© Jörg RothweilerDas neue GRTW der Sanität Basel basiert auf einem Mercedes-Benz Citaro, ist 12 Meter lang und bietet Platz für bis zu 16 Personen plus Fahrer.Das neue GRTW der Sanität Basel basiert auf einem Mercedes-Benz Citaro, ist 12 Meter lang und bietet Platz für bis zu 16 Personen plus Fahrer.Seit Anfang Juli verfügt die Sanität der Rettung Basel-Stadt über einen brandneuen Grossraumrettungswagen (GRTW). Jan-Hendrik Stiebeling, Leiter Projekte, und Daniel Kobler, Leiter Operativer Bereich und stv. Leiter Sanität, haben uns das neue Fahrzeug im Detail gezeigt.

Kaum zu glauben, aber Realität: Durchschnittlich alle sechs bis acht Wochen kommt es in Basel zu einem potenziellen Massenanfall von Verletzten (MANV; mehr als sechs verletzte Personen) – meist infolge eines ­Brandes in einem Mehrfamilienhaus. Jeder dieser Fälle bedeutet für die ­Sanität Basel enormen Aufwand, wie ­Daniel Kobler erläutert: «Bisher mussten in solchen Fällen stets mehrere Rettungswagen der Sanität Basel zum Ereignisort ausrücken. Etwa, wenn eine grössere Anzahl Personen Rauchgasen ausgesetzt war. Künftig genügt für solche Einsätze ein einziges Fahrzeug: der neue Grossraumrettungswagen, kurz GRTW. Dieser ersetzt bis zu fünf RTW – und das zur Hälfte des Preises und natürlich deutlich weniger ­personalintensiv.»

Beschafft unter dem Eindruck des Terrors

Laut Jan-Hendrik Stiebeling, der viel Zeit, Erfahrungswerte und Hirnschmalz in die Konzeption des Fahrzeuges investierte, ist der 12 Meter lange (mit Heckkoffer: 13,5 m), rund zweieinhalb Meter breite, 3,20 Meter hohe und bis maximal 19 Tonnen schwere GRTW «ein Einsatzmittel speziell für Grossereignisse, ausserordentliche Lagen sowie Katas­trophen». Wobei neben MANV-Szenarien insbesondere ­personenreiche Evakuierungen (z. B. Mehrfamilienhäuser, Veranstaltungsorte, Heime, Sportstätten) im Zentrum der Betrachtung standen. Ebenfalls denkbar sind laut Stiebeling «intensivmedizinische Verlegungen oder der Transport aussergewöhnlich schwergewichtiger Menschen». Doch dies sei eher ein willkommenes Zusatzspektrum und war daher für die Planung weniger zentral.

© Jörg RothweilerProjektleiter Jan-Hendrik Stiebeling auf dem Platz des «Operators», der im Einsatz die Technik des GRTW betreut und die Verbindung zur Einsatzleitzentrale aufrechterhält.Projektleiter Jan-Hendrik Stiebeling auf dem Platz des «Operators», der im Einsatz die Technik des GRTW betreut und die Verbindung zur Einsatzleitzentrale aufrechterhält.Der Grund: Die Beschaffung eines GRTW, wie es ihn in ­Europa bereits in grösserer Zahl, hierzulande bisher nur in Zürich (siehe Box) und nun auch in Basel gibt, wurde vor rund fünf Jahren beschlossen – als Europa unter wiederholten ­Terroranschlägen ächzte. Die Tatsache, dass das neue Fahrzeug erst jetzt ausgeliefert werden konnte, ist aber nicht etwa besonders langwieriger Planung, sondern vielmehr der Coronapandemie geschuldet. «Wäre diese ausgeblieben, hätten unsere Rettungskräfte wohl schon Ende 2020 im neuen GRTW ausrücken können», sagt Daniel Kobler.

Aussen giftiges Grün, innen Hightech in Dunkelgrau

Auf den ersten Blick sieht das Basler GRTW aus wie ein sehr auffällig lackierter Linienbus. Erst auf den zweiten Blick stechen die Blaulichtbalken vorne und hinten ins Auge. Doch Understatement hat noch selten geschadet – und die wahren Werte des GRTW sind, wie so oft, im Inneren verborgen. Dieser wurde laut Jan-Hendrik Stiebeling von der deutschen Gebrüder Heymann GmbH aus Nastätten realisiert und wartet mit allem auf, was eine rollende Intensivstation braucht.

So sind – zugunsten flexibler Adaptierbarkeit an verschiedene Einsatzszenarien – nur die beiden Liegeplätze im Heckbereich sowie sechs Sitze fix installiert. Drei weitere Liegeplätze und zahlreiche zusätzliche Sitze sind möglich. ­«Maximal haben wir Platz für bis zu fünf liegende Personen, von denen gleichzeitig drei intensivmedizinisch versorgt werden können», erklärt Jan-Hendrik Stiebeling. «Andererseits sind aber auch bis zu elf Sitzplätze und drei Liegeplätze möglich.» Maximal dürfen im GRTW bis zu 16 Personen mitreisen. Hinzu kommt der Fahrer – einer von 22, die im Vorfeld von den professionellen Fahrlehrern der Basler
Verkehrsbetriebe BVB speziell geschult wurden.

