In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) wurde im Rahmen des 11. SPIK in Bern umfassend über die Zukunft der Kommunikation mit Blaulichtorganisationen diskutiert. Die Referenten waren sich einig: Die Bedeutung der Datenkommunikation nimmt stark zu. Für eine optimale Lösung müssten alle Akteure zusammenarbeiten, sagte Peter Wüthrich, Chef Infrastrukturen des BABS. Am zweitägigen Kongress wurden ausserdem die neuesten Innovationen in der Polizeiinformatik präsentiert.

© Sascha HähniExpertenrunde: Dr. Iwan Schnyder, Ulrich Borch, Sanne Stijve, Moderator Mark Saxer, Peter Wüthrich, Raphael Aeber­sold und Martin Tanner (von links) diskutieren über die mobile Breitbandkommunikation für die Blaulicht­organisationen.Expertenrunde: Dr. Iwan Schnyder, Ulrich Borch, Sanne Stijve, Moderator Mark Saxer, Peter Wüthrich, Raphael Aeber­sold und Martin Tanner (von links) diskutieren über die mobile Breitbandkommunikation für die Blaulicht­organisationen.Die priorisierte Datenkommunikation stand im Mittelpunkt des ersten Tages des 11. Schweizer Polizei-Informatik-Kongresses (SPIK) in Bern. Peter Wüth­rich, Chef Infrastrukturen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS), wünschte sich in seinem Eingangsvotum zum Thema mobile Sicherheitskommunikation (MSK), dass auch im Bereich der sicheren Mobilkommunikation ein digitaler «Rettungskorridor» existierte – wie heute für die Blaulichtorganisationen der Pannenstreifen auf der Auto­bahn.

«Bandbreite jederzeit und überall», sagte Wüthrich. Um anzufügen: «Wir müssen zusätzlich zu den Netzen der Mobilfunkanbieter weitere Basisstationen – zum Beispiel im Grenzraum – zuschalten und uns über National Roaming mit allen Telcos verbinden können.» Wüthrich gab sich überzeugt, dass eine Zusammenarbeit zwischen allen Interessengruppen der Schlüssel zum Erfolg sei.

Sanne Stijve (LTE-/5G-Spezialist für Industrien & Behörden, Ericsson), Raphael Aebersold (Head of Public Safety Communication, Swisscom Broadcast), Thomas Breu (Leiter ICT Kapo SG), Dr. Iwan Schnyder (Business Development Axpo WZ-Systems) und Ulrich Borch (Global Head of Strategy Public Sector and Defense, Nokia) zeigten in spannenden Vorträgen, dass ihre Unternehmen fit sind für die 5G-Technologie und den Bedürfnissen der Blaulichtorganisationen in naher Zukunft entsprechen können.

© Sascha HähniDr. Thomas Beer zeigt die heutigen Möglichkeiten der Satelliten-gestützten Erdbeobachtung der ESA auf. Dr. Thomas Beer zeigt die heutigen Möglichkeiten der Satelliten-gestützten Erdbeobachtung der ESA auf. Copernicus verändert die Welt

Eröffnet wurde der SPIK im Stade de Suisse von Dr. Thomas Beer, Koordinator Politik bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Der Referent zeigte, wie sich das Weltbild – und damit die Welt – mit den Möglichkeiten des satellitengestützten Erdbeobachtungsprogramms Copernicus verändert hat. Miteinbezogen wurde auch die Unterstützung mit Bild- und Datenmaterial für die Einsatzorganisationen im Fall von Naturkatastrophen, Epidemien und humanitärer Not.

Interessant war das Referat von Renato Krpoun, Chef Swiss Space Office. In seinem Vortrag ging es um die neuesten Entwicklungen und den Zusammenhang zwischen Digitalisierung, Raumfahrt – und die vielfältigen neuen Möglichkeiten für die Polizei und andere Blaulichtorganisationen.

Satelliten würden längst nicht mehr nur Fernseh- und Wetterbilder liefern, sagte Krpoun. Der Wunsch nach ununterbrochener Verbindung, Präzisionsnavigation oder zeitnahen Informationen über den Planeten Erde sei bereits heute starker Treiber in der Entwicklung des Raumfahrtsektors.

«Telekommunikationssatelliten entwickeln sich dabei verstärkt zu Datenverarbeitungssystemen, die Punkt-zu-Punktbreitbandverbindungen anbieten, unter anderem für kritische Kommunikationsbedürfnisse», sagte Krpoun. Dank des zukünftigen Austausches von quantenkryptographischen Schlüsseln über weltraumbasierte Systeme dürfte die Cyber-Sicherheit verbessert werden, meinte Krpoun zum Abschluss seines Referats.

