© https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ABundeshaus_Bern_2009%2C_Flooffy.jpgZur Realisierung von neuen drahtgebundenen und mobilen Kommunikationsnetzen für die Daten der Blaulichtorganisationen hat der Bund die Diskussion eröffnet.

Im Rahmen der Totalrevision des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes (BZG) hat der Bundesrat im vergangenen Dezember die Vernehmlassung gestartet. Sie läuft bis Ende März, es geht um eine Modernisierung.

Angestrebt wird, das BZG gezielter auf die heutigen Gefahren und Risiken auszurichten. Denn «in den letzten Jahren haben sich die Bedrohungen und Gefahren für die Schweiz verändert; Terrorismus, Cyberattacken, Stromausfälle oder Pandemien sind aktueller geworden», heisst es aus dem Bundeshaus. Damit wird unter anderem auf die Erfahrungen aus der Sicherheitsverbundsübung von 2014, allgemein als SVU 2014 bekannt, angespielt. Hatten sich damals doch gravierende Probleme bei einer lang anhaltenden Strommangellage gezeigt.

Ein sicheres nationales Datenverbundsystem

Ein wichtiges Element dieser Gesetzes­revision fokussiert auf den Aufbau eines nationalen sicheren Datenverbundsystems. Analog zum seit fast 18 Jahren bestehenden und bewährten sicheren Kommunikationsnetz Polycom hat es den Datenaustausch in Krisenzeiten zwischen allen beteiligten Stellen sicherzustellen.

Bekanntlich adressiert Polycom Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (BORS), zudem einzelne Bundesämter oder auch Kernkraftwerke und die Rettungsflugwacht (Rega). An sie richten sich auch die sicheren künftigen Kommunikationsnetze. Sie umfassen für die drahtlose Breitbandkommunikation (dBBK) ein System für die mobile Hochverfügbarkeit der Breitbanddienste, ein gegen Stromausfall und Cyberangriffe gesichertes Festnetz auf Glasfaserbasis namens sicheres Datenverbundnetz (SDVN) sowie ein fürs SDVN benötigtes Datenzugangssystem namens Polydata.

Der nun vorliegende «Bericht zur Zukunft der Alarmierungs- und Telekommunikationssysteme für den Bevölkerungsschutz» zeigt, worum es sowohl bei der mobilen als auch bei der Festnetzkommunikation geht. Zwar habe sich «das flächendeckende Sicherheitsfunknetz Polycom bei den taktischen Einsatzkräften im Alltag und im Ereignisfall bewährt, doch in Ballungszentren oder bei Grossereignissen bestehe Bedarf nach einer mobilen drahtlosen Breitbandkommunikation (dBBK), um die Sicherheits-, Schutz- und Rettungseinsätze zu koordinieren und durchzuführen.»


SDNV und Polydata werden sehr viel leisten müssen

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In Sachen SDVN hingegen soll mit der neuen Lösung die «Vernetzung zwischen den Bundesstellen, Kantonen und Betreibern von kritischen Infrastrukturen breitbandig auch im Fall einer länger andauernden Strommangellage, bei Stromausfall oder beim Ausfall der Kommunikationsnetze während mindestens zweier Wochen» sichergestellt werden.

Aus diesem Grund «werden bei der Planung insbesondere diejenigen Netzin­frastrukturen in die Konzeption miteinbezogen, die bereits dieser Anforderung genügen», heisst es weiter. Es handle sich um «isolierte logische Netze ohne jegliche Übergänge ins Internet oder andere IP-Netze», um zum Beispiel die «Sicherheit gegenüber Cyberangriffen signifikant» zu steigern. Kurz zusammengefasst heisst es, «auf dem SDVN können in Kombination mit Polydata alle bevölkerungsschutzrelevanten Applikationen (bestehende und zukünftig entwickelte) in allen Lagen sicher betrieben werden.»

Bei den drei Elementen, dBBK, SDVN und Polydata, soll, wenn es nach dem BABS geht, 2020 mit dem Aufbau begonnen werden. Allerdings ist zurzeit noch nicht festgelegt, wann das Parlament über die erforderlichen Gesetzesänderungen beziehungsweise Finanzierungsvorlagen beschliessen wird.


