Wenn es um Notfälle geht, zählen für Entscheidungen und Hilfestellungen Sekunden, Augenblicke, Momente. Das wissen auch die Initiatoren von Momentum, einer vom Tessiner Unternehmen DOS Group SA entwickelten Software, die helfen soll, Notfälle und Rettungsmassnahmen zu optimieren. Wir haben darüber mit Stefano Doninelli, CEO der DOS Group SA, gesprochen.

© DOS GroupSeit September 2011 ist Stefano Doninelli CEO und Gründer der DOS Group SA, die sich mit der Entwicklung von Strukturen beschäftigt, um sämtliche Bereiche von IT-Anwendungen und Hardware-Verkauf über Systemsupport bis hin zur Entwicklung von Software und mobilen Apps abzudecken. Neben seiner Rolle als CEO ist Stefano Doninelli zudem Vorsitzender der Alpinen Rettung Tessin (Soccorso Alpino Regione Ticino) sowie Capo Colonna der Stazione Zona 9.06, Mitglied des Comitato di Ticino Snowsports, des Club Alpino Svizzero (Sekt. Tessin) und Vorsitzender der Commissione del Monte San Giorgio.Seit September 2011 ist Stefano Doninelli CEO und Gründer der DOS Group SA, die sich mit der Entwicklung von Strukturen beschäftigt, um sämtliche Bereiche von IT-Anwendungen und Hardware-Verkauf über Systemsupport bis hin zur Entwicklung von Software und mobilen Apps abzudecken. Neben seiner Rolle als CEO ist Stefano Doninelli zudem Vorsitzender der Alpinen Rettung Tessin (Soccorso Alpino Regione Ticino) sowie Capo Colonna der Stazione Zona 9.06, Mitglied des Comitato di Ticino Snowsports, des Club Alpino Svizzero (Sekt. Tessin) und Vorsitzender der Commissione del Monte San Giorgio.Wie entstand Momentum?

Das Notfallmanagementsystem Momentum ging aus den vor Ort gewonnenen Erfahrungen von Leuten hervor, die tagtäglich mit der Notwendigkeit konfrontiert sind, bei Notfällen rasch und koordiniert Hilfe leisten zu müssen. Auf die Notwendigkeit eines leistungsfähigen Systems aufmerksam machte die Ticino-Cuore-Stiftung, die insbesondere bei Herzstillständen Hilfestellung bietet, um «First Responders» zu alarmieren, also Personen, die bei Notfällen als erste verständigt werden. Momentum hat in kurzer Zeit aussergewöhnliche Ergebnisse erzielt und sich zu einem echten «Ökosystem für die Abwicklung von Notfällen und Massenalarme» gemausert.

Worum handelt es sich genau?

Bei Momentum handelt es sich um eine Software, die dazu in der Lage ist, über eine Webplattform integrierte Lösungen zu bieten, sowie eine mobile Multi-System-App. Dank dieses «Ökosystems» ist es möglich, die Abwicklung von Notfällen sowie die Koordinierung zwischen Helfern zu optimieren. Momentum ist eine einzigartige und modulierbare Software, die sämtlichen Ansprüchen gerecht wird, nicht zuletzt aufgrund ihrer sich kontinuierlich weiterentwickelnden Struk­tur: weil man nie wissen kann, welcher Notfall als nächster eintritt.

Wie funktioniert Momentum?

Mithilfe von Algorithmen ist Momentum in der Lage, in Echtzeit die Verfügbarkeit des einer bestimmten Situation angemessensten Helfers festzustellen und dessen Status, Bevollmächtigungen, Aufenthaltsort und Ressourcen zu überprüfen. In erster Linie geht es dabei also darum, rasch und automatisch die richtige Person für den richtigen Ort und im richtigen Augenblick auszuwählen.