© Sascha HähniAufmerksame Zuhörer: Am 11. SPIK informieren sich insgesamt über 750 Vertreter aus Polizei und Wirtschaft, IT-Experten verschiedener Branchen und Teilnehmer aus der Politik über die neuesten Trends.Aufmerksame Zuhörer: Am 11. SPIK informieren sich insgesamt über 750 Vertreter aus Polizei und Wirtschaft, IT-Experten verschiedener Branchen und Teilnehmer aus der Politik über die neuesten Trends.Bondo: Polycom-Funknetz bewährte sich bestens

Abgeschlossen wurde der erste Tag von Patrick Brunold, stv. Chef kantonaler Führungsstab Graubünden. Er führte den Anwesenden noch einmal den Bergsturz in Bondo vor Augen. Im August 2017 kam es am Piz Cengalo zu einer der grössten Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte. Unmittelbar nach dem Bergsturz leitete die Kantonspolizei den Ersteinsatz mit allen Bevölkerungsschutzpartnern über Polycom, das flächendeckende Sicherheitsfunknetz der Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (BORS). «Wer führen will, muss kommunizieren können», sagte Brunold. Und fügte an: «In der Ereignisbewältigung stand von Beginn weg das Polycom-Funknetz im Einsatz – es bewährt sich seither bestens.»

Bodycam hat deeskalierende Wirkung

Am zweiten Kongresstag zog das Referat «Bodycams: Erfahrungsbericht aus Zürich» viele Interessierte in seinen Bann. Hauptmann Markus Hollenstein, Chef Sonderkommissariat und Daniel Hänni, Chef Informatik, Stadtpolizei Zürich, referierten über ihre praktischen Erfahrungen mit der Bodycam, die seit Februar 2017 zum Einsatz kommt.

Hollensteins persönliches Fazit: Die von polizeilichen Einsatzkräften sichtbar getragene Videokamera habe im Kampf gegen Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber der Stadtpolizei eine deeskalierende Wirkung. Demnächst werden die Resultate des Pilotversuchs, der unter anderem von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) begleitet wurde, veröffentlicht.

Einer weiterer Höhepunkte was der Vortrag «Internationale Krisenvorhersage mittels Machine Learning», gehalten von einem Referenten des Auswärtigem Amt (Deutschland) und SAP Schweiz. Rechtzeitiges Erkennen krisenhafter Entwicklungen und frühes, entschiedenes Handeln seien Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aussenpolitik, sagten die Referenten. Aus diesem Grund wurde der Ausbau von Frühwarnmechanismen als Kernziel definiert. Gleichzeitig stünden wir vor der Herausforderung einer ständig ansteigenden Masse an Daten und Informationen. Noch würde zu viel Zeit für Recherche und Informationsaufbereitung verwendet, zu wenig aber für Analyse und Strategieformulierung.

Chatbot als Verstärkung

Ein Blick noch auf den Vortrag zu  «MARTIN – ein ELCA-Chatbot als zuverlässiger Begleiter für Polizisten im Einsatz». Polizisten müssen während ihres Einsatzes eine Vielzahl von Rechtsvorschriften und Polizeirichtlinien einhalten. Dies führe dazu, dass sie für rechtliche Informationen auf ein Handbuch – in Papierform oder als PDF –
 zurückgreifen müssten.

Im Vortrag wurde gezeigt, wie Informationen zum Vorgehen auf strukturierte und mühelose Weise mit MARTIN – einem Chatbot als mobile App – zugänglich gemacht werden können. Die Unterstützung durch MARTIN könne entweder via Spracherkennung oder durch die Auswahl der Verfahrensschritte auf dem Touchscreen angefordert werden.

© Thomas UlrichBerge versetzen: Vertrauen ist die Basis von Seilschaften. Berge versetzen: Vertrauen ist die Basis von Seilschaften.

 

Als krönender Abschluss des SPIK spannte Thomas Ulrich einen Bogen zwischen Abenteuer und Polizeiarbeit. Der Abenteurer und Extremfotograf aus dem Berner Oberland fand zwischen einer funktionierenden Seilschaft am Berg und der täglichen Arbeit von Polizisten erstaunliche Parallelen: Jede grosse Leistung beginne mit der Entscheidung, es zu versuchen, sagte Thomas Ulrich.

Am 11. SPIK nahmen insgesamt über 750 Vertreter aus Polizei, Wirtschaft und Politik sowie IT-Experten verschiedener Branchen teil – um sich auszutauschen und Trends zu diskutieren. Der jährliche Anlass ist die nationale Plattform für den Erfahrungsaustausch zu den Themen Polizeiinformatik und Bekämpfung von Cybercrime. Neben den 29 Referaten konnten sich die Teilnehmenden an 25 Messeständen vom praktischen Nutzen der präsentierten Lösungen überzeugen.

