© zVgJedes «Kristallschiessen» startet mit der gemeinsamen Entladekontrolle.Jedes «Kristallschiessen» startet mit der gemeinsamen Entladekontrolle.Im September fand in der Zentralschweiz die 20. Auflage des behördlichen Waffenträgern vorbehaltenen dynamischen Schiesswett­kampfs «Kristallschiessen» statt – mit leicht angepasstem Reglement und einem unerwarteten Sieg.

Anno 2003 lancierte Matthias Jurt, damals Ausbildner bei der Polizei, das «Kristallschiessen». Seine Vision lautete: Wir machen das dynamische Verteidigungsschiessen – zu jener Zeit noch weitgehend unbekannt, heute als «IPSC» eine weltweit beliebte Spielart des sportlichen Schiessens –
bei behördlichen Waffenträgern «salonfähig».

Als bei der Erstauflage vor 20 Jahren 47 Angehörige nationaler Polizeikorps in der Kiesgrube des DSV 357 im luzernischen Eschenbach zum Wettkampf antraten, ahnten weder diese noch Matthias Jurt, dass sich das «Kristallschiessen» innert weniger Jahre zum international beachteten Behörden­sport-Anlass mausern würde, zu dem jährlich rund zehn Dutzend behördliche Waffenträger*innen aus diversen Ländern Europas, darunter die Schweiz, Österreich, Deutschland und Luxemburg, anreisen.

Die Gründe für den Erfolg sind dabei vielschichtig. Neben der hervorragenden Organisation, die seit 2015 in den ­Händen des «Vereins Kristallschiessen» liegt, dem Spass am Schiessen und dem sportlichen Wettkampf sind es vor allem auch der Austausch und die Kameradschaft über Korps-, Institutions-, Kantons- und Landesgrenzen hinweg, welche die «inoffizielle Europameisterschaft des dynamischen Polizeischiessens» so attraktiv machen.

© zVgSeppi Hofstetter (vorne) und Matthias Jurt (2. v. rechts) riefen vor 20 Jahren das «Kristallschiessen» ins Leben.Seppi Hofstetter (vorne) und Matthias Jurt (2. v. rechts) riefen vor 20 Jahren das «Kristallschiessen» ins Leben.So läuft der Wettkampf ab

In sieben Kurzdistanz-Boxen auf dem Militärgelände ­«Gnappiried» nahe Luzern werden temporäre Parcours ­(Stages) errichtet. Diese fordern das Beherrschen aller ­Facetten des dynamischen Schiessens – namentlich ­sichere Waffenbeherrschung, schnelle und sichere Zielerfassung, präzises Schiessen aus diversen Schiesspositionen oder auch das Schiessen mit der starken oder der schwachen Hand – sowie die körperliche Fitness und die psychische Robustheit. Denn am Ende entscheidet einzig die Zeit über Sieg oder Niederlage.

Zum Jubiläum ein adaptiertes Reglement

Das neue Reglement war eine von zwei zentralen Neue­rungen zum 20-Jahr-Jubiläum des Kristallschiessens: ­Anstelle der komplexen (und für die Jury sehr zeitaufwendigen) «Faktor»-Wertung nach den offiziellen IPSC-Regeln, bei der aus der benötigten Zeit und den erzielten Punkten ein Faktor errechnet wird, wurde dieses Jahr erstmals rein nach der Zeit gewertet. Zur Berücksichtigung von Schiessfehlern wurden schlechte oder fehlende Treffer statt durch Minuspunkte mittels Zeitzuschlag berücksichtigt.

© zVgDie Besten des 20. Kristallschiessens (v. li.): Thomas Rohner (Sieger Kat. «Optics»), Julie Mertenat (Siegerin Kat. «Damen») und Simon H. (Gesamtsieger).Die Besten des 20. Kristallschiessens (v. li.): Thomas Rohner (Sieger Kat. «Optics»), Julie Mertenat (Siegerin Kat. «Damen») und Simon H. (Gesamtsieger).

Als zweite Neuerung wurde die Kategorie «Optics» lanciert. Dies, weil bereits diverse, aber eben noch längst nicht alle Behörden die Dienstwaffen ihrer Einsatzkräfte mit Optiken, insbesondere Rotpunkt-Visierungen, bestückt haben – und beim «Kristallschiessen» ausnahmslos mit der jeweils eigenen Dienstwaffe geschossen werden muss. So traten beim Jubiläumsanlass in diesem Jahr 12 der 121 Teilnehmenden (110 Männer, 11 Frauen) in der neuen Kategorie an.

