sind es mehr als 50 Meter. Das vom Geschiebe gebildete Delta dient seit 1913 dem Kiesabbau.

© KanderdurchstichvereinDie vom Kanderdurchstichverein erstellte Karte zeigt den Flussverlauf vor und nach 1713.Die vom Kanderdurchstichverein erstellte Karte zeigt den Flussverlauf vor und nach 1713.Für Thun hatte der Kanderdurchstich fatale Folgen. Die Wassermenge im Thunersee stieg quasi schlagartig um 40 Prozent, weil der Abfluss der Aare viel zu gering war. Überschwemmungen der Stadt waren die Folge. 1717 wurde der Mühledamm abgebrochen – und die Aare zum reissenden Strom. 1721 wurden Traversierschwellen eingebaut, 1722 der Stadtgraben (Äussere Aare) geflutet, 1723 bis 1726 Schleusen zur Regulierung des Seespiegels gebaut. 1870 brachte der Bau des Uttigenkanals unterhalb von Thun etwas Besserung. Dennoch stand Thun immer wieder unter Wasser, besonders schlimm im Mai 1999 und im August 2005, als der Seepegel einen neuen Rekordwert erreichte. Daher wurde ein Hochwasser-Entlastungsstollen gebaut und 2009 eröffnet. Er beginnt am Ende des Schifffahrtskanals beim Bahnhof und mündet unterhalb der Altstadt wieder in die Aare.

Trocken fielen durch den Kanderdurchstich indes die einst sumpfigen Flächen entlang des alten Flussbetts. Die Allmenden wurden ab 1714 in Felder verwandelt – und für militärische Manöver genutzt. Heute sind sie Nutz- und Bauland, werden von der Autobahn durchquert und beherbergen den grössten Waffenplatz unseres Landes.

Der Waffenplatz in Thun ist wichtig für das Schweizer Militär. Er ist aber auch ein bedeutsames Naturschutzgebiet, die «grüne Lunge» der Stadt Thun und Ort zahlreicher Grossanlässe. Zudem bietet er Geschichte zum Anfassen. Der Waffenplatz als Naturpark Seit 15 Jahren (2004) ist der Waffenplatz Thun ein zertifi­zierter Naturpark. Zwar hinterlässt der Ausbildungs- und Übungsbetrieb unvermeidbare...
Das Mechanisierte Ausbildungszentrum (MAZ) in Thun ist Teil des Kommandos Waffenplatz Thun und eines der europaweit modernsten militärischen Ausbildungszentren. Ein Überblick. Das Mechanisierte Ausbildungs­zen­trum (MAZ) in Thun gehört zu den europa­weit modernsten Zentren für simulationsgestützte militärische Ausbildung. Es vereint alle für die umfassende Ausbildung von Truppen und Stäben...
1500 PS stark, gut 56 Tonnen schwer, 3,74 Meter breit und mit vorwärtsgerichteter Kanone fast 10 Meter lang. Der Panzer 87 Leopard WE ist ein Gigant. Doch wie reagiert das Monster auf ungeübte Dompteure? Gibt es sich handzahm oder zeigt es seine Krallen? Ein Selbstversuch. «Könnte ein Laie einen Panzer entführen?» Diese Frage stellte ich Stabsadjutant Markus Werren, Chef Fahrausbildung FASPA Leo...
Früher war man im Krisenfall auf sich allein gestellt. Heute gibt es Hilfe – zivil, im Beruf, im Militär sowie im Dienst der Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (BORS). Wie wichtig dies ist, zeigte sich bei der 5. Internationalen Fachtagung Psychosoziale Notfallversorgung in Sursee. Im Mittelpunkt: Der Vierfachmord von Rupperswil. Georg Metger verlor am 21. Dezember 2015 seine...
In Thun befindet sich eines von fünf landes­weiten Armeelogistikcentern (ALC). Einge­bet­tet in die Logistikbasis der Armee (LBA) ist auch die Be­triebs­feuerwehr VBS, die auf rund 130 Jahre Geschichte zurückblicken kann. Zur Logistikbasis der Armee (LBA) gehören landesweit fünf Armeelogistikcenter (ALC) in Thun, Hinwil, Grolley, Othmar­singen und Monteceneri. Die fünf ALC betreiben zum Schutz...
Der Kanderdurchstich von 1713 war eigentlich ein Desaster. Dennoch hat er dazu geführt, dass die Aare in Thun zwei Arme bildet, dass das Bälliz eine Insel ist und dass auf den einst sumpfigen Kander-­Allmenden der Waffenplatz Thun ent­stehen konnte. Der vor 306 Jahren vollzogene Kanderdurchstich war die erste Gewässerkorrektur grösseren Umfangs – und ver­änderte Land und Leben der Region...
Guillaume Henri Dufour ist eine der berühmtesten Figuren der Schweizer Geschichte. Er machte sich als Kartograf eben­so einen Namen wie als Buch­autor und – natürlich – als erster General der Armee des Schweizer Bundes­staats sowie als Gründer und erster Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes. Guillaume Henri Dufour wurde am 15. September 1787 in Konstanz geboren. Wenig später übersiedelten...
Zur Zeit der Gründung der Zentral-Militärschule Thun waren Pferde das wichtigste und leistungs­stärkste Transportmittel. Entsprechend bedeutsam waren Pferde auf dem Waffenplatz Thun. Nach der Gründung der Zentral-Mili­tär­­­schule kamen rasch immer mehr Pferde nach Thun. Anfangs wurden diese eher unstrukturiert untergebracht. Erst 1841 errichtete die Bürgergemeinde Thun im Auftrag der...
Von 1915 bis 1943 wurden in Thun von der «Abteilung Flug» der Eidgenössischen Werkstätten K+W Flugzeuge gebaut und auf dem Werksflugfeld getestet. Lange vertraute die Schweiz punkto «Luftwaffe» einzig auf die in Bern stationierten Ballontruppen. Erst 1914 wurde auf Beschluss des damaligen Bundesrats Motta in Thun mit dem Bau eines Flugfeldes begonnen und die «Abteilung Flug» von K+W ins Leben...
Diese Webseite nutzt Cookies & Analytics. Wenn Sie weiter auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.
Weitere Informationen Ok