© Jörg RothweilerDaniel Kobler vor den beiden im Heckbereich fix installierten Liegeplätzen. Leicht aus der Flucht montierte Schienen erleichtern das Ausfahren der Liegen. Hinten befinden sich die Plätze für die Notärzte – und Ausziehfächer bieten viel Platz für das Einsatzmaterial.Daniel Kobler vor den beiden im Heckbereich fix installierten Liegeplätzen. Leicht aus der Flucht montierte Schienen erleichtern das Ausfahren der Liegen. Hinten befinden sich die Plätze für die Notärzte – und Ausziehfächer bieten viel Platz für das Einsatzmaterial.In der Standardkonfiguration ist das GRTW mit drei Intensiv­liegeplätzen bestückt. Jeder von diesen ist mit Monitor, ­Beatmungs- und Reanimationsgerät, Absaug- und Spritzenpumpen sowie weiteren, heute im RTW zum Standard ­zählenden Gerätschaften ausstaffiert. Zudem ist im GRTW auch ein Ultraschallgerät vorhanden – und in zahlreiche Schubladen und Ausziehschränken kann viel medizinisches ­Material sicher und sauber verstaut werden. «So dient der GRTW auch als kleines Materiallager für den Fall, dass am Schadenort mehr Menschen versorgt werden müssen, als im Fahrzeug Platz finden», erklärt Daniel Kobler.

Medizinische Einsatzmittel modular verpackt

Im Heckbereich, hinter den fix installierten Liegeplätzen und den beiden Sitzen für die Notärzte, sind zudem Druck­flaschen eingebaut, in welchen 13’000 Liter medizinischer Sauerstoff enthalten sind. «Genug, um gleichzeitig bis zu 16 von einer Rauchgasvergiftung betroffene Personen zu versorgen, wobei alle Plätze über einen Sauerstoffanschluss verfügen», erläutert Jan-Hendrik Stiebeling – und betont: «Uns war enorm wichtig, dass alle im GRTW verwendeten Einsatzmittel zu 100 Prozent identisch sind mit jenen in den anderen RTW der Organisation. Dabei verwenden wir seit Jahren ausschliesslich bewährte Produkte derselben Hersteller und verpacken diese in modularen Paketen – Rot für Herz-Kreislauf und Blau für Beatmung. Diese Packs sind immer identisch bestückt und angeschrieben – im Rucksack, im RTW und nun auch im GRTW. So müssen sich die Rettungskräfte nicht umgewöhnen oder umdenken, egal, womit sie zum Einsatz eilen. Sie können jederzeit aus dem bereits Bekannten schöpfen – und sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren.»

© Jörg RothweilerDas dritte Set medizinischer Geräte ist zugunsten  maximaler Flexibilität nebeneinander angeordnet. Darunter finden zwei Notfallliegen oder – für Verlegungen – ein reguläres Intensivpflegebett Platz.Das dritte Set medizinischer Geräte ist zugunsten maximaler Flexibilität nebeneinander angeordnet. Darunter finden zwei Notfallliegen oder – für Verlegungen – ein reguläres Intensivpflegebett Platz.Bärenstark und durchdacht bis ins Detail

Da es im Notfall schnell gehen muss, verfügt der auf der Plattform eines Mercedes-Benz Citano aufgebaute, rund eine Million Franken teure GRTW über ordentlich Power. Unter der Fahrerkabine arbeitet ein Sechszylinder-Dieselmotor mit 354 PS Leistung. Weitere Details sind – neben Blaulicht und Martinshorn – eine Motorraumlöschanlage sowie eine 360-Grad-Kamera. Diese sorgt nicht nur für ­Sicherheit beim Rangieren und Platzieren des Fahrzeugs, sondern ermöglicht auch die Überwachung des Fahrzeug­umfelds, das bei Nacht von beidseitig im Dachbereich angebrachten LED-Leuchten erhellt wird.

Auf der rechten Fahrzeugseite kann – nahezu über die ­gesamte Länge – eine schützende Markise ausgefahren werden. Hinten am Fahrzeug ist ein abnehmbarer Heck­koffer montiert. «Dieser bietet viel Platz für sperriges Einsatzgerät – unter anderem die Rettungsbahren und ein 4,2 kW starkes Inverter-­Stromaggregat vom Typ Denqbar DQ-4200, dank welchem der GRTW auch bei längeren Einsätzen elektro-autark bleibt», sagt Daniel Kobler.

Die schiere Grösse als Hemmschuh

«Bigger is better» stimmt oft – kann aber auch zur Herausforderung werden. Beim GRTW der Sanität Basel besteht diese darin, dass das Fahrzeug nicht direkt in die Notfallstation des Unispitals Basel einfahren kann. Doch weil genau vor dieser eine Bushaltestelle der Linie 34 platziert ist, ist das kein wirkliches Problem – auch wenn sich wohl der eine oder andere ÖV-Benutzer oder Tourist verdutzt die Augen reiben wird, wenn statt des dunkelgrünen BVB-Busses das giftgrüne GRTW an der Haltestelle vorfährt.

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