Konkret lässt sich Momentum in die Alarmsoftware jeglicher Notfallzen­trale integrieren, wodurch die den Notfall koordinierende Zentrale Zugang zur Web-Plattform erhält und – mit nur vier Klicks oder sogar ganz automatisch –über sämtliche elektronischen Hilfsmittel des autorisierten Personals hinweg einen Massenalarm auslösen kann. Die von Momentum für diesen spezifischen Notfall ausgewählten Helfer werden schliesslich mithilfe von Push-Benachrichtigungen, SMS, Sprachanrufen, E-Mail oder Pager alarmiert. Je nach Art des Notfalls und Verfügbarkeit haben Helfer die Möglichkeit, den Auftrag anzunehmen und in weiterer Folge umfassendere Informationen zu erhalten, den Einsatz abzulehnen oder aufgrund der Nichterfüllung einer der im Algorithmus festgelegten Bedingungen nicht für den Notfall ausgewählt zu werden. Gleichzeitig hat das in der Zentrale eingesetzte Personal die Möglichkeit, den Dienstantritt von autorisierten Helfern problemlos zu überprüfen und ihre Bewegungen mithilfe unterschiedlichster, in der Momentum-Software verwendeter Technologien in Echtzeit zu verfolgen.

Momentum beschränkt sich also nicht nur auf Herzstillstände.

Absolut richtig, und darin liegt auch einer der grossen Vorteile dieser Software. Der von Momentum generierte Algorithmus für die Auswahl der passenden Notfallhelfer basiert auf Parametern, die je nach Art des Bedürfnisses, des Notfalls sowie des gewünschten Notfallhelfers geändert werden können. Anders als andere Systeme, die nur über ein einziges Auswahlkriterium verfügen, ist Momentum dazu in der Lage, unterschiedlichste Parameter miteinander zu verbinden; so passt sich unser System bestmöglich an eine Gegebenheit an, namentlich einen Notfall, in der Vorhersagen häufig einfach nicht möglich sind. Vor diesem Hintergrund verfolgen wir das Ziel, die Verwendbarkeit von Momentum zu steigern und das System nicht nur für Ersthelfer, sondern auch für Spezialeinheiten der Polizeibehörden, der Sicherheitsorgane, des Zivilschutzes oder der Feuerwehr benutzbar zu machen.

Sehen wir uns ein Beispiel an. Eine grosse Kundgebung mit Tausenden Teilnehmern in einem städtischen Milieu. Wie lässt sich Momentum in dieser Situation einsetzen?

Stellen wir uns Ausschreitungen nach einem Fussballspiel vor: Dank Momentum ist die Polizeizentrale in der Lage, die in Problemzonen (z. B. nahe der Ausgänge, der Treppen etc.) eingesetzten Sicherheitskräfte in Echtzeit zu beobachten, was zu besserer Kontrolle und einer besseren Organisation der abkommandierten Polizisten am Einsatzort beiträgt.

Ich gebe Ihnen ein weiteres, wenn auch etwas düsteres Beispiel. Im Falle eines Terroranschlages, wenn es also darum geht, Notfälle unverzüglich und effizient zu bewältigen, kann Momentum einen Alarm auslösen, um den Einsatz von Spezialisten in wenigen Sekunden zu organisieren.

Und im Gesundheitsbereich? Was passiert, wenn beispielsweise einer meiner Angehörigen überraschend einen Herzinfarkt erleidet?

In Krankenhäusern kann das Pflegepersonal bei ernst zu nehmenden Ereignissen mithilfe von Momentum gerufen werden: Dank spezifischer Einstellungen kann jedes einzelne Krankenhaus mithilfe eines einzelnen Befehls sämtliche Gesundheitsdienstleister hinzuziehen, die über die für den jeweiligen Notfall angemessensten Kompetenzen verfügen. Das Pflegepersonal wird unter Verwendung verschiedenster Kommunikationskanäle benachrichtigt, was es ihnen erleichtert, entsprechend darauf zu reagieren. So wird Krankenhäusern ein deutliches Bild von den zur Verfügung stehenden Gesundheitsdienstleistern und der möglichen Einsatzdauer vermittelt. Momentum dient auch der Verwaltung der Fuhrparks im jeweiligen Gebiet: Die Rettungswagendienste verfügen auch für die Verarbeitung von Patienteninformationen über ein Ad-hoc-Instrument inklusive optimierten Navigationssysten, dank dem das Krankenhaus die Anzahl ankommender Rettungswagen sowie den Gesundheitszustand von Patienten vorab erfahren kann, was die bestmögliche Organisation von Räumen und Mitarbeitern nach sich zieht.