Ein neuer Gesamtsieger

Ein Blick in die Gesamtrangliste offenbart: Vorjahres­gewinner Thomas Rohner, Mitarbeitender der Regional­polizei Fricktal und dieses Jahr Sieger der Kategorie ­«Optics», konnte die technische Moderne seiner mit einer Optik bestückten Dienstwaffe nicht zur Titelverteidigung nutzen. Denn mit Simon H. von der Bundespolizei Österreich und Nathan Erdin von der Kantonspolizei Aargau ­bewältigten gleich zwei mit klassischer Stahl-Visierung auf der Pistole antretende Schützen die sieben Stages, auf denen gesamthaft 148 Wertungstreffer erzielt werden mussten, schneller als Rohner.

Für den Österreicher Simon H., Angehöriger des berühmten Einsatzkommandos (EKO) «Cobra», war es der erste Erfolg beim Kristallschiessen – nicht aber sein erster Erfolg im sportlichen Schiessen. Im November 2018 belegte er bei der 2. USIP-Weltmeisterschaft im Schiessen mit Dienstwaffen in China den hervorragenden 8. Platz.

© zVgDie Stages ändern sich beim  «Kristallschiessen» jedes Jahr. Einzige Gemeinsamkeit: Jede erfordert das Beherrschen aller Facetten des dynamischen Schiessens.Die Stages ändern sich beim «Kristallschiessen» jedes Jahr. Einzige Gemeinsamkeit: Jede erfordert das Beherrschen aller Facetten des dynamischen Schiessens.

Mit seinem Sieg beim «Kristallschiessen» trat er zudem in die Fussstapfen von Daniel H., ebenfalls Angehöriger der «Cobra», der 2018 den grossen Kristall nach Österreich «entführt» hatte – und beim Jubiläumsanlass den «undankbaren» vierten Rang belegte.

Wie Daniel H. ist auch Nathan Erdin alles andere als ein Unbekannter beim «Kristallschiessen». Der Schweizer nahm schon mehrfach am legendären Wettkampf teil, setzte 2020 und 2021 aus – und wurde beim Jubiläumsanlass seinem Ruf als «ewiger Zweiter» einmal mehr gerecht: Er eroberte nach 2016, 2017 und 2019 schon zum vierten Mal «nur» die Silber­medaille.

Die beste Frau im Feld

Bester weiblicher Teilnehmer und damit Gewinnerin des kleinen Kristalls war – zum vierten Mal in Folge – Grenzwächterin Julie Mertenat. Die aus der Romandie angereiste Mitarbeiterin des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), die einmal mehr sehr präzise und zudem schnell wie der Teufel schoss, belegte Rang 35 im Gesamtklassement – 80.14 Zeitpunkte hinter Sieger Simon H. .

© zVgJährlich werden am «Kristallschiessen» 17’000 bis 18’000 Patronen abgefeuert – und die Hülsen werden am Abend sorgfältig eingesammelt.Jährlich werden am «Kristallschiessen» 17’000 bis 18’000 Patronen abgefeuert – und die Hülsen werden am Abend sorgfältig eingesammelt.

Komplettiert wurde das «Damen-Podest» durch die Drittplatzierte von 2011, Amy King (PSV Vorarlberg, Gesamtrang 59) sowie Cathia Frei (Police cantonal vaudoise, Gesamtrang 68), welche nach 2019 zum zweiten Mal Bronze eroberte. Isabella Zurfluh (Luzerner Polizei), wie Nathan Erdin schon seit Jahren eine fixe Grösse beim «Kristallschiessen» und Siegerin der Jahre 2013 und 2017, musste sich mit Rang 8 der Damenwertung begnügen. Damit lag sie sozusagen «gleichauf» mit Stefan Bachmann (Kapo Freiburg), der nach seinen drei Siegen in den Jahren 2013, 2017 und 2019 dieses Jahr ebenfalls Rang 8 belegte.

Top-Team und weitere Highlights

Den Titel des erfolgreichsten Teams 2022 (Top drei jedes Teams gewertet) sicherte sich die Mannschaft der Bundespolizei Österreich (EKO Cobra) vor den Mitgliedern der ­Kantonspolizei Aargau und dem Team der Stadtpolizei ­Zürich. Letztere stellte mit 18 Teilnehmenden das grösste Team.

Bester Vertreter Deutschlands war der Sieger von 2014, Jochen Richter (Kollath e. K.), auf Rang 10. Nico Crelo von der Polizei Lëtzebuerg (Rang 63) hielt – wie jedes Jahr – auch beim Jubiläumsanlass wieder die Fahne Luxemburgs hoch.

Am Ende eines langen Tages, an dem knapp 18’000 9-mm-Projektile abgefeuert wurden (davon 4’500 Schuss Frangible 9 mm an der von der RUAG Ammotec gesponserten «Steel-Stage»), stand fest: Es war einmal mehr ein gut organisierter, spannender Wettkampf – und alle, die dabei waren, freuen sich schon auf das 21. Kristallschiessen im September 2023. Mehr Infos und die Kontaktadresse des Vorstands finden Interessierte auf www.kristallschiessen.ch.

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