Die Breitbandkommunikation wird mit den Mobilfunknetzen der nächsten Generation auf Geräte- und Anwendungsseite neuen Schub bekommen. Davon gehen jedenfalls 5G-Pioniere aus. Der Polizei ist etwa Verfügbarkeit wichtiger.

© shutterstock.com / 716107921In der Schweiz laufen bereits Test­installationen in ersten Unternehmen, bei denen für Logistik- und Fabrikationsprozesse auf die nächste, fünfte Generation des Mobilfunks (5G) gesetzt wird. Insbesondere die Swisscom pusht die neue Technologie und will noch in diesem Jahr an ausgewählten Standorten 5G einführen.

Im Vergleich zu den bestehenden Infrastrukturen werden in den derartig ausgebauten Netzen höhere Geschwindigkeiten beim Datentransport, höhere Kapazitäten beim Datendurchsatz und kürzere Reaktionszeiten in der Kommunikation versprochen.

So sollen auf der 5G-Basis neue Anwendungen möglich werden und unter anderem Geräte mit Sensoren ausgestattet werden können, um beispielsweise in Echtzeit miteinander zu kommunizieren. Von der Wirtschaft über die Wissenschaft bis zu Industrie und Privatkunden sollen ganz neue Geschäftsmodelle nutzbar werden. Kurz gesagt: 5G soll zum Betriebssystem der Digitalisierung von morgen werden.

Derzeit läuft in der Schweiz allerdings noch der politische Prozess, der die schnelle Einführung vorantreibt. Doch während der Bundesrat die dafür nötigen Grenzwerte der Antenneninfrastruktur erhöhen und entsprechend anpassen will, herrscht angesichts des vorgelegten Tempos Skepsis in der Politik und bei den Strahlenschützern. So hat zuletzt die ständerätliche Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen nur knapp einer Motion zugestimmt, die die strikten Strahlenschutzwerte lockern will, um einen «Kollaps der Mobilfunknetze verhindern und Anschluss an die Digitalisierung sicherstellen» zu können.

Das Büronetzwerk der Polizei wächst schon lange an die Front

Fragt man bei der Polizei nach, zeigt sich klar, dass 5G bei ihr kein Thema ist. So sagt etwa Thomas Breu, IT-Leiter der Kantonspolizei St. Gallen, 4G oder 5G sei nicht die entscheidende Frage für die Polizei. «Viel wichtiger sind die Verfügbarkeit (Abdeckung) sowie die Stabilität der Datenverbindungen in unserem Einsatzraum», fügt er an. 5G-Anwendungen seien keine im Einsatz. Ohnehin, so Breu weiter, sei die Entwicklung hin zu 5G-Netzen «aus unserer Sicht eine Evolution, welche die Telekom-Provider in die Ausgestaltung ihrer Services einfliessen lassen werden».

Und die St. Galler Kapo steht mit der Einschätzung nicht allein. Auch Martin Tanner, Leiter Systemtechnik bei der Stadtpolizei Zürich, spricht von «einer Evolution des bestehenden 3G- respektive 4G-Netzes zu 5G».

Es verwundert angesichts des derzeit noch frühen Stands der Technik nicht, wenn in Zürich ebenfalls noch keine 5G-Anwendungen genannt werden. Das heisst allerdings nicht, dass in den Stapos oder Kapos nicht schon breitbandig gearbeitet wird. Tanner führt aus, dass die Stapo Zürich schon «seit über zehn Jahren mobile Datenkommunikation in verschiedenen Streifen- und Patrouillenwagen» betreibt.
Damit werde der permanente Zugang zum Einsatzleitsystem sichergestellt und den Einsatzkräften vor Ort ermöglicht, in Echtzeit Informationen zu senden und zu erhalten. «Mit dem Einsatz von iPhone und iPad ist das mobile Angebot erweitert worden und ermöglicht unter anderem, Personenangaben zu prüfen, Halter-, Lenker- oder Fahrzeugdaten am Einsatzort zu kontrollieren», konkretisiert Tanner.

Und auch Breu führt aus, dass die Kapo St. Gallen verschiedene Technologien nutzt, um das «Büronetzwerk» an den Ereignis- respektive Arbeitsort der Polizisten zu verlängern. Er verweist beispielsweise auf die Vernetzung hinein in Unfallwagen oder Einsatzleitfahrzeugen. «Ab Juni 2018 werden die Frontmitarbeiter ein WLAN im Umkreis ihrer Einsatzfahrzeuge nutzen können», schiebt er nach.

«Mit dieser Verbindung wird das Arbeiten analog den technischen Möglichkeiten im Büro erfolgen», so Breu weiter. Generell stünden für die Datenverbindungen hauptsächlich 4G-Netze im Einsatz. Erst im März habe man eine Datenverbindung über den Polycom-Backbone erstellt und den Versuch gemeinsam mit BLUnet von Axpo WZ-System auch kürzlich am SPIK 2018 vorgestellt.

Die Stapo Zürich führt Tanner aus, wickle derzeit den Sprachverkehr über Polycom ab, das nationale Funksystem der Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (BORS), auf Basis von Tetrapol. «Der Datenverkehr führt heute über die öffentlichen mobilen Telekommunikationsprovider der Schweiz und nutzt die verfügbaren Technologien.» Wobei auch Tanner anfügt, dass «in der Stadt Zürich je nach Standort städtische WLAN-Hotspots genutzt» würden.

Verfügbarkeit und Stabilität im Fokus

Fragt man die IT-Spezialisten nach der Zukunft von 5G-Netzen bei ihren Polizeien, sind sie sich einig: «4G oder 5G ist nicht entscheidend, Verfügbarkeit und Stabilität sind die wichtigeren Kriterien», so Breu.

Und Tanner, der ebenfalls die Verfügbarkeit als zentrales Element hervorhebt, ergänzt, dass die Antwort vom Angebot der Provider abhänge. Für ihn ist klar: «Sobald die Technologie angeboten wird und Endgeräte zur Verfügung stehen, können die Möglichkeiten von 5G genutzt werden.» Wichtig sei jedoch, «dass die BORS einen priorisierten Service mit guter Abdeckung, hohe Verfügbarkeit und gesicherten Datendurchsatz zur Verfügung haben», unterstreicht er noch einmal die wichtigsten Kriterien.

Breu wagt einen Blick in die Zukunft. Konkrete 5G-getriebene Entwicklungen sieht er beispielsweise bei den Akku-Laufzeiten der Endgeräte. Die werden sich verlängern und damit die Einsatzzeiten optimieren. Zudem würden über die Erschliessung des Internets der Dinge noch mehr Daten für die Ermittlung und Aufklärung verfügbar sein. Schliesslich verweist Breu noch auf das Thema der intelligenten Mobilität, die das Fahrverhalten sowie die Unfallbearbeitung verändern werden.

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