© ZVGDie Brennpunktkarte zeigt, wo es zuletzt Einbrüche gegeben hat – und wo sich Hochrisikogebiete (rot eingefärbt) befinden. Die Brennpunktkarte zeigt, wo es zuletzt Einbrüche gegeben hat – und wo sich Hochrisikogebiete (rot eingefärbt) befinden. Wenn der Einbrecher ins Haus will, ist die Polizei schon da: Dr. Felix Bode vom Landes­kriminalamt Nordrhein-Westfalen erklärt, wie mithilfe einer revolutionären Prognosesoftware Tätern das Handwerk gelegt werden kann. «SKALA» macht Predictive Policing präziser.

In der Stadt Köln registriert die Polizei in «Spitzenzeiten» bis zu 200 Einbrüche pro Woche. Häufig kehren professionelle Einbrecher an ihren Tatort zurück, weil sie mit der Umgebung vertraut sind, die Fluchtwege kennen und ahnen, wo Bargeld und Schmuck zu holen sind.

Im Kampf gegen Einbrecher wird die Polizei in der bevölkerungsreichsten Stadt des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen von einem unsichtbaren Kollegen unterstützt: Eine revolutionäre Prognosesoftware macht Predictive Policing offenbar präziser. Diese vorhersagende Polizeiarbeit beruht auf der intelligenten Auswertung grosser Datenmengen und eben darauf, dass der Mensch – oder besser: der Wiederholungstäter – berechenbar ist. «Unsere Einbruchsprognosen werden immer besser», sagte Dr. Felix Bode nach seinem spannenden Referat anlässlich des 11. Schweizer Polizei-Informatik-Kongresses (SPIK) in Bern. Der deutsche Polizeibeamte war ins Stade de Suisse gekommen, um eine kriminalistische Innovation vorzustellen.

Felix Bode waltet an der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle (KKF) im Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen als wissenschaftlicher Leiter des Projekts «SKALA», eines eigenständigen Systems zur Kriminalitätsauswertung und Lageantizipation. «SKALA» basiert auf einer IBM-Software. In einem dreijährigen Pilotversuch wurde geprüft, wie gut Einbruchdiebstähle vorausgesagt werden können und ob die Effizienz und Effektivität der Polizeiarbeit gesteigert werden könnten. Ins Pilotprojekt wurden die Städte Köln, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsen­kirchen und Bonn einbezogen.

«SKALA» beschäftigt sich exemplarisch mit dem Wohnungseinbruch, seit 2017 hat es aber auch andere Delikte wie Einbruchdiebstahl aus Gewerbeobjekten und Diebstahl aus Autos auf dem Radar. Bode und sein Mitarbeiterstab implementieren «SKALA» derzeit in weiteren Polizeibehörden Nordrhein-Westfalens.

Algorithmen legen Hotspots fest

«SKALA» überwacht im Bundesland Nordrhein-Westfalen insgesamt 3991 Wohnquartiere – ein Wohnquartier besteht gewöhnlich aus 400 bis 500 Haushalten. Jeden Montagmorgen bekommen die zuständigen Polizeibehörden von der Einsatzleitung Pläne geliefert, auf denen jene Quartiere markiert sind, wo die Wahrscheinlichkeit für Einbrüche besonders gross sein soll. Mustererkennende Algorithmen legen diese Hotspots fest. Sie werden nach verschiedenen Kriterien berechnet.

Einerseits nutzt «SKALA» den Near-Repeat-Ansatz, also das Phänomen, dass Straftäter in regelmässigen Abständen an frühere Tatorte zurückkehren. Zu diesen Einbruchsserien gibt es eine britische Studie des Jill Dando Institute of Security and Crime Science. Sie besagt, dass Folgetaten nach zwei, sieben und 28 Tagen in einem Umkreis von 400 Metern auftreten können. Nun kommt die smarte Prognosesoftware als Frühwarnsystem ins Spiel: Sie kann Polizeirapporte durchforschen, womöglich bestimmte Handlungsmuster erkennen –
und Alarm schlagen.

Nebst Erfassung und Kategorisierung vergangener Einbrüche lässt «SKALA» zusätzliche Einflussvariablen in die Einbruchsprognosen einfliessen – frei verfügbare, statistische Daten zur Einwohnerstruktur, Gebäudestruktur, Verkehrsanbindung, Kaufkraft des Eigentümers oder Mieters (beispielsweise anhand der Automarke) und Mobilität.