Monopole sind zu vermeiden

In die Diskussion ist die Umsetzung dieses durchaus anspruchsvollen Vorhabens nicht zuletzt deshalb gekommen, weil das mit dem dBBK vergleichbare Polycom technologisch in der Monopolfalle steckt. Es ist an einen Lieferanten gebunden und wird nach 30-jähriger Laufzeit mehr als 3,5 Milliarden Franken von Bund und Kantonen verschlungen haben. Ausserdem ist für die rund 55'000 Anwender des Sprachfunknetzes eine Infrastruktur mit rund 750 Funkmasten und eigenem Frequenzband aufgebaut worden.

Für das dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unterstellte BABS sind die von uns geschätzten Gesamtkosten zwar nicht nachvollziehbar. Doch ist laut dem BABS klar, dass beim künftigen dBBK eine Abhängigkeit wie bei Polycom nicht bestehen darf. «Wir wollen weg von einer Monopolsituation», betont BABS-Direktor Benno Bühlmann. Gleichwohl habe wie beim bewährten Polycom immer zu gelten, dass – bei aller Offenheit für das technisch Mögliche – die Sicherheit für die Bevölkerung in Notlagen garantiert werden kann, unterstreicht Bühlmann den Anspruch des BABS.


Die möglichen dBBK-Szenarien: ohne neues Netz?© shutterstock.com / 105837197

Um zu zeigen, wie das künftige mobile Netz konkret umgesetzt werden kann, stellt der Bericht drei Varianten zur Diskussion. Dabei geht man davon aus, dass moderne Übertragungstechnologien die Entwicklung kundengerechter BORS-Lösungen auf der Basis bestehender öffentlicher Mobilfunkinfrastrukturen ermöglichen.

Interessant ist, dass das BABS zwar festhält, kommerzielle Angebote seien auf dem Markt verfügbar, die ohne zusätzlichen Frequenzbedarf auskommen, doch gleichwohl darauf hinweist, seitens des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) seien «für allfällige, darüber hinausgehende Nutzungen Frequenzressourcen zugunsten der BORS reserviert» worden. Laut Bericht basiert «dieser Ansatz für eine drahtlose Breitbandkommunikation auf einer Einigung zwischen den BORS, dem BABS, der Führungsunterstützungsbasis (FUB) und dem Bakom und wird im Nationalen Frequenzzuweisungsplan (NaFZ) der Schweiz ausgewiesen.»

Gleichwohl geht die erste Variante von einem öffentlichen Betreiber mit kommerziellen BORS-Produkten aus. Mit ihm wäre also kein neues Netz zu bauen, sondern lediglich ein Vertrag abzuschliessen. Falls die Abdeckung nicht erschlossener Gebiete nötig sei, könne das vertraglich geregelt werden. Bei dieser Version würden seitens BORS keine zusätzlichen Frequenzspektren benötigt. Vorausgesetzt wird hier wie in den folgenden zwei Varianten jeweils, dass das Netz gegen die Verletzlichkeit von Stromausfällen und Cyberattacken gehärtet ist, also autonom stromversorgt und priorisiert werden kann.

Ein BORS-Kernnetz? Oder ein teilgehärtetes?

Die zweite Variante sieht den gemeinsamen Betrieb privater Mobilfunkanbieter mit dem BORS-Kernnetz vor. Demnach betreiben die BORS ein eigenes Kernnetz, wobei sie für die Funknutzung mit einem öffentlichen Mobilfunkanbieter zusammenarbeiten. Das ist laut BABS in unterschiedlichen Ausgestaltungsformen denkbar.

Zudem besteht die Möglichkeit, mittels zusätzlich für BORS reservierter Frequenzressourcen, genannt werden 2 x 3 und 2 x 5 MHz, komplementäre Bedürfnisse zu realisieren. «Solche zusätzlichen Standorte lassen sich in die bestehende Netzinfrastruktur der Mobilfunkbetreiber einbinden», heisst es dazu. Die Verwaltung der Endgeräte und Applikationen und der damit verbundenen Sicherheitsaspekte bliebe jedoch in den Händen der BORS.

Schliesslich wird noch die Möglichkeit eines kommerziellen Betreibers mit teilgehärtetem Netz als Variante vorgeschlagen. Hierbei würde ein Teil der Infrastruktur eines kommerziellen Mobilfunkanbieters durch finanzielle und materielle Unterstützung von Bund, Kantonen und Dritten gehärtet und priorisiert, sodass die Resilienz seines Netzes erheblich verbessert würde. Diese Variante könnte skalierbar aufgebaut werden.

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