Das ist aber noch nicht alles: Momentum ist nicht nur als Verwaltungssystem für Einsatzkräfte und Notfälle gedacht, sondern auch als Alarmsystem für Betroffene. Falls ich oder eine Person in meiner nächsten Umgebung, wie im Beispiel beschrieben, einen Herzinfarkt erleidet, kann ich einen Alarm auslösen und die Noteinsatzkräfte verständigen.

Ist dies der Grund, warum in einigen Regionen die Überlebensrate bei Herzinfarkten deutlich höher ist als in anderen?

In der Tat, und diese positiven Ergebnisse sind zumindest teilweise auch auf Momentum zurückzuführen. Gegenwärtig zählt Momentum höchstwahrscheinlich zu den umfassendsten Systemen weltweit, was die Abwicklung von Alarmen bei Herzinfarkten anbelangt. Die App verzeichnet Rekordzahlen: Nicht umsonst nimmt das Tessin weltweit den zweiten Platz ein, was die Anzahl der geretteten Leben bei Herzinfarkten anbelangt.

© DOS GroupWas unterscheidet Momentum von einer herkömmlichen Notrufnummer?

Momentum ist in der Lage, Ressourcen und Fachkräfte einerseits individuell und andererseits schnell und koordiniert einzusetzen. Doch sollte Momentum unter keinen Umständen als Ersatz für herkömmliche Alarmkanäle betrachtet werden, sondern als deren Vervollständigung, die Zeit einspart und Leben rettet … und noch dazu günstiger ist.

Inwiefern?

Es genügt, sich zu verdeutlichen, dass Momentum ein kostenloses Paket aus einer Million Push-Benachrichtigungen pro Monat zu bieten hat, was eine deutliche Einsparung gegenüber dem Versenden einzelner SMS darstellt. Darüber hinaus handelt es sich um einen Cloud-Dienst, weshalb Updates oder Instandhaltungen wie bei einem Programm gänzlich entfallen. Vergegenwärtigen wir uns zudem die Zeitersparnis: Es ist nicht mehr notwendig, das diensthabende Personal händisch zu kontrollieren oder telefonisch zu koordinieren. Momentum ist in der Lage, die geeignetsten Personen für jedweden Notfall automatisch und ohne Verzögerung auszuwählen.

In welchen anderen Bereichen liesse sich Momentum einsetzen?

Momentum nutzt allerneueste und äusserst leistungsfähige Kommunikationstechnologien, beispielsweise LoRa, Tracking, Beacon oder GPS, was dieses System deutlich von allen anderen abhebt. Auf diese Weise lässt es sich gleich an mehreren Fronten einsetzen: Von der Überwachung von Einsatzkräften in einem Suchgebiet oder an einer Gefahrenstelle bis hin zur genauen Lokalisierung von Mannschaften bei der Suche nach vermissten Personen; denken wir nur an die Alpine Rettung oder an Hundestaffeln. Momentum verfügt über eine mobile App für Tablet, die wie eine Kommandozentrale vor Ort funktioniert und es erlaubt, Einsatzgruppen ortsunabhängig zu koordinieren, die Position einzelner Personen zu überprüfen oder deren Standort fortwährend zu aktualisieren (Tracking).

Die somit unablässig geolokalisiert werden?

Nein, Momentum ist so konzipiert, dass die Geolokalisierung erst in dem Moment aktiviert wird, in dem die Alarmbenachrichtigung eintrifft.

Welche übrigen Vorteile bietet Momentum?

Das Notfallmanagementsystem Momentum lässt sich in jedweder Situation einsetzen, in der es zu einem Notfall oder einer Katastrophe kommt, und garantiert die optimale Handhabung der Einsatzmittel sowie der Notfallhelfer, wodurch ein entscheidender Beitrag zur Rettung von Menschenleben geleistet wird.

Der EDV-Support entwickelt fortwährend neue Module, um den Anforderungen alltäglicher Ereignisse gerecht zu werden, die sich zwar nicht vorhersehen lassen, die jedoch durch das Vorhandensein nützlicher Informationen vermieden werden können.

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