Über SPIK

SPIK ist die nationale Plattform für den Erfahrungsaustausch zu den Themen Polizeiinformatik, Führungs- und Einsatzkommunikation sowie Bekämpfung von Cybercrime. SPIK richtet sich ebenso an Informatiker und Führungskräfte aller Polizeikorps wie auch an die Informations- und Kommunikations-industrie (IKT/ICT), die Wirtschaft und die Politik. Ziel des jährlich stattfindenden Kongresses ist es, die Involvierten mit neuen Ideen, Entwicklungen und Produkten vertraut zu machen. Veranstaltet wird SPIK vom Verein Swiss Police ICT. Dieser strebt danach, feste Brücken zu den Polizeigremien zu bauen, steht aber selbst nicht für «die Polizei», sondern ist ein privater Verein, welcher Polizei und Industrie vernetzt.

Ende 2018 haben die EU-Botschafter einen Rechtsakt zur Cybersicherheit gebilligt. Dieser sieht vor, eine ständige EU-Agentur für Cybersicherheit zu schaffen und eine EU-weite Zertifizierung für Cybersecurity zu lancieren. Die von der EU für das Jahr 2017 erhobenen Statistiken zur Häufigkeit und den Auswirkungen von Cybercrime haben Brüssel aufgeschreckt. Laut Erhebungen hat sich die Zahl der...
Am 3. und 4. April 2019 findet in Bern zum zwölften Mal der Schweizer Polizei-Informatik-Kongress (SPIK) statt. Die Organisatoren erwarten erneut einen grossen Zulauf. Wir haben mit Daniel Hänni, Initiant und Leiter des Kongresses, über die Gründe für das ungebrochen hohe Interesse gesprochen. Herr Hänni, Sie sind der geistige Vater des Schweizer Polizei-Informatik-Kongresses (SPIK), haben...
Der Schweizer Polizei-Informatik-Kongress (SPIK) zielt auf Austausch und Vernetzung. Bisweilen werden dort aber auch klare Forderungen geäussert, die Anlass geben, die Dinge anzupacken. Das zeigt sich beispielhaft am Programm Harmonisierung Polizeiinformatik (HPi). Neun Jahre sind ins Land gezogen, seit der Berner Regierungspräsident und Polizeidirektor Hans-Jürg Käser im Rahmen seiner...
Digitalisierung beschert viele Vorteile – auch für Kriminelle. Sie agieren grenzen­los, hebeln die Regeln unserer historisch vor allem durch Grenzen definierten Welt gnadenlos aus. Die Gesetzgebung ist gefordert – national wie international. Die Digitalisierung verändert die Gesell­schaft, unser Leben. Mehr als wir haben Kriminelle gelernt, die Vorteile der Digitalisierung für ihre Zwecke zu...
Liechtenstein verfügt seit Ende 2018 über eine eigene Rettungshelikopterbasis. Die AP3 Luftrettung hat dort am 19. Dezember den Helikopter «Christoph Liechtenstein» in Dienst gestellt. Dieser steht seither während 24 Stunden täglich für Einsätze bereit. Mit der neuen Basis im liechtensteinischen Balzers weitet die AP3 Luftrettung ihr Einsatzgebiet auf Liechtenstein aus – und verstärkt so gezielt...
Der Rettungsdienst und die Feuerwehr von Schutz & Rettung Zürich haben 2018 gesamthaft 43’551 Einsätze geleistet. Die Einsatzleitzentrale nahm über die Notrufnummern 144 und 118 insgesamt 134’034 Anrufe aus den angeschlossenen Kantonen Zürich, Schaffhausen, Schwyz und Zug entgegen. Der Rettungsdienst von Schutz & Rettung Zürich rückte vergangenes Jahr 37’952 Mal aus. 28’141 Einsätze (74 %)...
Ob als Notärztin, Rettungssanitäterin, Krankenschwester, Polizeibeamtin oder Feuerwehrfrau – die bald 60 Jahre alte Amerikanerin Barbara Millicent Roberts alias Barbie macht bei jeder Blaulichtorganisation eine gute Figur. Mit eingeschaltetem Blaulicht fährt der Krankenwagen zur Unfallstelle. Am Einsatzort übernimmt die Notärztin die Erstversorgung des Patienten. Eine Rettungssanitäterin hilft...
«Biwak#23 – Die weisse Gefahr: Umgang mit Lawinen in der Schweiz» lautet der Titel einer aktuellen Ausstellung im Alpinen Museum der Schweiz. Diese dauert noch bis 21. April 2019 und hat es in sich. Kaum ein Land hat den Lawinenschutz so weit entwickelt wie die Schweiz. Die Ausstellung «Biwak#23 – Die weisse Gefahr: Umgang mit Lawinen in der Schweiz» im Alpinen Museum der Schweiz in Bern gibt...
Zum Jahresstart 2019 hat die Rega 50 Prozent der Anteile am Schweizer Institut für Rettungsmedizin SIRMED, einer Tochtergesellschaft der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, übernommen. Durch die gleich beteiligte Kooperation der beiden grössten Gönnerorganisationen der Schweiz sollen im Bereich der Aus-, Fort- und Weiter­bildung in der Notfall- und Rettungsmedizin Synergien genutzt und neue...
Diese Webseite nutzt Cookies & Analytics. Wenn Sie weiter auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.
Weitere Informationen Ok