Diese Daten sind ausschliesslich für den polizeiinternen Gebrauch bestimmt. Durch diese zusätzlich erhobenen Daten unterscheidet sich «SKALA» von der Prognosesoftware PRECOBS (Pre Crime Observation System), mit der unter anderem die Stadtpolizei Zürich sowie die Kantonspolizeien von Aargau und Basel-Landschaft gegen den Wohnungseinbruch vorgehen. Inwiefern PRECOBS zu den sinkenden Einbruchszahlen auf Zürcher Stadtgebiet (2012: 6031; 2016: 2470) beigetragen hat, lässt sich bisher noch nicht genau eruieren.

Fortschritte bei den Einbruchsprognosen

In Deutschland sorgt «SKALA» dafür, dass die Polizei ihre Präsenz in den Brennpunkten verstärkt und vermehrt durch potenziell gefährdete Quartiere patrouilliert. Dabei sucht sie das Gespräch mit den Anwohnern, um Verdächtiges zu erfahren. Die Polizei erteilt den Bewohnern auch Ratschläge, wie sie ihr Haus oder ihre Wohnung bestmöglich gegen Einbruch sichern können.
Die Qualität der Vorhersagen steigt. So viel lässt sich nach dem Pilotprojekt festhalten. Wobei: Wie kann die Polizei etwas messen, wenn sie den Wohnungseinbruch gleich selbst verhindert? Felix Bode: «Im Durchschnitt hat jedes Wohnquartier eine Grundwahrscheinlichkeit von drei bis fünf Prozent, dass es dort zu einem Wohnungseinbruch kommt. Am Anfang des Projektes prognostizierten wir in besonders gefährdeten Quartieren jeweils eine Gefährdung von zehn bis zwölf Prozent. Inzwischen ist diese Zahl auf 20 bis 25 Prozent gestiegen. Das bedeutet: Wir haben in der Berechnung der Einbruchsprognosen dank besseren Modellen Fortschritte gemacht.» Selbstverständlich senkt «SKALA» die Zahl der Einbrüche nicht, denn es lässt sich nicht messen, was nicht geschieht.

Aber: Das System steuert und fokussiert die Prävention. Wie ausgeführt: Die Polizei verstärkt ihre Präsenz in den Brennpunkten, patrouilliert dort vermehrt, sucht das Gespräch.

Vergleichen lassen sich die Modelle unterschiedlicher Hersteller im Übrigen nicht, da die geografische Bezugsgrösse (Wohnquartiere oder Raster unterschiedlichen Ausmasses) stets verschieden ist und sich dadurch die Wahrscheinlichkeiten auch erheblich unterscheiden können.

Auf dem Land ist es sicherer als in den Städten

In ländlichen Regionen würden laut Bode wegen der tieferen Besiedelungsdichte deutlich weniger Wohnungseinbrüche verübt als in einer Stadt:. «Die Beschaffungskriminalität macht eine Vielzahl der Einbrüche aus. Die Diebe schlagen gewöhnlich in sozialen Brennpunkten zu, aber auch an stark frequentierten öffentlichen Plätzen.»

«SKALA» eigne sich bei der Vorhersage von Straftaten dann besonders gut, wenn die meist professionellen Täter erst eine Risikoanalyse vornehmen und so den Tatort bestimmen, meint Felix Bode. Einem Gelegenheitsdieb das Handwerk zu legen, sei bedeutend schwieriger.

Die Einbruchsprognose soll nun automatisiert werden. «Wir wollen die Daten in die Tablets der Polizeibeamten integrieren. Wenn eine Anzeige aufgenommen wird, muss sie direkte Auswirkungen auf die aktuelle Prognoseerstellung haben und die ‹Brennpunkt-Karte› laufend verändern», so Bode.

Auf die Frage, ob es denn einen besten Schutz gegen Einbrecher gebe, antwortet er: «Eine Kombination aus Smart Home, technischen Sicherungsmassnahmen und eine gute, aufmerksame Nachbarschaft können Einbrecher abschrecken. Einen hundertprozentigen Schutz vor Einbruch gibt es nicht.»

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